Schriftgröße: + -
Home > Die Welt verstehen > Geschichte auf ARTE

Geschichte auf ARTE

Monatliches Onlinemagazin mit Informationen zu den wichtigsten historischen Sendungen auf ARTE und mehr: Geschichte hinter den Geschichten

> Alle Dossiers > Geschichte am Mittwoch > Eine brutale Freundschaft

Geschichte auf ARTE

Monatliches Onlinemagazin mit Informationen zu den wichtigsten historischen Sendungen auf ARTE und mehr: Geschichte hinter den Geschichten

Geschichte auf ARTE

Hitler & Mussolini - 31/03/10

Eine brutale Freundschaft

Zu einem Film von Hans von Brescius und Ullrich H. Kasten

Weitere Artikel zum Thema

1926 fragte ein Herr Hitler aus München bei der italienischen Botschaft in Berlin an, ob man ihm nicht ein signiertes Foto von Mussolini zukommen lassen könnte. Die Bitte wurde abgeschlagen. Dafür stand von nun an die Bronzebüste des Italieners in Hitlers Arbeitszimmer in der Münchner NSDAP-Zentrale. Zeugnis einer großen Verehrung, die ahnen läßt, wie sehr die Figur des Duce, sein imposant inszenierter „Marsch auf Rom“ der 26 000 Schwarzhemden im Jahr 1923 und das gesamte Gepräge der faschistischen Diktatur in Italien den deutschen Nationalsozialismus und seinen Führerkult inspiriert hat. Hitler fand da zu seinem Selbstbild. Nicht zufällig wurde er nach dem mißglückten Putsch in München 1923 von seinen Anhängern als „Mussolini Deutschlands“ gefeiert. Wie wäre die Geschichte verlaufen, wenn es diese italienische Vorläuferschaft nicht gegeben hätte?

Hitler: „Eine tiefe Freundschaft“
Gleich nach der ersten Begegnung 1933, die ohne Dolmetscher unter vier Augen stattfand, denn Mussolini sprach Deutsch, erklärte Hitler, er empfinde für den Duce „eine tiefe Freundschaft“. Und daran hielt er fest, auch als ihm der militärisch mit ihm rivalisierende, doch sich selbst überschätzende Bündnispartner mit seinem Traum von der Vormachtstellung Italiens im Mittelmeerraum und einem verspäteten Kolonialreich während des Kriegs zum Problem wurde. Eine „brutale“ Freundschaft? Hitler zwang dem Duce gegen Ende des Kriegs eine Treue ab, die ihn persönlich und politisch ruinierte. Er hütete sich, ihn in seine konkreten Kriegspläne einzuweihen, korrigierte und reparierte aber seine militärische Desaster etwa in Griechenland. Immer wieder kam er ihm zu Hilfe.

Mussolini: „Er gefällt mir nicht“
Mussolini dagegen ließ nach der ersten Begegnung seine Leute wissen: „Er gefällt mir nicht“. Die arrogante Ablehnung eines Diktators, der dem anderen zehn Jahre Herrrschaft voraus hat. Jedoch fällt er mehr und mehr in Respekt und Bewunderung bis dahin, sich dem Führer total unterzuordnen. Eine psychologische und politische Hörigkeit - die Kehrseite des autoritären Charakters? Die Entwicklung ist filmisch bestens dokumentiert, denn die faschistische Propagandamaschinerie funktionnierte. Alle Treffen wurden von der Kamera festgehalten: die triumphalen Auftritte der beiden Staatschefs vor den jubelnden Massen in Venedig, Florenz, Rom oder München und Berlin, im offenen Wagen oder auf den Balkonen der Paläste. Mussolini immer mit breitem glücklichem Gesicht. Er liebte das Bad in der Menge und ließ sich auch beim Boxen, Reiten oder Tennisspielen filmen. Ein faschistischer Star, der seine Vitalität, seinen lustvollen barocken Zugriff zum Leben zur Schau brachte. Hitler stand da zuerst ganz zurück. Seine erste Auslandsreise als Reichskanzler im Juni 1933, die natürlich zum Idol nach Italien führen sollte, nach Venedig, zeigte ihn neben dem cäsarisch kraftstrotzenden Duce, der imperialem Prunk und militärische Grandezza verbreitete, sichtlich verklemmt, um nicht zu sagen schwach im knittrigen Trenchcoat.

Mussolinis Antisemitismus
Diese Position hielt der Italiener noch 1934. Als der Bundeskanzler Dollfuß von österreichischen Nationalsozialisten ermordet wurde, ließ er warnend Divisionen am Brenner aufmarschieren. Hitler mußte beschwichtigen. Anfangs erlaubte sich der Duce auch noch Spott über Hitlers Rassentheorien: Wenn die stimmten, müßten die Lappen „die höchsten Kulturträger“ sein. Umso interessanter ist es, dass die jüngst in Italien nach langer Sperrfrist zur Publikation gekommenen Tagebücher der letzten Geliebten Claretta Petacci von heftigen und häufigen antisemitischen Ausbrüchen des Duce berichten. Allerdings seit dem Jahr 38. Eine Folge der auf Druck des Führers gehorsamst eingeführten antisemitischen Rassengesetze in Italien? All die Wahrheiten, die Claretta Petacci nach den Liebesstunden aufschrieb, werden von den Nachkommen des Duce bestritten. Vor allem von der Enkelin Alessandra Mussolini, die an einer Wiederauflebung eines geschönten Faschismus in Italien arbeitet. Nicht ohne Schützenhilfe von Seiten Berlusconis, der vor einigen Jahren zu sagen wagte, Mussolini habe nie jemanden getötet. Er habe Oppositionelle nur „in Urlaub in die Verbannung“ geschickt.

Die „Achse Rom-Berlin“ und der „Stahlpakt“
Die weiteren gemeinsamen Daten sind bekannt: 1936 Unterstützung des Dritten im Bunde, Franco, im spanischen Bürgerkrieg; 1936 Verkündigung der „Achse Rom-Berlin“; am 13. März 1938 der Anschluss Österreichs, ohne dass Mussolini noch mit der Wimper zuckt; September 38 dann seine letzte brillante Rolle als Moderator der Münchner Konferenz mit Daladier, Chamberlain, Hitler und ohne die betroffene Tschechoslowakei; Mai '39 dann Unterzeichnung des „Stahlpakts“, der zuerst „Blutpakt“ heißen sollte. Ein militärischer Beistandspakt. Damit war der Duce voll mitgefangen, obwohl er den Ausbruch des Kriegs, den Einmarsch in Polen aus der Zeitung erfährt. Sein Kommentar lautet: „Hitler hat die Welt angezündet.“


Mittwoch, 24. März 2010 um 20.15 Uhr,auf ARTE

Hitler & Mussolini


In welchem Verhältnis standen Adolf Hitler und Benito Mussolini zueinander? Trotz aller Gegensätze brauchten sie offenbar einander brauchten. War Hitlers Aufstieg ohne das historische Modell des italienischen Faschismus überhaupt möglich?



Beide sind krank und depressiv
Auch während des Kriegs sehen sich die beiden öfter, Mussolini immer mehr in unsicherer und schuldbewußter Haltung, Hitler merkwürdig sanft und nachsichtig. Im Spätsommer 1941 besucht er die Wolfsschanze. Sechs Tage verbringen beide eng miteinander, über Karten gebeugt und die Ostfront abfliegend. Dann wendet sich das Blatt. Der deutsch-italienische Vormarsch in Afrika bleibt im Wüstensand stecken, der Ostfeldzug im russischen Winter. Auf der deutsch-italienischen Planungskonferenz auf Schloss Klessheim im April 1942 bei Salzburg wirken beide schwer gealtert und völlig erschöpft. Mussolini möchte sich und Italien aus dem Krieg ausklinken, aber wagt es nicht. Er hat seine ganze Lebenskraft eingebüßt, wirkt aufgedunsen, depressiv, ein kranker Mann, der von Magenkrämpfen gequält wird. Auch Hitler ist leichenblass und abgemagert. Er nimmt alle zwei Tage Medikamente gegen depressive Stimmungen.


Das erbärmliche Ende
Als in der Nacht vom 9. auf 10. Juli 1944 die Allierten auf Sizilien landen, fliegt Hitler zu einem Blitzbesuch nach Feltre, um sich Italiens zu vergewissern. Doch Mussolini wird am 25. Juli abgesetzt und in Haft genommen. Deutsche Fallschirmtruppen befreien ihn und fliegen ihn in Hitlers Hauptquartier. Hitler braucht ihn und zwingt ihn, der widerstrebt, die italienische Soziale Republik Italien vom Gardasee aus auszurufen. Ein letztes Treffen findet ausgerechnet am 20. Juli 1944 im Führerhauptquartier statt. Hitler hat gerade die Bombe überlebt. Aufgerührt sagt er zu Mussolini: „Ich bitte Sie mir zu glauben, daß ich Sie als meinen besten und einzigen Freund ansehe, den ich in der Welt habe.“
Am 27. April l945 wird Mussolini, in einen deutschen Militärmantel gehüllt, auf der Flucht in einem Lastwagen der deutschen Wehrmacht am Comer See von italienischen Widerstandskämpfern entdeckt und mit seiner Geliebten Clara Petacci erschosssen. Die Leichen werden öffentlich in einer Mailänder Tankstelle mit dem Kopf nach unten aufgehängt. Ein erbärmliches Ende.


von Ariane Thomalla



Nächste Woche bei "Geschichte am Mittwoch"


Dienstag, 6. April 2010

10:05
per E-Mail verschicken
per E-Mail verschicken
Meine Wiederholung
Meine Wiederholung

Gefangen im Bittersee - Schiffsfalle Suezkanal

Im Sommer des Jahres 1967 gerieten 14 Handelsschiffe im Großen Bittersee mitten im Suezkanal zwischen die Fronten des Sechs-Tage-Krieges. Die Dokumentation erzählt die Geschichte dieser Gefangenen, die aus den unterschiedlichsten Nationen stammten.

DETAILS

Dienstag, 6. April 2010 um 10.05 Uhr

Wiederholungen:
Keine Wiederholungen
Gefangen im Bittersee - Schiffsfalle Suezkanal
(Deutschland, 2009, 52mn)
ZDF
Regie: Fayd Jungnickel, Jens Arndt

Stereo 16:9 (Breitbildformat)

Im Sommer des Jahres 1967 gerieten14 Handelsschiffe im Großen Bittersee mitten im Suezkanal zwischen die Fronten des Sechs-Tage-Krieges. Die Dokumentation erzählt die Geschichte dieser Gefangenen, die aus den unterschiedlichsten Nationen stammten. Mehr als acht Jahre ankerten die Seeleute inmitten des Konfliktes zwischen Israel und seinen Arabischen Nachbarn, bis sie im Mai 1975 in ihre Heimathäfen zurückkehren konnten.

"Maschinen Stopp!", hieß es im Sommer 1967 für einen internationalen Konvoi von 14 Handelsschiffen. Über die Köpfe der Seeleute hinweg donnerten Granaten, Raketen und Kampfflugzeuge. Die Frachter aus Ost und West - darunter die Deutschen Schiffe "Münsterland" und "Nordwind" - gerieten zufällig zwischen die Fronten des israelisch-arabischen "Sechs-Tage-Krieges". Nach einer Woche waren die Kämpfe beendet. Die Seeleute hofften nun auf eine baldige Rückkehr nach Hause. Doch der Stopp auf dem Großen Bittersee, in der Mitte des Suezkanals, sollte insgesamt acht Jahre dauern.
Um sie herum tobte ein Stellvertreterkrieg zwischen den Blöcken. Israel wurde von den USA unterstützt, Ägypten von der Sowjetunion. Doch auf den Schiffen gab es keine ideologisch-politischen Schranken. In der Notsituation verstanden sich die Crews aus dem Westen - Deutsche, Amerikaner, Briten und Franzosen - mit ihren Kollegen aus Polen, Bulgarien und der Tschechoslowakei. Jeder half jedem. Und die blockübergreifende Ost-West-Notgemeinschaft bezeichnete sich selbst als die "kleine UNO im Bittersee".
Zwischen endlosem Warten, auf das die Seefahrer mit großer Kreativität reagierten, bis zum dramatischen Erleben des Kriegsgrauens pendeln die spannenden Geschichten der Zeitzeugen. Inmitten des Nahostkonflikts überstanden sie auch den "Jom-Kippur-Krieg". Nach dem Friedensschluss zwischen Ägypten und Israel und der Räumung des Suezkanals ging es nach genau 3.016 Tagen Zwangsankern wieder los. Im Mai 1975 kehrten die beiden deutschen Frachter in ihren Heimathafen Hamburg zurück. Die "Münsterland" hatte die längste verbürgte Reise in der Geschichte der Seefahrt hinter sich: acht Jahre, drei Monate und vier Tage.

Filmemacher Jens Arndt und Fayd Jungnickel dokumentieren, wie polnische, englische, deutsche und tschechische Seeleute heute nach vielen Jahrzehnten wieder in Hamburg zusammentreffen. Die lebendigen Erzählungen der Bittersee-Veteranen werden mit bisher unveröffentlichten privat gedrehten Super-8-Filmen und Fotos ergänzt, die das Leben der Seeleute zwischen den Fronten abbilden. Besonders diese Bilder tragen dazu bei, dass sehr authentisch über das eigene Erleben eines Kapitels der Weltgeschichte erzählt wird.


Samstag, 10. April 2010

16:55
per E-Mail verschicken
per E-Mail verschicken
Meine Wiederholung
Meine Wiederholung

Vom Propeller zur Düse

Traumflug in der Super Conny

DETAILS
Dossier
Schließen

Das Kulturmagazin auf ARTE - Samstags ab 17.15 Uhr (WH: Montag ca. 23.45 Uhr)

Zum Dossier Metropolis, Samstag ab 17.30 Uhr

Samstag, 10. April 2010 um 16.55 Uhr

Wiederholungen:
Keine Wiederholungen
Vom Propeller zur Düse
(Deutschland, 2009, 52mn)
ZDF
Regie: Andrea Hauner, Nadine Klemens

Stereo 16:9 (Breitbildformat)

Während für Geschäftsreisende wie Urlauber das Fliegen zum Alltag gehört, war der erste Flug von Europa nach New York fast so spektakulär wie heute eine Reise zum Mond. In den 50er Jahren begann mit der "Super Constellation" der Firma Lockheed, auch "Super Conny" genannt, der Interkontinentaltourismus. Zeitzeugen berichten über ihre Erlebnisse mit der "Super Conny". Wie haben sie ihren ersten Flug erlebt? Was bedeutete für sie der erste Aufenthalt in New York? Davon berichten Super-8-Filme und Bilder, die sie aus dieser Zeit bewahrt und jetzt vom Dachboden geholt haben.

Fliegen - auch über den Atlantik - ist heute so normal wie Auto fahren und oft billiger als eine Bahnreise. Vor 50 Jahren hingegen war es ein Großereignis, mit dem Flugzeug in den Urlaub zu fliegen. Die Geburtsstunde des vereinten Europas Ende der 50er Jahre war auch gleichzeitig der Beginn des Flugtourismus. Zwar waren die Preise noch exorbitant hoch, doch immer mehr Europäer erfüllten sich ihren Traum vom Fliegen.Die "Super Constellation" der Firma Lockheed, liebevoll "Super Conny" genannt, machte den Sprung über den großen Teich überhaupt erst möglich. Sie war das modernste Propellerflugzeug ihrer Zeit und das Aushängeschild des neuen Interkontinentaltourismus, allerdings mit Ticketpreisen, die sich ein Normalsterblicher kaum leisten konnte.
Amerika war etwas, was nur aus den Hollywood-Filmen bekannt war. Kaum verwunderlich, dass Stewardess ein Traumjob für junge Frauen war. Eine Stewardess war Kellnerin, Krankenschwester, Babysitter - und Entertainer, denn Filme gab es noch nicht. Oft war man für Stunden wegen der Turbulenzen aufgrund der niedrigen Flughöhen an seinen Sitz gefesselt. Von dieser Zeit erzählen Zeitzeugen in ihren teils kurios anmutenden Geschichten.
Die Faszination des Propellerfliegens wurde durch die Erfindung der Düse beendet. Fliegen wurde alltäglich, die Flugzeiten kürzer, Luxus wich der Normalität. Doch überall auf der Welt gibt es noch Anhänger der altmodischen Art des Reisens, des Propellerfliegens. Die Dokumentation begleitet ein Team von Mechanikern und Piloten, die eine "Super Conny" wieder zum Fliegen bringen und die einzig flugtüchtige "Super Conny" der Welt liebevoll am Leben halten.





Erstellt: 17-06-09
Letzte Änderung: 31-03-10