Für den erfolgreichen Jungakademiker Martin, dessen Leben sich bisher hauptsächlich um sein Studium in den USA drehte, beginnt der grotesk-komische Albtraum während eines Ferienaufenthalts bei seinen Eltern in Berlin: Martin bricht am Geburtstag seines Vaters zusammen. Die Diagnose: Hodenkrebs. Nachdem sofort ein Hoden entfernt wurde, wollen die Ärzte ihn von einer Totaloperation überzeugen. Martin verspürt wenig Neigung, sich kastrieren zu lassen. Er entscheidet sich gegen den Rat der Ärzte und beginnt eine langwierige und schmerzhafte Chemotherapie im Krankenhaus, die ihm zumindest Hoffnung auf den Erhalt seiner Männlichkeit lässt.
Seine Familie ist mit der Situation absolut überfordert und ihre Versuche, die Normalität aufrecht zu erhalten, sind zum Scheitern verurteilt. Verbündete findet Martin in seinen Schicksalsgenossen im Krankenzimmer: Nickel und Harry. Sie sind schon erfahren im Umgang mit Infusionsständern und Kathetern und haben den Krankenhaus-Alltag fest im Griff. Zu ihnen gesellt sich Susanne, die sich lieber bei den Jungs als in der Frauenabteilung aufhält. Harry und Nickel sind ein bißchen in sie verliebt und Martin…Martin wird sich in sie verlieben.
Die vier machen das Beste aus ihrer Situation. Zur Entspannung schauen sie blutrünstige Horrorvideos oder beobachten Ärzte und Schwestern beim heimlichen Sex. Das alte Leben ist weit, weit weg. Martin lernt schnell, dass die üble Lage nur mit pechschwarzem Humor zu ertragen ist. Aber der Gedanke der „Unvollständigkeit“ quält Martin. Und so macht er sich mit Harry, Nickel und Susanne auf die Suche nach dem verlorenen Ei – zumindest, um es in Würde zu begraben. Sie schlagen sich durch ein Labyrinth von Gängen unter dem Krankenhaus, aber bevor sie ihr Ziel erreichen, stoßen sie auf den Wächter der Pathologie und seine Parole lautet unmissverständlich: An ihm kommen sie nur tot vorbei! Die Freunde müssen sich etwas einfallen lassen, denn dem Tod wollen sie sich nicht so schnell überlassen und dennoch läuft ihnen die Lebenszeit davon…
Bei den „Eierdieben“ geht Schwentke seine eigene Geschichte mit einer gehörigen Portion schwarzem Humor an, ohne jedoch auf die berührenden Momente zwischen den jungen Protagonisten zu verzichten.
Robert Schwentke, geboren 1968, studierte unter anderem am Columbia College und dem American Film Institute in den USA. Als Autor zahlreicher „Tatort“-Folgen wurde sein Drehbuch der Episode „Bildersturm“ (1998) für den Adolf-Grimme-Preis nominiert. 2002 gab er sein Spielfilmdebüt mit „Tattoo“, zur Zeit realisiert er seinen neuen Spielfilm „Flightplan“.
Wotan Wilke Möhring, in der Hauptrolle des Martin Schwarz, geb. 1967, feierte sein Spielfilmdebüt 1997 in „Die Buby Scholz Story“ (Regie: Roland Suso Richter). Er überzeugte in Filmen wie „Das Experiment" (2001, Regie: Oliver Hirschbiegel) oder „Die Hoffnung stirbt zuletzt" (2001, Regie: Marc Rothemund). Für seine Schauspielkunst in Kai Wessels „Hat er Arbeit?" und Mark Schlichters „Liebe und Verrat“ wurde er 2001 gleich zweimal für den Deutschen Fernsehpreis „Bester Darsteller“ nominiert.
ARTE strahlt diesen Film auch in einer Hörfilmfassung für Blinde und Sehbehinderte aus.
Freitag, 18. März 2005, um 20.45 Uhr:
EierdiebeDeutschland 2003, ARTE/ZDF, Erstausstrahlung, 16:9, 82 Min.
Regie: Robert Schwentke; Buch: Robert Schwentke; Kostüme: Anja Niehaus; Kamera: Florian Ballhaus; Schnitt: Hans Funck; Ausstattung: Patrick Müller; Maske: Ute Schmitz-Wortmann; Songs: Kristof Hahn; Musik: Martin Todsharow; Produzent: Oliver Huzly, Wiebke Toppel; Produktion: Odeon Pictures GmbH, StudioCanal Produktion, in Zusammenarbeit mit ZDF / ARTE; Redaktion: Daniel Blum, Georg Steinert
Mit: Wotan Wilke Möhring - (Martin Schwarz), Janek Rieke - (Nickel), Antoine Monot Jr. - (Harry), Julia Hummer - (Susanne), Alexander Beyer - (Roman Schwarz), Marie Gruber - (Gabriele Schwarz), Fatih Cevikkollu - (Pfleger), Götz Schubert - (Dr. Bofinger), Thomas Thieme - (Hans Schwarz), Doris Schretzmeyer - (Schwester Elke), Leander Haußmann - (Winnie)






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