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27/08/08

Drei Farben: Rot

Nachdem das erfolgreiche Fotomodell Valentine einen Hund anfährt, lernt sie dessen Besitzer, einen pensionierten Richter, kennen. Obwohl sie von diesem Zyniker zuerst entsetzt ist, entwickelt sich zwischen den beiden eine sonderbare Beziehung...

Drei Farben: Rot
(Polen, Frankreich, Schweiz, 1994, 95mn)
ARTE F
Regie: Krzysztof Kieslowski
Darsteller: Frédérique Feder, Irène Jacob, Jean Pierre Lorit, Jean-Louis Trintignant
Autor: Krzysztof Piesiewicz
Produzent: Marin Karmitz


Valentine ist jung, selbstsicher und schön. Als erfolgreiches Fotomodell lebt sie alleine in Genf. Eines Abends fährt sie mit ihrem Auto einen Hund an. Nachdem das Tier verarztet ist, bringt sie es seinem Besitzer, einem pensionierten Richter, zurück. Den verbitterten alten Mann lässt das Schicksal seines Hundes jedoch kalt. Er beschäftigt sich lieber damit, die Telefongespräche seiner Nachbarn abzuhören und mitzuschneiden. Valentine ist entsetzt, fühlt sich jedoch auf geheimnisvolle Weise zu dem alten Zyniker hingezogen. Der wiederum beginnt unter dem belebenden Einfluss des jungen Mädchens, seinen weichen Kern unter der harten Schale herauszuschälen. Die sonderbare Beziehung zwischen dem Richter und Valentine fungiert als Fenster zur Außenwelt und macht neue Begegnungen möglich. In unmittelbarer Nachbarschaft Valentines wohnt Auguste. Er hat sein Jurastudium beendet und steckt mitten im Richterexamen. Die Wege von Auguste und Valentine kreuzen sich oft, doch die beiden lernen einander nicht kennen - bis zu dem Tag, als sie sich auf einer Fähre wiedertreffen, während ein gewaltiges Unwetter aufzieht...

Ein alter Schnüffler und ein junger Star finden Gefallen aneinander. Ein ulkigeres Paar ist wohl kaum vorstellbar, doch inmitten unserer modernen und höchst interaktiven Welt, in der Kommunikation zur Dauerbeschallung geworden ist, sind vereinsamte und verlorene Gestalten allgegenwärtig, die trotz allem technischen Schnickschnack den Kontakt zur Außenwelt verloren haben. Gleichgültig ob Topmodell oder griesgrämiger Rentner - niemand ist vor einem solchen Schicksal gefeit. Regisseur Krzysztof Kieslowski illustriert dies eindrucksvoll mit dem Porträt der erfolgreichen Valentine. Die Personen, die dem Fotomodell am nächsten stehen - Bruder, Mutter und Freund - existieren nur virtuell als Telefonstimmen, dem Zuschauer und auch Valentine bleibt der direkte Kontakt jedoch verwehrt.

"Fraternité" - zu Deutsch Brüderlichkeit - ist der dritte und letzte der ideellen Werte, mit denen sich der polnische Regisseur in seiner Trilogie "Drei Farben" auseinandersetzt. Nach dem ersten Teil "Drei Farben: Blau" von 1993 folgte im gleichen Jahr "Drei Farben: Weiß". Die Filme behandeln jeweils zwei der gesellschaftlichen Errungenschaften der französischen Revolution - Freiheit und Gleichheit - und interpretieren sie innerhalb einer heutigen Wohlstandsgesellschaft neu. Neben der semiotischen Bedeutung des Titels steht zugleich eine farbsymbolische, verweisen doch Blau, Weiß und Rot auf die Farben der französischen Trikolore.
"Drei Farben: Rot" bleibt wie kein anderer Film der Trilogie rätselhaft und ist nach Angaben Krzysztof Kieslowskis seine bisher größte dramaturgische und intellektuelle Herausforderung gewesen: Zu seinem Kameramann Piotr Sobocinski sagt der Regisseur: "Wir müssen einen Film machen, der nicht zu machen ist."
Insgesamt wurde das Meisterwerk 1995 gleich dreimal für den Oscar nominiert ebenso wie sechsmal für den César und als Bester Ausländischer Film für den Golden Globe. Darunter wurde die schauspielerische Glanzleistung Jean-Louis Trintignants in der Rolle des Richters mit einer César-Nominierung bedacht.

Erstellt: 12-03-08
Letzte Änderung: 27-08-08