Pappmaché-Kulissen sucht man hier vergeblich, dafür gibt es Hubschrauber aus Computerspielen. Das Oberkommando über diesen selbstbewussten Action-Streifen hat Produzent und Regisseur Isaac Nabwana.
Die Leute hier kennen das chinesische Kino und mögen es, wenn getreten und geboxt wird. Wir müssen ihnen das geben, was sie sehen wollen.Mit über zweitausend Produktionen im Jahr ist Nollywood, das nigerianische Hollywood, bereits die zweitgrößte Filmmacht der Welt, gleich hinter der indischen Bollywood-Industrie. Jetzt wird auch der Osten des afrikanischen Kontinents von diesem Produktionsrausch erfasst.
Eine Nouvelle Vague mit Uganda an der Spitze: Hier werden für eine Handvoll Euro über dreißig Filme im Jahr gedreht, die ausschließlich auf DVD erscheinen. Sie sind eine harte Konkurrenz für die chinesischen Streifen, die den Markt überschwemmen, seit das Reich der Mitte den Wirtschaftsraum Afrika entdeckt hat.
Isaac Nabwana ist Chef der Ramon Film Productions und ein Pionier des ugandischen Action-Kinos. Seine Schauspieler besuchen eine lokale, von der chinesischen Regierung gegründete Kung-Fu-Schule.
Die Werbetrommel rührt der Produzent und Regisseur via Internet. Und das funktioniert. Über eineinhalb Millionen Mal wurde der Trailer seines Blockbusters “Who Killed Captain Alex?" schon angeklickt.
Seit 2006 hat Isaac bei sieben Spielfilmen Regie geführt und jährlich etwa vier Stück produziert. Allerdings werden seine Schauspieler nicht immer bezahlt. Die DVDs kosten 2 Dollar und werden in den Läden gebrannt, die auch für die Cover zuständig sind. Dass keiner der Streifen im Kino zu sehen ist, verdanken wir Idi Amin Dada. Von 1971 bis 79 konfisziert der Diktator und selbsternannte “König von Schottland“ sämtliche Kinosäle für folkloristische Darbietungen. Als Uganda 2005 endlich mit dem Einparteiensystem bricht, gründet Isaac eine Produktionsfirma. Im Angebot: Jede Menge Prügeleien, kombiniert mit halsbrecherischer Zauberei.
Wanuri Kahiu erster Spielfilm "From A Whisper" thematisiert den Bomben-Anschlag auf die US-Botschaft in Nairobi, bei dem 1998 zweihundertdreizehn Menschen getötet werden.
Nach ihrem Filmstudium in Los Angeles kehrt Wanuri 2006 in ihre Heimat zurück. Für "From A Whisper" wird die Kenianerin 2009 bei den Africa Movie Academy Awards in den Kategorien bester Regisseur und bester Film ausgezeichnet.
Geschichten erzählen gehört zu den faszinierendsten und wichtigsten Dingen, die du für dich, dein Land und deine Kultur tun kannst. Denn du fungierst als Historiker und als Seher, der die Zukunft vorhersagt.In ihrem Science-Fiction-Kurzfilm “Pumzi“ - Suaheli für “Atem“ - inszeniert Wanuri ein futuristisches Afrika, das im dritten Weltkrieg völlig zerstört wurde. Gefährliche Strahlung zwingt die Menschen dazu, sich zu vergraben; gleichzeitig tobt ein gnadenloser Krieg um die verbleibenden Wasserressourcen. In dem Film wagt Botanikerin Asha sich dennoch nach draußen. Sie will die Außenwelt erkunden, um die Menschheit aus ihrer selbstgeschaffenen Hölle zu befreien.
Der Brite Nick Hughes arbeitet lange als Kameramann in Krisengebieten wie Somalia oder dem Irak. Jetzt lebt er in Kenias Hauptstadt Nairobi und hat mit einem Regisseur-Kollektiv die Produktionsfirma Jitu Films gegründet. Um dem Phänomen Raubkopie vorzubeugen, kosten ihre DVDs nicht mal einen Dollar. Über 15.000 Exemplare setzen sie von manchen Streifen ab, die in maximal vier Tagen gedreht werden. Egal, ob Musical, Horror- oder Gangsterfilm, Jitu Films kennt keine Tabus.
Von seinen fünfundzwanzig Spielfilmen mag Nick diesen hier am liebsten: "Otto The Bloodbath". Ein Streifen, der hält, was er verspricht.
Nick Hugues
Diese Szene stammt aus unserem Film "Otto The Bloodbath", der auf dem Index steht. Der Titel ist keine Metapher, es geht wirklich um eine Badewanne voller Blut. Und um böse Gestalten, die aus den Wasserhähnen kommen.
Links
- Wanuri Kahiu blog
- Ramon Film Productions Facebook
- Jitu Films Facebook
- "Me, my wife and her Guru" teaser - Jitu Films Kenyan Movie
Tonmeister: Lena Bergendahl
Übersetzung: Dan Lwanga







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