Bereits 1967 beginnt für den Synthesizerdompteur Klaus Schulze der musikalische Kampf Mann gegen Maschine. Als er schon elektronische Musik produziert, ist der Detroit-Techno noch pure Zukunftsmusik und die Jungs von Kraftwerk spielen noch Blockflöte. Klaus Schulze: "So etwas passiert dir nur ein Mal im Leben. Genau in dem Moment, als ich beschloss, eine neue Form von Musik, eine neue Ästhetik zu erschaffen, statt alles aus England oder Amerika zu übernehmen, wird der Synthesizer erfunden. Ein völlig neues Instrument, wie für meine Zwecke erschaffen. Also legte ich los, ohne überhaupt zu wissen, was ich suche. Wie ein kleiner Junge spielte ich an den Knöpfen rum… Es war so ähnlich wie in den ersten Stunden des Techno."
Der 1947 geborene Berliner spielt schon mit vier Konzertgitarre. In den psychedelischen Sechzigern wird er Schlagzeuger bei gleich zwei viel versprechenden Bands: Tangerine Dream und Ash Ra Tempel. Hinter dem eisernen Vorhang erfinden die Berliner Musiker damals ihr eigenes Pink Floyd. Seine Wurzeln liegen im Psychedelic Rock und der elektronischen „Musique concrète“. Klaus Schulze bearbeitet so unermüdlich Tonbänder auf der Suche nach einem neuen Sound, dass es sogar den Kollegen von Tangerine Dream zu viel wird. Doch die Rettung naht, ausgerechnet aus Übersee.In seinen Studios in North Carolina produziert Robert Moog 1970 den ersten massentauglichen Synthesizer der Welt. Damit macht der Doktor der Elektrotechnik eine Maschine den Menschen weltweit zugänglich, die bisher nur Wissenschaftlern vorbehalten war. Auf diese Weise geht der Nicht-Musiker in die Musikgeschichte ein.
Der unverkennbare Mini-, Micro, oder Polymoog-Sound sollte den Diskofans Ende der Siebziger noch viel Freude bereiten, doch schon viel früher hat Klaus Schulze den heiligen Gral als einer der ersten entdeckt.
Klaus Schulze: "So ein Instrument konntest du nicht im Laden kaufen. Du musstest Robert Moog anrufen und fragen: „Kann ich einen Moog kaufen?“. Dann sagte er „Ja, aber ich brauche die Hälfte des Geldes sofort, weil ich die Komponenten kaufen muss. Dann baue ich ihn zusammen und ein halbes Jahr später haben Sie ihn.“
Die Kreationen des Amerikaners nehmen immer größere Dimensionen an und gipfeln schließlich im Big Moog-Koloss, der heute in einem Schweizer Museum zu besichtigen ist, und zu Schulzes Markenzeichen wird. Die Maschine hält Einzug in die deutsche Musikszene und Klaus Schulze löst mit dem atmosphärischen Sound seiner digitalen Musik ein gesamtdeutsches Phänomen aus. Die kosmische Klangwelt bricht wie ein futuristischer Tsunami über die Siebziger Jahre herein.
Berlin konvertiert mit Tangerine Dream und Ash Ra Tempel sofort zur elektronischen Musik, Düsseldorf marschiert im Takt des repetitiven Spacerock von Kraftwerk oder Can und in München gründet eine Künstlerkommune die etwas mysteriösen Bands Amon Düül und Guru Guru.
Klaus Schulze: "Das Einzige, was uns verband, waren die Drogen, aber unser Lifestyle war genauso unterschiedlich wie unsere Musik. Kraftwerk sang von Models und Bars, die Münchner waren richtig wild, und die Berliner Szene bestand einfach nur aus ein paar abgedrehten Hippies."1973 trommelt in Paris das Magazin “Actuel“, die französische Stilbibel für den europäischen Underground, das Who is Who der deutschen kosmischen Musik zusammen. Fazit der All-Star-Veranstaltung: Drei Viertel der Bands sind seither bei Richard Bransons Label Virgin Records unter Vertrag. Die britische Presse betitelt das deutsche Phänomen postwendend als “Krautrock".
Klaus Schulze: "Meine Karriere begann eigentlich in Frankreich. Dann kamen die Engländer auf den Geschmack und Virgin nahm uns unter Vertrag. Danach gefiel es den Amerikanern, und was die Amerikaner mögen, finden auch die Deutschen gut. Was aus Amerika oder von einem englischen Label kommt, muss ja gut sein. Die Deutschen haben uns also akzeptiert, wenn auch erst zehn Jahre später."
Workaholic Klaus Schulze hat 78 Alben gemacht. Und es wären sicher noch mehr geworden, hätte eine alkoholbedingte Bauchspeicheldrüsenerkrankung ihn 2005 nicht beinahe das Leben gekostet. Heute lebt er zurückgezogen aber weiterhin kreativ in der Nähe von Hannover und studiert den Einfluss seiner Musik auf die Techno-Generation.
Aktuelles - Klaus Schulze KonzertKlaus Schulze
The Night Of The Prog
Open Air Festival
18. Juli 2008
>> Website des Festivals
Buch"Klaus Schulze – Electronic Music Legend"
von Greg Allen
ab den 01. Juni verfügbar 2008
>> Pre-order auf eurock.com
Links >> Die Website von Klaus Schulze
>> Hörproben und Infos auf der Website von SPV
Platten 17 Neuveröffentlichungen von Klaus Schulze
bei Revisited Records / SPV
>> Hörproben und Infos auf der Website von SPV







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