Frankreich, Mai 1968: Während in Paris die Studentenrevolte tobt, droht in der friedvollen südfranzösischen Provinz das Leben des älteren Bonvivants Milou aus den Fugen zu geraten. Nach dem Tod seiner Mutter kommt die weit verzweigte Familie für ein Wochenende auf dem schlossähnlichen Weingut zusammen - und liefert sich schon bald hitzige Kämpfe um das Erbe der Verstorbenen. Auch das Begräbnis verzögert sich, da die Studentenunruhen mittlerweile die Provinz erfasst haben und die Totengräber streiken. Enkel Pierre-Alain treibt die angespannte Situation schließlich auf die Spitze: Als Pariser Student weiß er mit glühender Begeisterung von dem dortigen revolutionären Treiben zu berichten. Zögernd lässt sich der Rest der Familie bei einem Picknick im Grünen vom Enthusiasmus des Jungen anstecken. Für ein paar Stunden träumt man gemeinsam von einer ländlichen Kommune in Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit und sexueller Libertinage. Doch dann platzt die Nachricht von de Gaulles Flucht in die revolutionäre Aufbruchsstimmung. Aus Angst vor rachedurstigen Kommunisten flüchten sich die Familienmitglieder in den nahe gelegenen Wald. Und schon brechen auch die alten Streitigkeiten wieder auf.Der Film ist eine heiter-melancholische Gesellschaftskomödie über das Scheitern einer Revolte, die ein ganzes Land bewegt und für wenige Stunden auch das Leben einer großbürgerlichen Familie durcheinander bringt. Regisseur Louis Malle wirft einen ironisch-sarkastischen Blick auf die französische Bourgeoisie, nicht ohne Wehmut darüber, dass von der rebellischen Zeit Ende der 60er Jahre kaum etwas übrig geblieben ist. Dass Louis Malle selbst von den sozialistischen Ideen dieser Zeit tief geprägt war, kommt besonders in seinem frühen Dokumentarfilm "Humain, trop humain" (1973) zum Ausdruck, in dem er das Leben armer Proletarier in Amerika zeigte. Und auch später lehnte der selbst aus einer bürgerlichen Familie stammende Filmemacher sich in seinen Werken immer wieder gegen die Bourgeoisie und ihre verlogene Doppelmoral auf. Seinen Wunsch, Regisseur zu werden, realisierte Louis Malle auf unkonventionelle Weise: Auf Geheiß seiner Eltern studierte er zuerst Politikwissenschaften an der Sorbonne in Paris, wechselte aber schon bald auf die Pariser Filmhochschule IDHEC, die er 1953 ohne Abschluss verließ, um als Assistent bei dem Tiefseeforscher Jacques-Yves Cousteau anzuheuern. Schon mit seinem Debütfilm "Fahrstuhl zum Schafott" (1957) gelang ihm der internationale Durchbruch. Fortan galt Louis Malle als einer der bedeutendsten Vertreter der französischen 'Nouvelle Vague' und drehte Erfolgsfilme wie "Die Liebenden" (1958), "Viva Maria" (1965), "Der Dieb von Paris" (1966) oder "Außergewöhnliche Geschichten" (1968). Mitte der 70er Jahre kehrte er Frankreich den Rücken und arbeitete in den USA für die Paramount Filmstudios. Als Regisseur ließ sich Louis Malle nie auf einen Erzählstil oder ein Genre festlegen, entwickelte aber zugleich als Autorenfilmer eine unverkennbar eigene Handschrift. Malle starb am 23. November 1995 im Alter von 63 Jahren. Anlässlich seines 10. Todestages widmet ARTE dem großen Filmemacher eine Sendereihe, die eine Auswahl seiner bedeutendsten Werke vereint. Neben "Eine Komödie im Mai" wird am 23. November 2005 um 22.45 Uhr als vierter und letzter Teil dieser Reihe "Die Liebenden" zu sehen sein.






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