Schriftgröße: + -
Home > Kultur entdecken > Jahrhundertaufnahmen Jazz > 50 Jahrhundertaufnahmen des Jazz > Reinhardt, Django - Souvenirs

Jahrhundertaufnahmen Jazz

Ab sofort präsentiert ARTE-Online zusammen mit der SWR 2-Jazzredaktion in einer neuen Reihe die "Jahrhundertaufnahmen des Jazz" – von den Anfängen bis zur (...)

Jahrhundertaufnahmen Jazz

Jahrhundertaufnahmen des Jazz - 28/11/08

Django Reinhardt: "Souvenirs"

Dreyfus Jazz


Eine einzigartige Begabung und ein Genie der Jazz-Gitarre
von H. -Werner Wunderlich

Die Auswahl im Überblick

Am 23. Januar 1910 wurde im belgischen Liverchies Jean Baptiste Reinhardt geboren, den später jeder nur als "Django" kannte. Sein Vater war Musiker, seine Mutter Tänzerin. Seine Familie vom Sinti-Stamm der Manouches hatte dort ihr Winterquartier bezogen. Es folgten ein paar Jahre im durch die Gegend ziehenden Wohnwagen, bis der 1916 am Stadtrand von Paris einen festen Platz fand. Dem Zwölfjährigen schenkte ein Nachbar ein sechssaitiges Banjo, das der Junge schnell fehlerfrei beherrschte, mit ihm in Lokalen und auf der Straße spielte und 1927 gegen eine Gitarre eintauschte.
Als am Morgen des 2. November 1928 in seinem Wohnwagen lagernde Kunstblumen Feuer fangen, versucht Django sich vor den Flammen durch eine Decke zu schützen, die er mit der linken Hand festhält. Die erleidet schlimme Verbrennungen, es dauert viele Monate, bis sie wieder hinreichend gekräftigt ist. Doch die Sehnen des kleinen und des Ringfingers bleiben verkürzt.

Erst 1930 ist Django wieder in der Lage zu spielen, nun deutlich vom Jazz inspiriert. 1932 trifft er auf den Geiger Stephane Grappelli, der ihn Schreiben lehrt und ihm bessere Jobs besorgt. Mit Grappelli spielt Django in den Bands von André Ekyan und Michel Warlop, bis die Beiden eine eigene Gruppe aufmachen, die als "Quintette du Hot Club de France" in die Jazz-Geschichte eingeht, mit einem wichtigen und speziell europäischen Kapitel. Gerade Django war es, der als erster Europäer Einfluss ausübte auf die Entwicklung des afro-amerikanischen Jazz.
Duke Ellington schrieb in seiner Autobiographie, Reinhardt sei "eine der wenigen wirklich einzigartigen Begabungen unserer Musik". Er starb am 16. Mai 1953 in Samois-sur-Seine. Die Schar der Gitarristen, die von Django beeinflusst sind und auch heute noch die Erinnerung an ihn lebendig erhalten, ist kaum zu überschauen.

Das vorliegende Album "Souvenirs" enthält etliche Aufnahmen des Quintetts aus den späten 1930er Jahren, aber auch solche, die nach dem Zweiten Weltkrieg zum Teil in anderer Besetzung entstanden. Bei zwei Titeln war Django Reinhardt in USA Gast des Orchesters von Duke Ellington.

Text: H.-Werner Wunderlich

Django Reinhardt
"Souvenirs"
Dreyfus Jazz FDM 36744-2
(Vertrieb Soulfood)

Erstellt: 21-12-07
Letzte Änderung: 28-11-08


+ aus Kultur entdecken