Reiches Algerien, armes Algerien
Von Rim Mathlouti, Cécile Thuillier und Michel Pignard – ARTE GEIE / Camicas Productions – Frankreich 2006
Seit Jahren schon gleicht Algerien einer gigantischen Baustelle. Nach Jahrzehnten gescheiterter Planwirtschaft war alles wieder aufzubauen, Schulen, Krankenhäuser, Brücken und Strassen. Heute kann sich das Land all diese Projekte leisten, die Währungsreserven, die durch den Export von Öl und Erdgas erwirtschaftet werden konnten, beziffern sich Ende 2006 auf 70 Milliarden US-Dollar. Das Geld reicht aus, um alle Wareneinfuhren der kommenden drei Jahre zu finanzieren. Nach dem Abbau des Schuldenberges konnten auch stillgelegte Bauvorhaben fertiggestellt werden, gerade erst, nach 15jähriger Bauzeit wurde der Flughafen Boumedienne in Betrieb genommen. Jetzt soll auch ein Autobahnnetz von insgesamt 1200 Kilometern gebaut werden . Grossaufträge wurden an chinesische Bauunternehmer und deren Arbeiter vergeben, die einheimische Wirtschaft ging in fast allen Fällen leer aus, die Arbeitslosigkeit erreichte neue Höchstwerte. Der Durchschnittslohn eines algerischen Arbeiters liegt bei 120 Euro pro Monat, überleben kann nur, wer noch einen kleinen Strassenverkauf betreiben kann oder Möglichkeiten für ein anderes Zusatzeinkommen findet. Algerien wächst in zwei Geschwindigkeiten, dem öffentlichen Wohlstand steht eine sich zuspitzende soziale Krise gegenüber.Bangladesh : Der Bankier der Armen
Von Michael Unger und Emmanuel Royer – ARTE GEIE – Frankreich 2006
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- 15'30"
Nach wie vor lebt die Hälfte der Bevölkerung Bangladeshs – das sind immerhin an die 70 Millionen Menschen - in grosser Armut.Doch es gibt einen, der dieser Armut seit über dreissig Jahren den Kampf angesagt hat: Sein Name: Dr. Mohammad Yunus.
Der Wirtschaftsprofessor hat dafür den diesjährigen Friedensnobelpreis bekommen. Zum ersten Mal ging er damit nach Bangladesh. Mohammad Yunus ist der Begründer der Grameen-Bank, der „Dorf-Bank“, die Mikrokredite an die Landbevölkerung vergibt. Indem sie ein paar Dollar an die Ärmsten verleiht, hilft die Bank, die horrende Armut zu verringern.
Der Nobel-Preis ist ist für Bangladesh von grosser Bedeutung. Endlich mal eine gute Nachricht für das Land. Die Menschen haben wieder Grund stolz zu sein - kennt die restliche Welt das Land am Gangesdelta doch oft nur als von Überschwemmungen und Wirbelstürmen gebeuteltes Armenhaus.
Beim genaueren Hinsehen haben unsere Reporter Michael Unger und Emmanuel Royer jedoch festgestellt, dass es durchaus eine etwas andere Sicht auf den Fiedensnobelpreisträger und seine Grameen-Bank geben kann.
Waziristan : Hochburg der Taliban-Milizen
Von Alice Maire, John Linton, Stephan Cariti et Claire Almayrac
Waziristan, das pakistanische Stammesgebiet entlang der Grenze zu Afghanistan ist eine Sperrzone für ausländische Journalisten, denn hier herrschen die Gesetze neuer Taliban-Milizen, die nach den amerikanischen Bombenangriffen auf das Taliban-Regime in Afghanistan Ende 2001 in dieser unzugänglichen Region Zuflucht gefunden haben. Dieses Stammesgebiet nutzte schon vor 25 Jahren der pakistanische Geheimdienst, um Kämpfer für den « Heiligen Krieg » ausbilden zu lassen, später war es der amerikanische CIA, der von hier aus Widerstandskämpfer gegen die sowjetischen Invasionstruppen in Afghanistan operieren liess. Im Laufe der vergangenen Jahre haben die Talibankräfte fast das gesamt Stammesgebiet erobert und kontrollieren sogar mehrere Städte ausserhalb ihrer Herrschaftsgebiets. Taliban-Führer liessen ankündigen, dass nur sie für die öffentliche Ordnung zuständig seien und die Charia, die islamische Rechtsprechung wieder einführen würden. Inzwischen wird regelmässig von willkürlichen Hinrichtungen, der Ermorderung zahlreicher Stammeschefs, von Angriffen auf Musikgeschäfte und Einschüchterungen der Frauen berichtet, so wie sie in den Jahren des Talibanregimes in Kabul an der Tagesordnung waren. Weil von Waziristan aus immer häufiger NATO-Truppen und amerikanische Soldaten in Afghanistan überfallen und getötet werden, übte die US-Regierung massiven Druck auf den pakistanischen Präsidenten aus, seine Armee sollte das « Stammesgebiet von diesen Taliban-Terroristen befreien ». Doch die Operationen der pakistanesischen Armee endeten in einem Desaster, die Truppen verloren in den Gefechten mit Talibanmilizionären 600 Soldaten. Anfang September unterzeichneten Taliban-Chefs und die Regierung Pakistans ein Friedensabkommen.







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