Ein großes und wichtiges Kapitel in der Jazzgeschichte hat Duke Ellington (1899 - 1974) geschrieben - als richtungsweisender Komponist, als Pianist und als Bandleader, unter denen ihm eine hervorragende Stellung niemand absprechen kann.Als die 19 Stücke der CD "Ko-Ko" entstanden, lagen weite Erfolgsstrecken schon hinter Duke Ellington und seinen Musikern. Mit den nach seiner Geburtsstadt benannten "Washingtonians" hatte er 1924 erste Platten aufgenommen, war eine Zeitlang im "Kentucky Club" am Broadway aufgetreten und dann avancierte er mit seinen Leuten im legendären Harlemer "Cotton Club" zur Hausband. Regelmäßige Radioübertragungen aus diesem Club machten ihn und seine Band landesweit bekannt, prominente Kollegen wie Paul Whiteman kamen oft, um bewundernd zuzuhören. In etlichen Filmen war Duke Ellingtons Orchester auch zu sehen. Erfolgsstücke wie "Creole Love Call" und "Black And Tan Fantasy" waren schon entstanden, und die Growl-Effekte von Trompete und Posaune erzeugen den so genannten "Jungle Style", der zum ersten Markenzeichen der Band von Duke Ellington wird.
Die besten Musiker blieben lange
Die Aufnahmen des vorliegenden Album entstanden zwischen März und Oktober 1940. Mit dem neuen Jahrzehnt begann ein neuer Höhepunkt im Schaffen des Duke. Er hatte eine begnadete Gabe, hochwertige Musiker für lange Zeit an sein Orchester zu binden. Auch viele der Sidemen dieses Albums arbeiteten schon lange in der Band. Posaunist Joe "Tricky Sam" Nanton, Baritonsaxophonist Harry Carney und Gitarist Fred Guy seit 1926, Altsaxophonist Johnny Hodges und Klarinettist Barney Bigard seit 1928, Trompeter Cootie Williams und Posaunist Juan Tizol seit 1929, um nur einige zu nennen. Schlagzeuger Sonny Greer hatte gar schon 1919 mit Ellington zusammengearbeitet. Trompeter Rex Stewart war 1934 zur Band gestoßen.
Tenorsaxophonist Ben Webster trat ein Jahr später kurz mit dem Duke auf und schloss sich ihm ab 1939 wieder an. Man war also hervorragend aufeinander eingespielt, und Duke Ellingon konnte das Orchester sehr zu Recht als sein eigentliches "Instrument" bezeichnen, dem er durch seine Kompositionen Profil verlieh. Oft genug schrieb der Duke speziell einigen Solisten seine Kompositionen auf den Leib, hier ist zum Beispiel das "Concerto For Cootie" zu hören. Weitere Ellington-Evergreens auf der CD sind "Cotton Tail", "Bojangles" und "In A Mellotone".
Zudem hatte Duke Ellington ein Jahr vor diesen Aufnahmen in Billy Strayhorn einen jungen, klassisch ausgebildeten Musiker gefunden, der ihn nicht nur am Piano vertreten konnte, sondern auch als Komponist und Arrangeur viel zum Erfolg der Band beitrug.
Ebenfalls 1939 konnte sich der Duke über einen besonders wichtigen Neuzugang freuen. Der 20-jährige Bassist Jimmy Blanton schloss sich der Band an, er blieb leider nur kurz. Wegen seiner Tuberkulose musste er den Job aufgeben, 1942 starb er. In seiner Zeit bei Ellington trug er wesentlich zur Emanzipation seines Instruments bei, gab den ellingtonschen Klängen eine neue rhythmische Kraft. Er entwickelte neue harmonische und melodische Ideen und glänzte mit einer bis dahin unbekannten Technik.
"Jimmy Blanton revolutionierte das Bassspiel", erinnerte sich Duke Ellington in seiner Autobiografie. "Noch keiner vor ihm hatte aus dieser Perspektive gespielt. Seine Melodien waren dem Bass angemessen und gleichzeitig ein tragendes Fundament für das Spiel des Orchesters. In rhythmischer Hinsicht stützte und trieb er uns gleichzeitig voran. Er war einfach unglaublich!"
Ausführlich ist Jimmy Blanton solistisch auf einigen der 19 Titel des Albums zu hören, zum Beispiel in dem Opener "Jack The Bear" und in "Pitter Panther Patter", einem Piano-Bass-Duo mit Duke Ellington, das die CD beschließt. Bei den einzelnen Stücken sind alle beteiligten Solisten sorgfältig angegeben.
Text: H.-Werner Wunderlich
Duke Ellington: "Ko-Ko" Dreyfus Jazz FDM 36717-2 (Vertrieb Soulfood)






per E-Mail verschicken
Facebook
Twitter
RSS

