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Am 17. März 2011 feiert Siegfried Lenz seinen 85. Geburtstag: ARTE gratuliert mit einem Schwerpunkt. Kommen Sie mit auf Entdeckungstour!

> Krimi-Bestenliste Mai 2010 > 04. Dominique Manotti: Letzte Schicht

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KrimiWelt auf www.arte.tv - Rezensionen aus der Jury - 01/09/10

Dominique Manotti: Letzte Schicht

Gute Wirtschaftsthriller sind so selten wie … bescheidene Hedgefondsmanager. Dominique Manotti, französische Wirtschaftshistorikerin und ehemalige Gewerkschaftsaktivistin, ist erstmals 2004 in Deutschland aufgefallen mit ihrem Roman über einen Streik in der französischen Textilindustrie: In Hartes Pflaster wehrten sich die ohne Papiere beschäftigten Illegalen gegen Ausbeutung. Noch besser, noch geschickter als in diesem Roman verknüpft Manotti Thriller, Schlüssel-Wirtschaftsroman und Lebenswirklichkeit der Arbeiter in Letzte Schicht (original 2006: Lorraine Connection) Hintergrund der bald eskalierenden Unfälle und Morde in einer am EU-Tropf vegetierenden Lothringer Fabrik für Bildröhren ist der Kampf zweier Global Player um den Besitz des 1996 unter dubiosen Bedingungen privatisierten Rüstungskonzerns Thomson. Manotti hat ein Lehrstück über die Skrupellosigkeit der white-collar-criminals vorgelegt, sinnlich, anschaulich auf allen Ebenen: vom Fließband über regionale Korruption bis zum globalen Raubzug samt gekaufter Regierung. Eine tolle Entdeckung!

Tobias Gohlis/Arte 30.7.10
KrimiWelt-Bestenliste August


Ein Tal in Lothringen, eine Fabrik für Bildröhren. Viele Fran-zosen arbeiten hier, viele mit arabischer Abstammung, auf der Chefebene dagegen Koreaner. Ein Vorzeigeprojekt, aber die Stimmung ist schlecht: Unfälle haben sich ereignet, die Ar-beitsbedingungen sind miserabel, die Löhne mies, die Chefs unzugänglich. Dann macht das Gerücht die Runde, fest vereinbarte Prämienzahlungen würden nicht geleistet; außerdem wird eine Arbeiterin, die alle schätzen, wegen einer Lappalie entlassen. Die Reaktion: Ein wilder Streik bricht aus, die Chefs werden festgesetzt, die Wut der Arbeiter kocht hoch. Dann bricht plötzlich Feuer aus, Teile der Fabrik brennen nieder.
Wer ist verantwortlich? Die Streikenden? Oder haben ganz andere Interessen dazu geführt, dass da, wo eigentlich keiner zündelte, ein Feuer ausbrach? Ein Detektiv macht sich auf den Weg, offizielle Ermittlungen werden eingeleitet, Zeugen ver-nommen. Die zumindest, die vernommen werden können. Denn einige derer, die ganz nah dran waren, eine junge Araberin zum Beispiel und einer der Streikführer, verabschieden sich plötzlich auf merkwürdige Weise aus dem Leben ...
Ein Wirtschaftskrimi, der die komplexe ökonomische Ge-mengelage zwischen Umstrukturierung alter Industrien, Glo-balisierung, europäischem Zusammenwachsen sowie allen möglichen Spielarten der Korruption darstellt – und dabei aus seiner Sympathie für die kleinen Leute kein Hehl macht, auf deren Schultern das alles ausgetragen wird. Dominique Manotti, geboren 1942, ist eine engagierte Autorin, die sich vor einer einseitigen Sichtweise nicht scheut, diese aber aber komplex und kompetent in der Handlung begründet. Lesens-wert ist ihr Roman vor allem deshalb, weil er gut geplottet ist und mit seiner Mischung aus Reportage- und Literaturelemen-ten sehr nahe dran an seinen intelligent gestalteten Protagonisten.

Ulrich Noller/Funkhaus Europa 6.8.10
KrimiWelt-Bestenliste September 2010


Erstellt: 26-05-09
Letzte Änderung: 01-09-10


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