"Soldaten haut ab!"
Ein Jahr nach dem Fall Husni Mubaraks ist die Bilanz verheerend: "Ein Militärrat hat Mubarak abgelöst und will nicht zurücktreten, da er Verbrechen begangen hat und verurteilt werden müsste". Rings um den Tahrir-Platz herrscht Kriegszustand. Soldaten mit Maschinenpistolen bewachen die Ministerien. Alles um sie herum ist geplündert, verwüstet oder verbrannt. Drei Mauern wurden errichtet, um die Demonstranten davon abzuhalten, in diese Bereiche vorzudringen, wie zum Beispiel zum Innenministerium, das den Hass der Revolutionäre auf sich zieht. Überall auf den Mauern die gleiche Nachricht "Soldaten haut ab!"
Ein Parlament gegen die Macht der Militärs
Die erste Sitzungsperiode des Parlaments Mitte Januar war für die Ägypter ein Hoffnungsschimmer. Wie hypnotisiert verfolgten sie vor dem Fernseher die Sitzung: Von nun an gäbe es ein Gegengewicht zum Militär, glaubten sie. Die Abgeordneten könnten ihnen endlich die Macht abnehmen. "Aber das ist nicht so einfach... Unser Handlungsspielraum ist sehr begrenzt. Auch ich glaubte, gemeinsam seien wir stark. Aber wir können keine Wunder bewirken", sagt ein Abgeordneter der Muslimbrüder (Partei für Freiheit und Gerechtigkeit), die fast die Hälfte der Sitze im Parlament einnimmt.
Die Armee hatte versprochen, nach den Präsidentschaftswahlen im Juni abzutreten. Genug Zeit - dachten sie - eine Strategie zu entwickeln, damit sie das Land nach ihrem Abgang "unter der Hand" führen könnte. Deshalb fordern politische Aktivisten, den Wahltermin vorzuziehen. Die Präsidentschaftskandidaten könnten dann schon am 23. Februar statt erst am 15. April ihre Bewerbung einreichen. Ob die Präsidentschaftswahlen nun vorgezogen werden oder nicht, ist noch nicht klar. Sollten die Demonstranten ihre Forderung durchsetzen, wäre dies auch das Ergebnis der Auseinandersetzungen von Anfang Februar. Ursprünglich protestierten Demonstranten nach dem Tod von 74 Fans nach einem Fussballspiel (Port-Said gegen Kairo). Doch schnell konzentrierten sich ihre Slogans wieder gegen das Militär.
"Wir dürfen nicht einschlafen, sonst stirbt unsere Revolution"
Nun ist es in Kairo wieder relativ ruhig. "Wir dürfen nicht einschlafen, sonst stirbt unsere Revolution", sagt die 20-jährige Nora, die mit eisernem Willen Bandagen und Decken des Feldlazaretts in der Nähe des Innenministeriums packt. Für den 11. Februar, haben Nora und andere Aktivisten zu einem Tag des Generalstreiks und des zivilen Ungehorsams aufgerufen, um die Übergabe der Macht an die Zivilisten zu fordern. Auch diese Ereignisse wird Husni Mubarak von seinem 5-Sterne-Krankenhauszimmer aus verfolgen können. Am ersten Jahrestag seines Sturzes wartet er noch immer auf sein Urteil.







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