Die Reportage sehen (real video - 5mn06)Die Renaissance Neapels: damals vermitteltet der neu gewählte Bürgermeister Antonio Bassolino den Neapolitanern, dass sich das Leben auch in ihrer Stadt bessern kann. Einige Jahre lang dauerte dieser kurze Frühling. Heute sieht die Situation anders aus. Die Camorra - die neapolitanische Mafia - scheint die Stadt in der Hand zu haben. Napoli war was die zeitgenössische Kunst in Italien anbelangt immer von zentraler Rolle. Einige der bedeutendsten Galeristen arbeiteten hier. Doch auch diese Situation hat sich verändert. Die einzigen Nachrichten, die uns derzeit aus Neapel erreichen, sind Berichte von blutigen Fehden, vom Auslöschen ganzer Familien durch die Camorra, das Auflisten von Todeszahlen.
A67Die Musikgruppe A67 setzt sich in ihren Texten mit der Problematik auseinander. Seit rund 10 Jahren gibt es die Band. Getroffen haben sich die Bandmitglieder in "Scampia", der berühmt berüchtigten Vorstadt von Neapel. Seitdem läuft ihre Musik in ganz Italien. Ihre Texte behandeln den Alltag in der Periferie - zwischen Mord, Liebe und Krieg.
"Unser Album heisst "Die Camorra sind wir" und es soll wachrütteln. Wir müssen über die Cammorra nachdenken - sie ist überall. Selbst ehrliche Menschen haben schon das Gedankengut und die Gepflogenheiten der Camorra verinnerlicht - ohne selbst Killer oder Drogendealer zu sein. Wir leben mit dieser Mentalität, sie ist unbewusst in uns eingedrungen." sagt Daniele Sanzone.
In der Vorstadt Barra haben die Jungs von A67 eine Musikschule aufgebaut. Gleich neben ihrem Probelokal üben Bands aus den verschiedensten Stadtteilen Neaplels. Auch das ist Napoli.
"In den Medien wird Neapel immer wieder als Hölle bezeichnet. Es herrscht die Vorstellung, dass man in Neapel auf offener Strasse erschossen wird, sobald man nur den Fuss in die Stadt setzt. Natürlich stimmt das nicht. Wenn wir nicht zu Kriminellen der Camorra geworden sind, dann verdanken wir das unseren Familien, die uns trotz allem Werte vermittelt haben." Daniele Sanzone.
VedovamazzeiEine ganz andere Musik spielt im Madre, dem neuen Museum für Zeitgenössische Kunst. Simeone Crispino und Stella Scala arbeiten an ihrer ersten Retrospektive des Künstlerduos "Vedovamazzei". Die beiden Neapolitaner sprengen jeden Rahmen : vor Jahren verliesen sie ihre Heimat, um sich in Mailand unter die angesagtesten Künstler Italiens zu mischen - und das mit Ironie.
"Wir hatten das Bedürfnis Neapel zu verlassen. Man hört immer wieder, Neapel habe ein enormes kreatives Potential. Für mich ist das alles nur Geschwätz. Jahrhunderte lang passierte hier gar nichts, die Dinge ändern sich nicht und wenn was passiert sind es nur einzelne Events....Geburtstagsfeiern.... und das wars. Hoffentlich ändert dieses neue Museum etwas." Stella Scala.
Die Stadt am Vesuv war schon immer für ihre Gegensätze bekannt. In Napoli braut sich was zusammen - Kriminalität, ja, aber auch kreative Energie.
Links>> Die Website von A67
>> Die Website von Vedovamazzei
>> Die Website des Museo Madre






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