Schriftgröße: + -
Home > Kultur entdecken > Kultur Digital > Ars Electronica 2009 > Drink. Pee. Drink. Pee. Drink. Pee.

Kultur Digital

Transmediale Sk-interfaces Ars EMAF 2009 teil 3 teil 2 teil 1 Transmediale Article Ars electronica Tuned City Sonar Màtica oder das grosse Staunen (...)

Kultur Digital

23/09/09

Drink. Pee. Drink. Pee. Drink. Pee.

Previous imageNext image

Drink. Pee. Drink. Pee. Drink. Pee.“ ist eine Labor-Installation im Rahmen der Ausstellung „Human Nature“. Die Initiatorinnen des Projekts, die US-Künstlerinnen Britta Riley und Rebecca Bray (oder kurz Britta and Rebecca), bieten den Besuchern der Ars Electronica mehrmals täglich kurze Workshops an, bei denen sie lernen können, aus ihrem eigenen Urin ein Düngemittel für den Hausgebrauch zu gewinnen.

Die Künstlerinnen wollen damit darauf aufmerksam machen, wie wichtig die korrekte Aufbereitung von Urin für die Umwelt ist (bei unsachgemäßer Abwasserbehandlung können beispielsweise Medikamentenrückstände aus dem menschlichen Urin ins Trinkwasser gelangen und die Tier- und Pflanzenwelt beeinträchtigen). Anstatt diese Problematik nur anzuprangern, zeigen Britta und Rebecca, wie jeder seinen eigenen Urin so filtern kann, dass er die Umwelt nicht mehr schädigt und sogar als Dünger verwendbar ist. Die erforderlichen Chemikalien sind heute noch so teuer, dass dieses Verfahren noch nicht zur täglichen Praxis taugt, wohl aber von Zeit zu Zeit durchgeführt werden kann.

Was geschieht nun genau im Workshop? Die Teilnehmer geben eine Urinprobe ab, messen deren ph-Wert und notieren Farbe und Geruch. Dann wird das Enzym Urease hinzugefügt, und die Proben werden 30 Minuten lang gekühlt. Es folgt erneut eine Messung des ph-Werts und eine farbliche und geruchliche Beurteilung. Anschließend wird Magnesiumchlorid hinzugegeben. Der Urin beginnt zu brodeln! Dann wird die Mischung gefiltert, und die aufgefangene Flüssigkeit ist unschädlich im Abwasser. Die festen Rückstände können die Teilnehmer mit nach Hause nehmen und stark verdünnt als Dünger für ihre Topfpflanzen verwenden.

Britta und Rebecca arbeiten an einer kollaborativen Forschungsmethode, die sie „R&D-I-Y, Research and develop it yourself“ (etwa: Forsche und entwickle es selbst) nennen.
Sie sind überzeugt, dass Innovation und Forschung ganz ohne Hierarchie und von gewöhnlichen Menschen, die die gesammelten Informationen miteinander teilen, betrieben werden können.

Auf gleicher Wellenlänge mit „Drink. Pee. Drink. Pee. Drink. Pee.“ liegt Brittas und Rebeccas jüngstes Projekt „Window Farms“: Es soll Stadtbewohner anregen, daheim auf dem Fensterbrett ihr eigenes Gemüse zu ziehen, wobei Recyclingprodukte und andere kostengünstige Materialien zur Anwendung kommen. In den USA entsteht rund ein Drittel der CO2-Emissionen im Zusammenhang mit der Erzeugung und dem Vertrieb von Nahrung. Dabei könnte z.B. jeder New Yorker in der eigenen Wohnung wöchentlich einen Salatkopf ernten.

Interview mit Britta Riley



Links

Erstellt: 15-09-09
Letzte Änderung: 23-09-09


+ aus Kultur entdecken