Er ist der Godard des Porno. Bereits Anfang der sechziger Jahre verkuppelte der Diplom-Politwissenschaftler José Benazeraf Erotik und Politik. Mit seinen Oden an die Sexualität und die freie Liebe hat er sich schnell an die Zensur gewöhnt. Seine Streifen „Paris Erotika“, „Cover Girls“, „Bacchanales 73“ stammen aus einer Zeit, in der man die Sexualität als Waffe gegen das Spießbürgertum einsetzte. Der 1922 in Casablanca geborene José fand seine Berufung schon sehr früh. Zu einer Art Schlüsselbegriff in seiner Anschauung wird das Wort Eleganz. Eleganz und Erotik gehen für ihn Hand in Hand. Seiner Meinung nach gibt es keine Erotik ohne Eleganz oder Klasse.1966 landete Bénazéraf seinen ersten großen Coup, mit „Joe Calligula“. Die Inspiration für den Krimi fand er in den Clubs von Pigalle, wo er selbst viel Zeit seines Lebens verbrachte und einen gewissen Bekannheitsgrad erhalten hatte. Laut eignenen Aussagen ging er selten allein nach Hause, doch gleichzeitig beteuert er, niemals für ein Mädchen bezahlt zu haben.
Erster Erfolg, erster Skandal! Kurz nach der Premiere wird „Joe Caligula“ verboten, wegen Gewaltverherrlichung. Doch wirtschaftlicher Erfolg stehen laut Benazeraf nicht primär im Vordergrund. Vielmehr versucht er dem kreativen Schaffen aus einer persönlichen Motivation heraus nachzugehen. Doch seine Filme bleiben nicht immer ohne Erfolg. Der Beginn der 70er Jahre ist das goldene Zeitalter für erotische Filme in Frankreich. „Emmanuelle“ lockt 3 Millionen Zuschauer in die Kinos. Die Porno-Industrie nimmt den Zug in voller Fahrt. Ab 1975 werden pornografische Filme auf Regierungsbeschluss als X-Filme klassifiziert. Sexfilme verschwinden weitgehend aus der Öffentlichkeit. Für Streifen mit dem Titel „Das Begehrenswerte und das Erhabene“, der 1970 gedreht wurde, gibt es keinen Absatzmarkt mehr. Benazeraf betont jedoch des öfteren, dass nicht nur das Interesse am anderen Geschlecht seine Inspirationsquelle darstellen, sondern auch sein politisches Engagement. Er stört sich an der Politik und am Bild Frankreichs und steht seinem Land äusserst kritisch gegenüber. Seine Antipathie gegenüber Sarkozy hat er nie versucht zu verstecken. 1980 dreht José Bénazéraf den Film „Schreie der Extase“, mit der damaligen Porno-Darstellerin Brigitte Lahaie. Und auch heute, mit 84 Jahren, hat er noch alle Sinne gut beisammen.
Filmausschnitte"L'éternité pour nous"
"Joe Caligula"
"Le désirable et le sublime"
"Hurlements d’extase"
"Anthologie"







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