Durch Zufall! Ich forschte im Übersee-Archiv in Aix-en-Provence über die Arbeit in der Sklavenhaltergesellschaft auf den französischen Antillen, und dabei stieß ich auf den Brief des Friedensrichters Belletête an den königlichen Staatsanwalt. Ich fand diesen Brief wahnsinnig interessant! Und je mehr ich mich mit diesem Fall beschäftigte, umso deutlicher sah ich die ganze
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Stellt diese Geschichte in der damaligen Kolonialgesellschaft eine Ausnahme dar?
Nein, keineswegs! Sie ist durchaus beispielhaft, denn sie macht verschiedene Aspekte der Sklavenhaltergesellschaft deutlich: die im System angelegte Gewalt, die Straffreiheit der Herren, die konservative Haltung der Kolonisten, aber auch die Rolle der Sklaven als treibende Kraft in der Geschichte. Das einzig Außergewöhnliche an dieser Geschichte ist, dass drei junge Richter, die nach der Reform der Kolonialjustiz von 1828 aus Frankreich gekommen waren, sich bemühten, sie ans Licht zu bringen, und dass die Sklaven eine gewisse Unterstützung seitens des Gouverneurs erfuhren, der es leid war, sich von den Kolonisten beschimpfen zu lassen.
Diese Sklaven sind immerhin zu einem Richter gegangen. War das damals üblich?
Das war es zu dieser Zeit keineswegs. Bis 1848 (Abschaffung der Sklaverei in den französischen Kolonien – A.d.Ü.) geschah das aber immer häufiger, doch handelte es sich meistens um Initiativen Einzelner und nicht um kollektive Beschwerden wie im Fall der Sklaven der Spoutourne-Plantage. Die Tatsache, dass dies im Februar 1831 geschah, also kurz vor dem Aufstand in Saint-Pierre, zeigt im Übrigen, dass sich die Sklaven auf verschiedene Weise zu wehren verstanden.
Ihr Buch und dieser Film handeln von demselben Thema. Was hat Ihnen diese Erfahrung gebracht?
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Zum Beispiel?
Philippe wollte wissen, was aus den Akteuren dieser Affaire geworden ist, was aus dem Friedensrichter Belletête, dem Gouverneur und natürlich den geflohenen Sklaven geworden ist. Was ich darüber herausbekommen konnte, diente Philippe als Schlusspunkt seines Films. Ich bin in meinem Buch ganz ähnlich verfahren, indem ich mich im Epilog an das Schicksal der nach Sainte-Lucie entkommenen Sklaven herantaste und in einem Postskriptum den weiteren Werdegang einiger Schlüsselfiguren darstelle. Auf diese Weise hat die Filmerzählung den historischen Bericht beeinflusst.
Philippe Labrune hat einen Zeitgenossen in die Erzählung eingeführt. Stört sich eine Historikerin nicht daran?
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Das Interview führte Pascale Cornuel, ARTE
Von Ketten befreit. Ein ungewöhnlicher FilmInterview mit dem Regisseur Philippe Labrune mit Videos aus dem Film







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