Kino auf ARTE - 02/11/11
Ein Tag
(Une journée)
Spielfilm, Schweiz/Frankreich/Deutschland 2006
Regie: Jacob Berger; Buch: Jacob Berger, Noémie Kocher; Kamera: Jean-Marc Fabre; Schnitt: Catherine Quesemand; Musik: Cyril Morin; Produzent: Ruth Waldberger, Grégoire Sorlat, Josef Steinberg; Produktion: Vega Film, Why Not Productions, Avventura Films, Rheingold Film
Mit: Bruno Todeschini - (Serge), Natacha Régnier - (Pietra), Noémie Kocher - (Mathilde), Louis Dussol - (Vlad), Zinedine Soualem - (Inspektor Haddid)
Ein Tag, eine Familie, drei Schicksale. Zwischen 4.30 Uhr und 21.00 Uhr bricht eine Familie auseinander, und jeder - Vater, Mutter, Sohn - macht eine neue, lebensverändernde Erfahrung.
Serge moderiert die Frühnachrichten im Radio. Doch bevor er zur Arbeit fährt, macht er einen Umweg zu seiner Geliebten Mathilde. Als er hastig zum Sender aufbricht, übersieht er jemanden oder etwas. Ohne jemanden auf der nächtlichen Straße zu sehen, begeht er Fahrerflucht. Von nun an verliert er die Kontrolle über sein Leben. Schuldgefühle beginnen ihn zu zerreißen, er streitet mit seiner Geliebten, sucht nach seinem vermeintlichen Unfallopfer zunächst im Krankenhaus, dann bei der Polizei. Dort kümmert sich Inspektor Haddid um ihn und entlockt ihm längst notwendige Geständnisse.
Derselbe Tag, derselbe Morgen. Pietra wacht auf, macht dem Sohn Vlad das Frühstück und bringt ihn zur Schule. Dann fährt sie zu ihrer Arbeit im Museum, das allerdings unvorhergesehen geschlossen ist. So kehrt sie nach Hause zurück und entdeckt, dass ihr Mann Serge sich mit Mathilde im Schlafzimmer der gemeinsamen Wohnung vergnügt. Sie zieht sich entsetzt zurück, kommt später aber wieder, um ihre Sachen zu holen. Am Flughafen trifft sie den einsamen und sprachlosen Japaner Masuyo.
Derselbe Tag, aus der Perspektive von Vlad, 8 Jahre alt. Morgens wird er von seiner Mutter zur Schule gebracht, wo er auf Manon trifft. Vlad ist in das Mädchen verliebt, doch Manon betrachtet alles nur als Spiel. Nach der Schule wartet Vlad vergeblich auf seine Mutter. Auch Manon muss auf ihre Mutter Mathilde warten. Als es dunkel wird und von Pietra jede Spur fehlt, nimmt Vlad schließlich Mathildes Einladung an und geht mit ihr und Manon in ihre Wohnung.
Der Schweizer Jacob Berger, Regisseur von "Liebe deinen Vater" mit Vater und Sohn Depardieu, erzählt mit "Ein Tag" ein subtiles Beziehungsdrama, das sich zwischen einer winterlich-kalten Realität und einer imaginären Fantasiewelt bewegt. Inwieweit ist unsere Welt wirklich real oder doch nur Ausdruck eines Gefühls?
Die Familie erscheint als ein Nukleus in Auflösung, dessen Einzelteile in alle Richtungen auseinanderstreben. Die Wahrnehmung der Realität orientiert sich an der Perspektive der jeweiligen Figur, aus der heraus die Ereignisse gesehen und gedeutet werden. Das Splitting der Perspektiven führt zu einem facettenreichen Porträt einer Familie von heute. "Ein Tag" ist ein modernes Familiendrama, kühl und präzise inszeniert und mit einer präzisen Bildsprache versehen, die Figuren und Ereignisse zu einem komplexen, rätselhaften und damit auch spannenden Geflecht verknüpft. Der Film erhielt auf dem "Festival des films du monde" in Montreal den Preis für die beste Regie.
Ein Tag
Donnerstag 17. November 2011 um 02.25 Uhr
Keine Wiederholungen
(Schweiz, Frankreich, Deutschland, 2006, 98mn)
ZDF
Erstellt: 02-11-11
Letzte Änderung: 02-11-11