
Sylvain Augier ist als Journalist, Moderator und Produzent für Print-Presse, Radio und Fernsehen tätig.
2003 gründete er zusammen mit Patrice Parmentier die Produktionsgesellschaft 0927 Productions. Für sie macht Augier, in seiner Freizeit auch Pilot von Kleinflugzeugen und Helikoptern, u.a. Image-Filme mit Luftaufnahmen. Seine Dokumentation „Flug 420 im Visier“ wurde 2003 und 2006 auf ARTE ausgestrahlt.

Die Sucht zu fliegen
Ein aufwändiges Unterfangen, an dessen Erfolg zunächst niemand so recht glauben wollte. „Bruno und ich, wir wussten nicht, dass es eigentlich unmöglich ist. Also haben wir einfach losgelegt“, beschreibt Sylvain Augier die Initialzündung des Projekts. Ein bisschen persönliche Neugier sei auch Teil der Motivation gewesen, verrät Bruno Cusa: „Es hat uns schon seit längerem gereizt, die schönsten Orte Europas kennen zu lernen und neu zu entdecken.“ 
Spezialist für Luftaufnahmen
Bruno Cusa ist der Regisseur für die Luftaufnahmen der Sendung „Der Himmel über Europa“ und Autor von Bildreportagen und Dokumentationen für National Geographic, BBC, NHK und TF1. Ferner arbeitet er für France 2 - er hat die Luftaufnahmen von ganz Frankreich für „La France vue du ciel“ gemacht - und France 3. Seit zehn Jahren begleitet er das legendäre Rennen „Paris-Dakar“ mit der Kamera aus der Luft.

Am Anfang stand die Recherche, um aus einer unendlich langen Liste die interessantesten Objekte herauszufiltern. „Wir haben zuerst festgelegt, welche Motive einfach unumgänglich sind: die großen Städte beispielsweise und historisch bedeutsame Stätten, um die herum Europa entstanden ist. Dazu kamen besondere Orte wie beispielsweise der Berg der Kreuze in Litauen. Wir haben also nach kulturellen, geschichtlichen und ästhetischen Gesichtspunkten ausgewählt“, erklärt Sylvain Augier. Durch sein Leben zieht sich eine Konstante wie ein roter Faden: der unbändige Wunsch zu fliegen – und diese Erfahrung mit anderen zu teilen. „Schon als Kind habe ich mich für die Fliegerei interessiert. Später habe ich dann alle möglichen Flugobjekte ausprobiert: Segelflieger, Motorflugzeuge, Fallschirme, Gleitschirme, Hubschrauber, Kampfjets… Immer, wenn ich eine Sache beherrsche, versuche ich etwas Neues zu lernen. Stillstand liegt mir nicht.“ Eine Karriere als Pilot sei für ihn aber nicht in Frage gekommen: „Das hätte mir nicht gereicht. Ich musste Journalist werden und meine Erlebnisse weitergeben.“
Mit Krücken zur Flugprüfung
Seine Leidenschaft für das Fliegen hätte Augier vor knapp 20 Jahren beinahe mit dem Leben bezahlt, als er bei einem Gleitschirmflug ins Trudeln geriet und mehr als 1.000 Meter in die Tiefe stürzte. Eineinhalb Jahre verbrachte er schwer verletzt im Krankenhaus. Um weiterhin als Radiojournalist arbeiten zu können, richtete er sich kurzerhand im Krankenzimmer ein Studio für seine tägliche Livesendung ein. Und widmete sich der nächsten fliegerischen Herausforderung: dem Hubschrauber-Flugschein. Trotz aller pessimistischen Prognosen der Ärzte, er werde sich zukünftig bestenfalls im Rollstuhl fortbewegen, konnte er zu seiner Prüfung antreten – an Krücken zwar, aber aufrecht.Zwei wie Pech und Schwefel
Mittlerweile hat sich Augier auf das Produzieren von Filmaufnahmen aus der Luft spezialisiert, die auch etwa ein Drittel jeder Folge von „Der Himmel über Europa“ ausmachen. Dabei sei ein eingespieltes Team unverzichtbar, findet er: „Kameramann und Pilot müssen perfekt aufeinander abgestimmt sein. Der Pilot braucht ein Gespür für Bildaufnahmen und der Kameramann muss die Grenzen der Maschine kennen.“ Seit 15 Jahren arbeitet er mit dem Piloten Frank Arrestier und mit Bruno Cusa zusammen, der ebenfalls eine Pilotenlizenz besitzt. Neben der beruflichen Zusammenarbeit verbindet Augier und Cusa auch eine persönliche Freundschaft: „Bruno und ich, wir sind wie Pech und Schwefel. Wir sind sogar bis auf eine Woche gleich alt. Er war die Schlüsselperson für ‚Der Himmel über Europa‘, ohne ihn hätte ich die Filme nicht machen können.“Cusas Leidenschaft für das Fliegen wie auch die für Fotografie und Film erwachte ebenfalls früh. Als passionierter Weltreisender verbrachte er später ein ganzes Jahrzehnt mit Frau und Kindern auf einem Segelboot. Die Luftaufnahmen für „Der Himmel über Europa“ betrachtet Cusa eher als Herausforderung denn als echte Schwierigkeit: „Die wirklichen Schwierigkeiten hat man bei der Planung, vor dem Start. Wenn wir aber erst einmal in der Luft sind, denke ich nur noch an die Bilder. Sylvain sagt, was er haben möchte, und ich versuche gemeinsam mit dem Piloten, einen schönen Ausschnitt ohne störende Elemente zu finden und den richtigen Lichteinfallswinkel auszuwählen.“
38.000 Kilometer über Europa
Kompliziert machten die Organisation der Dreharbeiten vor allem zwei Faktoren: langwierige Prozeduren, um Überfluggenehmigungen zu erhalten und vor allem das Wetter. Sylvain Augier erklärt: „Bei Regen oder Nebel bleibt man am Boden, dann muss man sich in Geduld üben. Man kann allerdings auch ohne strahlenden Sonnenschein drehen – oft wertet ein kontrastierter Himmel das Bild sogar auf.“ In einem Zeitraum von dreieinhalb Monaten, von dem etwa die Hälfte gute Drehbedingungen bot, legte der Hubschrauber in unendlich vielen Schleifen und Kurven 38.000 Kilometer zurück. Und manchmal kamen die Herausforderungen aus ganz unerwarteter Quelle: „Die Nonnen der Metéora-Klöster filmen zu dürfen, war genauso schwierig wie einen Hubschrauber-Dreh zu organisieren. Aber durch gutes Zureden haben wir sie schließlich vor die Kamera bekommen“, meint Bruno Cusa lachend.Die Welt mit den Augen Gottes sehen
Was ist so reizvoll daran, Europa von oben zu zeigen? „Die Vogelperspektive ist ein ganz neuer Blickwinkel für den Menschen. Die Erde von oben zu sehen und sie dabei zu fotografieren, das kann man erst seit zwei Generationen. Luftbilder vermitteln ungewöhnliche Ansichten und sind einfach wunderschön. Florenz, die Toskana – da weiß man schon gar nicht mehr, wo man hinsehen soll“, schwärmt Augier. „Und stellen Sie sich einmal die Gärten der Loire-Schlösser vor, die aus einer imaginierten Sicht von oben entworfen wurden – und heute sehen wir sie tatsächlich aus der Luft und stellen fest, wie schön sie sind.“ Hat die Nachfrage nach den Bildern von oben zugenommen? „Ja, auf jeden Fall“, bestätigt er. „Man wird dieser Bilder nicht überdrüssig, sie nutzen sich nicht ab.“ Entsprechend gefragt sind auch die von ihm produzierten Filme. Das nächste Projekt, das Augier und Cusa in Angriff nehmen werden, ist ein Dokumentarfilm fürs Kino. Das Thema: die Vulkane der Erde – aus der Luft, natürlich. Für Sylvain Augier hat diese Perspektive nicht zuletzt eine spirituelle Dimension: „Für mich bedeutet fliegen, die Welt mit den Augen Gottes zu sehen.“ Eva-Maria von Geldern für das ARTE Magazin







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