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Bloc-notes de Philippe Perchoc

Wir befinden uns noch ganz am Anfang des Web 2.0. Im Moment heißt es noch "jeder für sich".

Bloc-notes de Philippe Perchoc

Notizblock - 10/06/09

Eine Demokratie ohne Medien?



« Ich denke die Europäische Union ist wie die Sowjetunion, alles wird in Brüssel entschieden“, hörte man dieser Tage in Riga. Hinter dieser politisch inkorrekten Kritik versteckt sich die Idee, dass die Entscheidungen, welche in Brüssel gefällt werden, undurchsichtig sind. Diese Meinung wird auch von Frau Durang vertreten, einer Anwohnerin des Gebäudes der Europäischen Kommission in Brüssel, dem Berlaymont. „Wissen Sie, was im Inneren des Berlaymont passiert“ fragt Caroline Gillet. Und die alte Dame antwortet ihr ganz einfach: « Wie soll ich denn wissen, was da drinnen passiert? Ich darf ja nicht rein!“ Hier ist das Problem, in nur wenigen Worten formuliert, ohne dass allerdings sein Grund aufgezeigt wird. Sagen wir es ohne Umwege: Die Medien tragen eine schwere Verantwortung. Benjamin Franklin sagte einmal: « Zwischen einer Demokratie ohne Journalisten und einer Diktatur mit einer freien Presse würde ich die zweite Option wählen. » Leider gehört die europäische Demokratie eher der ersten Kategorie an.

 

Die Minister der 27 Mitgliedstaaten könnten über ein Gesetz in Brüssel entscheiden und ihren nationalen Medien erklären, dass dieses ihnen von den Anderen aufgezwungen wurde. Die europäischen Abgeordneten können nur sporadisch im Parlament anwesend sein und Lektionen darüber erteilen, wie die EU aussehen sollte oder nicht. All dies ist möglich, da die großen europäischen Medien nicht den europäischen Alltag verfolgen und keinerlei Auskunft über Erfolge und Missstände geben. Viele dieser Medien haben noch nicht einmal einen ständigen Korrespondenten in Brüssel! Andere beschäftigen ganz ausgezeichnete Journalisten, doch kommen diese nur bei Gipfeltreffen und Wahlen zu Wort. Würden die großen Medien ihre Informationsrolle während der gesamten Legislaturperiode wahrnehmen, so könnte Frau Durang jeden Abend während der Tagesschau ins Berlaymont eintreten und die europäische Demokratie wäre dadurch gestärkt.

 

Hoffen wir nur, dass das plötzliche Interesse der Medien an der europäischen Demokratie nicht ab Mitte Juni wieder abflaut. Aber wie Francis Lalanne, der neue europäische Dichter, sagen würde: « Verzeihen Sie mir von Träumen in der Politik zu sprechen.»

Philippe Perchoc
Nouvelle Europe

Erstellt: 30-04-09
Letzte Änderung: 10-06-09


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