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Freedom

ARTE erinnert an das dunkle Kapitel der Sklaverei und stellt Persönlichkeiten ins Licht, die mit Mut und Engagement für Freiheit und Gleichheit eintraten. Was ist geblieben von Kings Traum eines Amerikas ohne Rassenbarrieren? Wie leben Schwarze und Weiße heute in den USA zusammen?

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ARTE erinnert an das dunkle Kapitel der Sklaverei und stellt Persönlichkeiten ins Licht, die mit Mut und Engagement für Freiheit und Gleichheit eintraten. Was (...)

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09/06/08

Ein ungewöhnlicher Film

Interview mit dem Regisseur Philippe Labrune mit Videos aus dem Film

Philippe Labrune, Sie sind Regisseur. Hatten Sie sich schon vor diesem Film mit der Geschichte der Sklaverei auseinandergesetzt?
Ich wusste so viel wie wir alle, das heißt sehr wenig. Ich bin kein Historiker. Aber ich bin wissbegierig: Neugier, immer wieder Neugier leitet mich. Und außerdem das Bedürfnis, mich durch unbekannte Themen verunsichern zu lassen, durch Themen, die an Klarheit und Deutlichkeit gewinnen, je mehr ich daran arbeite und schreibe. Beim Thema Sklaverei hatte ich aber nie das Gefühl, mich auf fremdem Boden zu bewegen.

Die Helden, von denen in „Von Ketten befreit“ die Rede ist, können ihre Geschichte nicht mehr selbst erzählen.
In dieser Dokumentation über die Sklaverei kommen die Helden, das heißt: die Sklaven, nie selbst zu Wort. Die Geschichte wird immer von den Mächtigen geschrieben, von den Kolonialherren, den Gouverneuren usw. Aber man lernt viel aus diesen Geschichten, weil der harte Sklavenalltag zwischen den Zeilen sehr viel anschaulicher als man denkt zum Vorschein kommt. Das macht die Regiearbeit erst spannend.
Ich habe also die sich über drei Jahre hinziehende Korrespondenz zugrunde gelegt, aber letztlich sind die Sklaven allgegenwärtig, weil ich mit ihrem Fehlen, ihrer „Abwesenheit“ bewusst umgehe. Indem ich mit der Leerstelle arbeite, tritt die Unersetzbarkeit umso deutlicher hervor.

Wie kann sich denn Abwesenheit in Anwesenheit verwandeln? Wie machen Sie das konkret?

Dieser Film ist eine fiktional gestaltete Dokumentation, eine Dokufiktion, die sich auf Briefe stützt.
Beispiel aus dem Film

Einerseits gibt es die „Nachstellungen“, die die Schreiber dieser Briefe in Szene setzen.
Beispiel aus dem Film
Sie werden in ihre Zeit versetzt und sind wie damals gekleidet.
Beispiel aus dem Film
Wir sind sehr genau im Bilde über ihren Lebensstil und ihre Arbeitsweise. Caroline Bastide, die Historikerin ist, und ich waren uns bei manchen Dekorelementen, Perücken- und Kleidungsdetails ziemlich sicher.

Andererseits gibt es die “Rekonstruktion der Wirklichkeit“; darunter verstehe ich die Orte, wo die Sklaven lebten und arbeiteten. Ich bin nach Martinique gefahren und habe mich mit den Örtlichkeiten vertraut gemacht, um den zeitlichen Abstand gestalten zu können. Ich habe die Briefe, deren Protagonisten nie zu Wort kommen, immer wieder gelesen. Ich habe mich in ihr Fehlen gleichsam versenkt, ich habe die Orte, an denen sie sich aufgehalten haben, aufgesucht, ich bin viel herumgelaufen und habe beobachtet. Als ich das Verlies filmte, tat ich das in der Gewissheit, dass hier einmal ein Sklave stand.
Beispiel aus dem Film
Und ich bin sicher, dass früher sicher einmal ein Sklave - wie ich heute – unter einem der Bäume das durchs Blattwerk sickernde Licht genoss. Die Sklaven sind überall im Film, außer in den Büros der Kolonialverwaltung. Und das ist genau die Schwierigkeit: Es ist eine ungeheure Herausforderung, die Wirklichkeit, die Wahrheit - und darunter verstehe ich das Gerechte - als Arbeitsmaterial zu haben.

Warum haben Sie einen Zeitgenossen in den Film aufgenommen?
Unser aus Martinique stammender Zeitgenosse ist weder Historiker noch Wissenschaftler. Er stellt gewissenhaft und mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln Nachforschungen an und erzählt die Geschichte aus seiner Sicht, das heißt ohne die Distanz des Wissenschaftlers: er ist aufrichtig betroffen und erschüttert.
Beispiel aus dem Film
Und er steht zugleich für jeden von uns, denn diese Geschichte betrifft uns alle. Er ist der Mittler zwischen Geschichte und Gedächtnis.

Ist es nicht sehr schwierig, mit einem Historiker zusammenzuarbeiten?
Die Zusammenarbeit war sehr bereichernd. Die Arbeitsgrundlage war klar definiert. Alle historischen Angaben stammen von Caroline, die den „Fall Spoutourne“ mit all seinen Implikationen kennt. Sie entwarf den Aufbau und schrieb, was der Erzähler unbedingt einbringen musste. Natürlich musste geschnitten werden. An manchen Stellen arbeite ich mit Auslassungen, damit die Vorstellungskraft des Zuschauers stimuliert wird. Alles in allem ist eine „Mischnarration“ entstanden: ich habe eine typisch fiktionale Dramaturgie mit der spezifisch dokumentarischen Arbeit verbunden, das heißt, ich habe Nachstellung und Rekonstruktion der Wirklichkeit verbunden, damit die Zuschauer sich in diesem ebenso juristischen wie menschlichen Abenteuer leicht zurecht finden.

Das Interview führte Pascale Cornuel, ARTE


Ein außergewöhnlicher Archivfund.
Interview mit der Historikerin Oudin-Bastide

Erstellt: 27-05-08
Letzte Änderung: 09-06-08