Als "Gegen die Wand" im Februar 2004 seine Premiere im Wettbewerb der Berlinale feierte, rechnete eigentlich niemand mit der darauffolgenden, überwältigenden Reaktion von Publikum und Kritik. Der verdiente Gewinn des Goldenen Bären für den Besten Spielfilm sollte dabei erst Anfang einer internationalen Erfolgsgeschichte sein, die Fatih Akins ebenso kompromissloses wie leidenschaftliches Drama zu einer der bedeutendsten deutschen Produktionen der letzten Jahre machte. Dabei galt die Begeisterung im In- und Ausland zuvorderst der furios erzählten Geschichte, welche virtuos das zeitlose Thema einer schicksalhaften amour fou mit einer realistischen und detailreichen Milieuzeichnung verknüpfte:
Um ihrem restriktiven Elternhaus zu entkommen, bittet die junge Hamburger Türkin Sibel (Sibel Kekilli) den 40-jährigen Deutsch-Türken Cahit (Birol Ünel), eine Scheinehe mit ihr einzugehen. Cahit, ein zynischer Alkoholiker, der sich nicht im Geringsten für Konventionen und Bräuche interessiert, geht schließlich auf die Bitte ein. Zunächst genießt Sibel hemmungslos die neugefundene Freiheit: Sie tanzt die Nächte durch, geht mit verschiedenen Männern ins Bett und tobt so ihre über Jahre aufgestaute Lebenslust aus. Aber auch Cahit schöpft durch das Zusammenleben mit der jungen Frau neue Hoffnung. Schließlich erkennen beide, dass sie sich wider Erwarten tatsächlich ineinander verliebt haben. Doch dann droht ein tragischer Akt der Gewalt, das ungleiche Paar für immer zu trennen.
Getragen von den großartigen Hauptdarstellern Sibel Kekilli und Birol Ünel gelingt "Gegen die Wand" ein kühner Brückenschlag zwischen den Genreritualen des US-amerikanischen Kinos – so findet Fatih Akins Bewunderung für Martin Scorseses Großstadt- und Gangstermoritaten hier erneut ihren Platz – und der europäischen Tradition des intimen Melodrams. Fast en passant liefert der Film dabei auch einen der glaubwürdigsten künstlerischen Beitrage zur deutsch-türkischen Alltagsrealität, was "Gegen die Wand" gerade vor dem Hintergrund aktueller Debatten zusätzliche Relevanz verleiht.







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