Bis zum Ende des Bürgerkrieges bestand die Arbeiterklasse der Südstaaten fast nur aus Schwarzen. Die populärste Verbindung von Religion und Musik findet seither hier statt – in den Gospel-Churches. Bei Gebet und Gesang drückt sich alles aus. Die Sehnsucht der Seele nach Freiheit. Die englische Übersetzung des Wortes Seele ist natürlich: “Soul”… Bevor der Reverend Al Green den Ruf des Herrn vernahm, war er selbst eine Art Gott. Oder zumindest ein Stern am Himmel des Pops. Die kirchliche Hochzeit des King of Rock´n´Roll. Auch von Elvis Presley gibt es zahlreiche akustische Glaubensbekenntnisse. Ein Sänger – angebetet von seinen Fans wie ein Messias. Die Konzerte – zelebriert wie Messen. Graceland – nach seinem Tod Pilgerstätte für seine Jünger…
Von Drogenexperimenten gelangweilt, machen sich Ende der Sixties zahlreiche Popstars auf die Suche nach neuen spirituellen Erfahrungen. In Indien entdecken sie verschiedene Gurus. Sri Chinmoy zum Beispiel, dessen Texte auf den Plattencovern von Gitarrengöttern wie Carlos Santana und Mahavishnu John McLaughlin auftauchen. Was bleibt, ist eine freiere Auffassung vom Glauben – egal, ob es nun Halleluja oder Hare Krishna heißt… Die Rastafaris besingen Jah, den Sohn Gottes und König von Judah, bereits wiedergeboren im ehemaligen äthiopischen Kaiser Haile Selassie. Der eiserne Löwe von Zion… Wenn „Stryper“ im Line-Up von Heavy-Festivals auftauchen, sagen andere Metalbands häufig ihren eigenen Auftritt ab. “Stryper” wollen mit bösem Lärm die Botschaft des Guten verbreiten. Ja, auch das gibt´s: Christlich motivierten White Metal...
2005 am Weltjugendtag zeigte die katholische Kirche in Köln, dass sie den Mechanismen der Popkultur einiges abgeschaut hat… und das, nachdem sich die Kirche seit Jahren von weltlichen Ikonen wie Madonna wegen hemmungsloser Verpoppung ihrer heiligen Symbole provoziert fühlt. Nach Christentum und Buddhismus verarbeitete sie auch die Mystik der altjüdischen Kabbala. Mit der Verwendung der Symbolik löste sie zumindest kosmetisch einen Modetrend aus…
Rabbiner Barsilay: "Es ist die mystische Lehre des Judentums. Es ist vor allen Dingen nicht das, was ganze viele Prominente im Moment daraus machen und damit groß rauskommen. Kabbala ist eine Lehre, eine sehr ernst zu nehmende Lehre, für die man eine gewisse Reife braucht, nicht unbedingt eine Reife im Alter, aber eine Reife im Wissen. Diese mystische Lehre versucht Wege zu finden, wie der Mensch vollkommener wird. Aber wenn eine Frau wie Madonna sich mit Kabbala befasst, dann bewirkt das bei mir nur ein Schmunzeln."
In der Reportage zu sehenKurt Wagner, Lambchop
Rabbiner Barsilay
Matisyahu
Yusuf Islam / Cat Stevens
Bob Geldof
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