- Synopsis
Indonesien 1965: Kurz vor dem Militärputsch gegen Präsident Sukarno wird der ehrgeizige australische Journalist GUY HAMILTON (Mel Gibson) als Auslands-korrespondent in das Krisen geschüttelte Land bestellt. Ohne Kontakte ist seine Mission zum Scheitern verurteilt, doch über die Freundschaft zu dem zwergwüchsigen Fotografen und Kameramann BILLY KWAN (Linda Hunt) gelangt er nicht nur an exklusive Geschichten, sondern lernt auch das wahre Gesicht des von Armut und Korruption geplagten Landes kennen. Billy macht Guy auch mit Jill (Sigourney Weaver), der Assistentin des Militärattachés bekannt. Eine leidenschaftliche Affäre beginnt und Guy muss sich entscheiden, ob er einer gefährlichen Insiderinformation zuliebe das Leben seiner Freunde und sein Seelenheil aufs Spiel setzt.
- Der Kommentar zum Film
10 Jahre hat er darauf gewartet als zu Tode gelangweilter Nachrichtensprecher zuhause in Sydney, jetzt ist die Chance seines Lebens plötzlich da – inmitten des chaotischen Menschenknäuels von Djakartas soll Guy Hamilton brandaktuell von der chaotischen Lage des von Umsturzplänen erschütterten Indonesiens nach Hause berichten. Blutjung war Mel Gibson, als er den jungen, rechtschaffenen, ehrgeizigen australischen Korrespondenten spielte, der im Ausland nicht zuerst sprachliche, klimatische und berufliche Hindernisse überwinden muss, sondern zunächst einen Schnellkurs seiner Kollegen in Sachen ‚beruflicher Zynismus’ verdauen muss. Denn während diese in Bars, bei Botschaftsempfängen oder Hotellobbys auf ein Interview mit dem Präsidenten warten, werden nicht etwa politische Debatten um das Wohlergehen des indonesischen Volkes geführt, sondern es geht allein ums Saufen, Huren und um die Vergabe der besten Plätze im internationalen Katastrophenberichterstattungsgewerbe.
Mit „The Year of Living Dangerously“ ist dem Australier Peter Weir 1982 ein ebenso bitterböser wie anrührender Politthriller geglückt, der bis heute nichts von seiner Aktualität und von seiner filmischen Brillanz eingebüßt hat. Einerseits gelingt es Weir mittels präziser Dialoge und Stimmungsbilder, dem ritualisierten Tagesgeschäft der Auslandsberichterstatter, einer von Hahnenkämpfen und sexueller Prahlerei geprägten Männerdomäne, eine nicht für möglich gehaltene Authentizität einzuhauchen. Zumal es Weir nicht darauf anlegt, das Milieu zu dämonisieren oder moralisch zu verurteilen oder behauptet, die komplexe soziologische und politische Gemengelage in den traurigen Tropen mit Hilfe seines Protagonisten zu durchschauen.
Andererseits macht er durch die Figur des Billy Kwan, grandios gespielt von der Amerikanerin Linda Hunt (die dafür 1983 einen Oscar als beste Nebendarstellerin bekam, ohne dass wie in „Yentl“ oder „Tootsie“ das Thema ‚Geschlechtsverwandlung dabei eine Rolle spielte), unmissverständlich klar, wo seine Sympathien liegen. Dieser Billy Kwan, der über die Menschen, die ihm am Herzen liegen, eigene Dossiers anlegt und den Weir als Off-Erzähler einsetzt, um Verständnislücken zu schließen, ist eine bewegende, anrührende Figur. Ein zwergwüchsiger Mann, scheinbar ohne Geschlecht und doch voller Liebe zu Jill, der wie ein sensibler Seismograph die Schwächen und Stärken der Menschen registriert und als einziger die Tragödie des indonesischen Volkes jenseits aller politischen Ränkespiele emotional nachzuempfinden imstande ist.
Nicht nur hat Peter Weir mit The Year of Living Dangerously seinen bis heute womöglich besten Film gedreht, sondern er hat auch den seinen beiden Hauptdarstellern Mel Gibson und Sigourney Weaver zu den mit besten schauspielerischen Leistungen ihrer Karriere verholfen. Ihre sich unter dem Monsunregen anbahnende ‚Amour Fou’ erinnert an Bogart/Bergman Casablanca und gehört aufgrund der Tatsache, sich vor allem über Blicke und Gesten zu vermitteln, zu den größten Liebesgeschichten der Filmgeschichte.
Martin Rosefeldt

Ein Jahr in der HölleEin Film von Peter Weir
Darsteller: Mel Gibson, Sigourney Weaver u.a.
USA, 1982, 110’
Sprachen: Deutsch, Englisch (Mono)
Extras: ( - )






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