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Die 68er-"Revolution" war ein Ereignis mit vielen Facetten. Daran erinnert der Themenabend und regt zum Nachdenken über das Erbe dieser Zeit an. Wie hat die damalige Jugend den "Mai 68" erlebt, und was hat sie von ihren Vorstellungen an ihre Kinder weitergegeben?
Zwei ebenso bewegende wie amüsante und aussagekräftige Dokumentarfilme stoßen die Debatte über die große Revolte von 1968 zum 40. Jahrestag erneut an.
Mit diesem Themenabend eröffnet ARTE den Programmschwerpunkt "1968". Die einzelnen Sendungen im Überblick:
Vitruve - Die etwas andere SchuleDokumentation, Frankreich 2008, Erstausstrahlung, 45 Min.
Regie: Stéphanie Kaïm
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Zouzou, Cyrille, Juliette, Rafaelle, Abraham, Barbara, Mathieu und Murielle - allesamt Kinder von 68ern - haben in ihrer Kindheit eine besondere Schule besucht: die Vitruve-Schule im 20. Pariser Arrondissement. In dieser Schule sollte in den 70er Jahren eine "revolutionäre", auf den Idealen vom "1968" basierende Pädagogik zur Anwendung kommen. Wesentliche Grundsätze waren eine egalitäre und antiautoritäre Erziehung, Feminismus, sowie die Förderung von Kollektiv und politischem Engagement.
Entstanden war die Initiative als Reaktion auf ein rigides Frankreich mit archaischen Sitten. Das traditionelle Schulwesen war überkommenen, strengen Regeln unterworfen. Die Lehrer-Schüler-Beziehungen gestalteten sich nach überholten Mustern, die in eklatantem Gegensatz zur wirtschaftlichen Entwicklung Frankreichs in den boomenden Nachkriegsjahrzehnten standen. Das Konzept der Vitruve-Schule, das die Fesseln der Erziehung in einer erstarrten Gesellschaft sprengen wollte, begeisterte viele Eltern. Der Ansatz bestand darin, die Kinder schon von klein auf anders zu erziehen, damit sie als Erwachsene die Gesellschaft verändern könnten.
Was ist nach 32 Jahren aus den Kindern geworden? Haben sie dieses Erbe in ihrem Leben umgesetzt oder es verworfen? Die meisten von ihnen sind unkonventionelle Lebenswege gegangen. Sie fühlen sich am Rande der Gesellschaft zuhause und pflegen diesen Unterschied. Ihnen bedeutet die persönliche Freiheit viel, und sie kommen mit Autorität und Hierarchien schlecht zurecht. Dieses große Bedürfnis nach Freiheit ist mitunter nur schwer mit den Anforderungen des Lebens vereinbar.
Ist es eine Chance oder eine Last, mit solchen utopischen Werten aufzuwachsen? Inwiefern hat sich das Erbe vom "1968" auf die persönlichen Lebenswege dieser Menschen ausgewirkt? Wie findet man als Erwachsener seinen Platz in einer Gesellschaft, die von Eltern und Lehrern beständig als schlecht und veränderungsbedürftig bezeichnet wurde? Und wie ist es, sich permanent als Außenseiter zu fühlen? Dieses Paradox verdeutlicht und hinterfragt die Dokumentation.
Nackt und frei in Amsterdam Dokumentation, Frankreich 2008, Erstausstrahlung, 45 Min.
Regie: Yvonne Debeaumarché
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Zwei Jahre nach dem großen Schock von 1968 fand in Amsterdam - damals die Stadt aller Tabuüberschreitungen und europäisches Epizentrum der sexuellen Revolution - ein skandalträchtiges Festival statt. Als erstes Underground-Festival des erotischen Films war das "Wet Dream Film Festival" eines der symbolträchtigsten Ereignisse dieser Jahre, in denen Sex als die Speerspitze aller gesellschaftlichen Utopien galt. "Vorher herrschte sexueller Notstand. Zu dem Festival gingen wir aus Provokation, um das Bürgertum und die Katholiken auf die Palme zu bringen", erinnert sich Siné, Illustrator beim französischen Satireblatt "Charlie Hebdo".
In dem Alternativtheater, in dem die für den "Goldenen Phallus" nominierten Filme gezeigt wurden, galt das Motto "Alles ist erlaubt". Mit den bunten Hemden fielen dort auch die bislang in Liebesbeziehungen geltenden moralischen Schranken. Triebe und Wünsche konnten und sollten sich in kreativen Sexspielen frei entfalten.
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Die Dokumentation befragt Teilnehmer dieses einzigartigen Festivals und der abschließenden Orgie: den Zeichner Siné, den "Marianne"-Journalisten Guy Sitbon, die Schriftsteller Georges Marbeck und Catherine Robbe-Grillet sowie den Amerikaner Jim Haynes als Veranstalter des Festivals und Leitfigur der europäischen Gegenkultur der 70er Jahre. Welche Erinnerungen haben sie an das Ereignis? Was dachten und fühlten sie damals? Warum haben sie am "Wet Dreams Festival" teilgenommen? Welche Utopien hatten sie, und was ist ihnen davon geblieben? Anhand ihrer zum Teil noch immer verklärten Erinnerungen fängt die Dokumentation die Atmosphäre jener Zeit ein und verdeutlicht Sinn und Tragweite der erotischen und politischen Träume von damals.
Gesprächsrunde
Diskussion, Frankreich 2008, ARTE F, Erstausstrahlung, 27 Min.
Moderation: Daniel Leconte






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