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05/12/06

Einsam in Europa - Wie gesund ist das Single-Leben?

In europäischen Großstädten liegt Alleinleben im Trend – etwa jeder dritte Haushalt ist hier inzwischen ein Einpersonen-Haushalt. Rund 12 % der Menschen im bindungsfähigen Alter haben keinen festen Lebenspartner.

Keine nervigen Streits um Hausarbeit, Urlaubsplanung, Überstunden - Das Leben als Single kann ein Genuss sein. Stand es früher für Unabhängigkeit, persönliche Freiheit und Flexibilität, gilt das Leben ohne liebenden Partner heute als Stressfaktor. Die Forschung hat den Mangel an Liebe als Gesundheitsrisiko entdeckt. Mediziner halten den Wunsch nach engen Bindungen für ein Grundbedürfnis und neuere Studien geben ihnen Recht : Ohne zuverlässige soziale Bindungen nehmen Körper und Seele Schaden.

Nicht nur das Alleinsein selbst, auch der erneute Wertewandel zugunsten von Ehe und Familie macht vielen Einzelgängern schwer zu schaffen. Was lange als spießig galt ist heute wieder "in" - die heile Kleinfamilie als emotionale Heimat - und darunter leiden diejenigen, die der Norm nicht gerecht werden. Psychologen untersuchen das Leid am gebrochenen Herzen - mit eindeutigem Ergebnis: Kaum einer will heutzutage auf lange Sicht allein bleiben. Im Vergleich zu den Paaren geben Singles in Studien an, weniger glücklich und zufrieden zu sein. Selbst freiwillige Singles sind einsamer und fühlen sich isolierter als Menschen in Paarbeziehungen.

Einsamkeit als Gesundheitsrisiko
Eben diese drohende Isolation und Einsamkeit machen das Alleine-Leben zum Risiko für körperliche und auch seelische Erkrankungen, denn einsame Menschen leiden vor allem in Stress-Situationen an einem Mangel sozialer Unterstützung. Wer niemanden hat, der ihn in den Arm nimmt, steht in schwierigen Momenten schlechter da. Deshalb reagieren Einzelgänger oft empfindlicher - zum Beispiel auf Probleme im Job. Sie produzieren in belastenden Situationen höhere Mengen des Stress-Hormons Kortisol – ein Mechanismus der den Organismus in eine Art Hochspannung versetzen kann, und chronisches Stress-Erleben bewirkt. Wer unter erhöhter Kortisolproduktion leidet, bekommt eher Schlafstörungen, fühlt sich dadurch eher antriebsarm und inaktiv und neigt schneller zu Depressionen und Ängsten.
Soziale Unterstützung und tragfähige Beziehungen dagegen sind eine Art Schutzfaktor für die Gesundheit: Menschen mit emotional unterstützenden Beziehungen haben im Vergleich zu Menschen die sich sozial isoliert fühlen eine bessere Immunfunktion, eine bessere Funktionsweise des vegetativen Nervensystems, sie schlafen besser und haben oft ein besseres Gesundheitsverhalten.


Freundschaft versus Paarbeziehung
Wer keine Partnerschaft hat, kann das allerdings auch durch ein tragfähiges Netz freundschaftlicher oder familiärer Beziehungen ausgleichen. – Wer sich in so einem sozialen Netz gut aufgehoben fühlt, genießt nahezu dieselben gesundheitlichen Schutzfaktoren. Menschen mit stabilen Beziehungen oder einem gut funktionierenden Freundeskreis werden nicht nur seltener krank, sie erholen sich nach Erkrankungen und Operationen auch oft schneller. Single-Frauen scheint die Organisation derartiger unterstützender Netzwerke häufig besser zu gelingen - während unfreiwillige Single-Männer nach Studienergebnissen am stärksten unter Einsamkeit leiden.
Besonders deutlich zeigt sich dieser Zusammenhang beim Vergleich von Single-Männern und verheirateten Männern: Neueren Studien zu Folge haben gerade Single-Männer oft gleich eine Reihe schlechter Angewohnheiten, die sie bis zu acht Jahre ihrer Lebenserwartung kosten können. Wer sich alleine fühlt und damit nicht zurecht kommt trinkt und raucht mehr, ist eher depressiv, dadurch weniger aktiv, hat eher Übergewicht und bewegt sich weniger. - Was sich wiederum auf Körper und Psyche auswirkt. Ein Teufelskreis, der vor allem der Immunabwehr und dem Herz-Kreislauf-System schadet. Einzelgänger sind anfälliger für Infekte und Herzerkrankungen.


Zärtlichkeit und Sexualität
Doch nicht nur Unterstützung, auch Zärtlichkeit und Sex fehlen den Singles. Insgesamt haben sie nach Studienergebnissen erheblich weniger Sex als Menschen in festen Beziehungen. Liebende leben in dieser Hinsicht gesünder, denn die körperliche Liebe kurbelt unter anderem die Hormonproduktion an und wirkt dabei auf viele Bereiche des Körpers. Sexualität setzt eine Fülle von Glücksbotenstoffen im Körper frei, unter anderem Serotonin, Oxytocin, und Endorphine. Diese Stoffe stärken das Immunsystem, führen dazu, dass Stress abgebaut wird, wirken Ängsten entgegen und beugen sogar dem Herzinfarkt vor. Selbst gegen Verspannungen und Schmerzen helfen die körpereigenen Drogen, die beim Sex ausgeschüttet werden. Allerdings sind Paare nicht automatisch im Vorteil: Eine feste Beziehung ist schließlich noch lange kein Garant für ein glückliches Sexualleben und wirklich auskosten lässt sich der Cocktail der Glücksbotenstoffe nur, wenn es im Bett keinen Leistungsdruck, Stress oder Streit gibt. Und wer ohne Sex in den Genuss der körpereigenen Glücksdrogen kommen will, kann sich auch ganz anders körperlich betätigen. Auch regelmäßiger und ausgiebiger Sport wirkt auf die Ausschüttung der körpereigenen Glückshormone.

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HIPPOKRATES - Gesundheitsmagazin
Dienstag, 12. Dezember 2006 um 14.00 Uhr
Wiederholung vom 27. September 2005
Redaktion: Heidemarie Petters Koproduktion ZDF -ARTE G.E.I.E.

Erstellt: 23-09-05
Letzte Änderung: 05-12-06