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05/08/02

Einführung in die Kunst der Papuas

Annäherung an die Vielfalt

Die nordöstlich von Australien gelegene Insel Neuguinea erstreckt sich über eine Fläche von 1 200 000 km². Ihre abwechslungsreiche Landschaft, die unterschiedlichen Klimaverhältnisse und die Vielschichtigkeit ihrer Geschichte spiegeln sich in den kulturellen Besonderheiten der Region mit ihrer Vielzahl an Sprachen und ihren unterschiedlichen künstlerischen Traditionen wider. Verschiedenste Arbeitsmaterialien und ästhetische Ansätze charakterisieren das Kunstschaffen der Insel, das am besten mit dem Begriff der Vielfalt erfasst wird.

Wie jede Form von sogenannter primitiver Kunst muss auch die Kunst der Papuas aus einem neuen Blickwinkel und unter Aufgabe westlicher Bezugssysteme betrachtet werden. Begriffe wie Naturalismus, Geometrie oder Abstraktion, mit denen die westliche Kunstkritik gern hantiert, sind bei der Rezeption der ozeanischen Kultur fehl am Platz. Denn kein Werk, ob Plastik oder Grafik, vergänglich oder dauernd, dient rein ästhetischen Zwecken: Allen Werken wohnt eine religiöse Bedeutung inne. Der Künstler, der eine göttliche oder mythische Welt darstellen will, ist daher keineswegs zu einer getreuen Darstellung der Natur oder des Menschen verpflichtet. Jeder Gegenstand ist als eine Botschaft zu betrachten, deren Sinn je nach Werkstoff, Farbe und Form unterschiedlich ist und so einer ganz bestimmten Kodifizierung unterliegt. Die melanesische Kunst ist ein Diskurs mit einer spezifischen Sprache. Erst durch die Kenntnis dieser Sprache lassen sich die künstlerischen Formen analysieren. Leider sind die Quellen zum Verständnis dieser künstlerischen Traditionen zumeist spärlich, und die Bestimmung vieler Kunstgegenstände ist häufig unbekannt. Die „künstlerische Produktion“ lässt sich dennoch in zwei große Stilgruppen unterteilen, die sich aus dem Miteinander von zwei Bevölkerungsgruppen, den Papuas und den Austronesiern, ergeben. Jede Gruppe hat ihre eigene gesellschaftliche Organisation, eigene religiöse Werte und individuelle sprachliche Wurzeln, was sich in den Kunstgegenständen widerspiegelt.

Doch unabhängig von den Bevölkerungsgruppen erstaunt die extreme Vielfalt der Werke: Alle Techniken, alle Werkstoffe scheinen ausprobiert worden zu sein. In Neuguinea gibt es freistehende Skulpturen, aber auch Reliefs wie bei den Asmat auf den Trobriand-Inseln im Golf von Neuguinea oder im Hochland. Manche Skulpturen sind aus Holz, andere aus Tierknochen gefertigt, insbesondere aus denen des Kasuars, eines in der Region beheimateten Laufvogels. Auf der ganzen Insel ist das Talent der Papua-Maler sichtbar, insbesondere in den Verzierungen der großen Zeremonienhäuser der Männer. In manchen Regionen, wie z. B. bei den Abelam und den Kambot, sowie in Neu-Irland ist die Malerei besonders ausgeprägt, während die außergewöhnlichen Körperbemalungen, die zu den spektakulärsten Ausdrucksformen der Papuas gehören, im Hochland, im Süden und im Norden der Insel zu finden sind. Eine weitere Besonderheit der papuanischen Kunst sind die Gemeinschaftswerke, die aus den unterschiedlichsten Materialien aus der Zusammenarbeit von Holzschnitzern, Malern, Korbflechtern und anderen Künstlern entstehen.

Erstellt: 23-06-04
Letzte Änderung: 05-08-02