1971 sind sie dem breiten Publikum noch völlig unbekannt, geheimnisvoll und passen in keine Schublade: Cabaret Voltaire sind echte Pioniere am Keyboard und Drumcomputer.Gründungsmitglied Chris Watson verlässt 1981 das britische Trio, um als Toningenieur bei der BBC zu arbeiten. Auch heute noch ist er ganz wild auf verrückte Sounds. Sein 2005 erschienenes Album, besteht aus Aufnahmen von Wildtieren, die einen Gazellenkadaver verschlingen. Für den Soundbastler steckt eben in allem Musik!
Ursprünglich stammen sie aus Sheffield, einer Industriestadt im Norden Englands, in der 1989 auch das Elektro-Label WARP Wurzeln schlägt. Die drei Musketiere von Cabaret Voltaire besuchen dort zunächst die Kunsthochschule, bevor sie beschließen, eine experimentelle Band zu gründen. Statt im Studio zu stehen, treten sie aber lieber live auf.
Chris Watson: "In den ersten Jahren war Cabaret Voltaire dem Publikum noch weitgehend unbekannt, weil wir uns einfach treiben ließen. Wir machten kleine Klangcollagen, spielten ein paar Songs ein, arbeiteten, nahmen auf, aber veröffentlichten nichts. Irgendjemand hatte einen Lieferwagen, mit dem wir herumfuhren und hinten auf der Ladefläche Musik spielten. Wir stellten uns vor den Eingängen der Läden in Sheffield auf und spielten so laut wir konnten. Dann beobachteten wir die Leute, wie sie uns zuhörten und zusahen. Das war toll."An dieser besonderen Auftrittskultur zeigt sich, dass Dadaistenblut in den Adern von Cabaret Voltaire fließt. Ihr Name geht auf die Züricher Kneipe zurück, in der sich früher die Künstler der Dada-Bewegung trafen.
Die 1916 entstandene Künstlergruppe der Dadaisten nahm für sich in Anspruch, antibourgeoise Kunst zu machen. Der Künstler Marcel Duchamp wurde mit dem Bild eines Bidets berühmt. Mit alten Konventionen aufräumen und kreativ sein, indem man die Leute amüsiert – so lautet das Credo der Dadaisten, das auch Man Ray ab 1918 fasziniert. In diesem Jahr kreiert auch Georges Grosz seine ersten Werke mit Hilfe von Fotomontagen. Ende der fünfziger Jahre überträgt der amerikanische Schriftsteller William Burroughs die Technik der Decoupage und Collage unter dem Namen Cut up in die Literatur. Dies ist auch die Technik, die Cabaret Voltaire einige Jahre später in ihre Musik einfließen lassen.
Die „Cut up“-Technik, die der elektronischen Musik zugrunde liegt, wird von Cabaret Voltaire auch zur Bildbearbeitung eingesetzt. Als Pioniere sampleten sie Filmdialoge und schufen daraus Videos, die sich wie in "Sensoria" ihrem Sound anpassen. Mit seinen rasanten Kamerafahrten und wahnwitzigen Schwenks ist der 1983 entstandene Clip das erste Musikvideo, das in einem Museum gezeigt wird - dem Museum of Contemporary Art in Los Angeles.Neugierig darauf, wie das Publikum auf ihre Musik reagieren würde, erklärt sich das Trio bereit, 1974 ein erstes Konzert zu geben. In Großbritannien, das damals voll und ganz von der klassischen Kombination „Bass, Gitarre, Schlagzeug“ bestimmt war, setzt die Band ganz bewusst auf Provokation.
Chris Watson: "Das erste Mal spielten wir live an der Sheffield University. Wir kamen, und es war von vornherein klar, dass es schiefgehen würde. Ich konnte spüren, dass die Leute etwas irritiert waren, als wir den Soundcheck machten, denn ich hatte eine Bandaufnahme von einem Dampfhammer mitgebracht. Anfangs war es ganz okay, aber nach etwa 20 Minuten lief es aus dem Ruder, als den Leuten klar wurde, dass wir hier nicht nur einen kurzen Zusammenschnitt von Stücken spielten, dass es keinen Drummer und keine Gitarre gab und dass sich daran auch nichts ändern würde. Erst wurde die Menge nur unruhig, aber dann stürmten Leute auf die Bühne. Es kam zum Kampf, und Mal wurde angegriffen. Jemand warf ihn von der Bühne, und er brach sich ein Stück Knochen am Rücken ab. Diese Punk-Performance verschaffte uns aber einen Namen und auch wenn das völlig gegen unseren Willen passiert war, nützte es uns."1978, sieben Jahre nach der Gründung, bringen Cabaret Voltaire endlich ihre erste Platte heraus. Unter den vier Titeln, die bei dem Label Rough Trade erscheinen, ist auch eine Provokation, wie sie nur von Dadaisten stammen kann: Das Stück „Do the Mussolini (Headkick)“, zu deutsch etwa „Tritt Mussolini gegen den Kopf.“ Eine Anspielung auf den 27. April 1945, den Tag, an dem die Italiener Schlange stehen, um den Leichnam des verstorbenen Diktators mit Füßen zu treten.
1981 verlässt Chris Watson Cabaret Voltaire, um als Toningenieur zur BBC zu gehen. Die Gruppe macht ohne ihn weiter und orientiert sich in Richtung Pop. Insgesamt spielen Cabaret Voltaire ungefähr 30 Alben und rund 60 Maxi-CDs ein. Ausserdem arbeiten sie mit dem Schriftsteller William Burroughs und dem Fotografen Anton Corbjin zusammen.
Videos
"Sensoria" von Cabaret Voltaire
"Nag Nag Nag" von Cabaret Voltaire
"Seconds too late" de Cabaret Voltaire
"Yashar" de Cabaret Voltaire
"Slugging for Jesus" de Cabaret Voltaire
Links>> Offizielle Website von Chris Watson
>> Chris Watson auf Touch Radio
>> Offizielle Website von Cabaret Voltaire
Chris Watson Solo Outside the Circle of Fire
Stepping into the Dark
Weather Report
bei Touch Records







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