Es ist schwer nachzuvollziehen, wie populär Eishockey in Tschechien ist. Es ist ein bisschen so wie die Bundesliga in Deutschland, nur tausendmal beliebter. Abgesehen von den gut zehn spezialisierten Hockeymagazinen berichten auch die allgemeine Presse und die Fernsehstationen wöchentlich von der „Extraliga“. Und die amerikanische und russische Liga sind ebenfalls sehr beliebt, denn hier spielen tschechische Eishockeystars wie der Goalgetter Jaromír Jágr und der Torhüter Dominik Hašek.
Aber was wäre ein interessanter Sport ohne politische Implikationen? So sind einige tschechische (und tschechoslowakische) Siege und Niederlagen in die Geschichte eingegangen: 1947 wurde die wiedervereinigte Tschechoslowakei der erste Weltmeister der Nachkriegszeit. Umso bitterer waren die vier Niederlagen gegen die Sowjetunion in den sechziger Jahren, vor allem jene im Finale 1968, nur einige Wochen vor der Niederschlagung des Prager Frühlings. Stellen Sie sich vor, wie groß die Beigeisterung dann war, als 1976 – also mitten in der kommunistischen „Normalisierung“ – eine gedemütigte Tschechoslowakei im Finale die Sowjetunion 3 zu 2 schlug. So wurde in den letzten fünfzehn Jahren des Regimes Eishockey zu einer wichtigen Ausdrucksform der Massensubversion.
Seitdem ist die Sowjetunion auseinandergebrochen – und mit ihr die Ressentiments der Vergangenheit. Die Begeisterung der Tschechen für ihren Nationalsport ist aber geblieben. Ein Nationalsport der weiterhin politisch ist: Nach dem 8 zu 0 Sieg gegen die Slowakei dieses Jahr sprachen tschechische Zeitungen von einer „unterhaltsamen Lehrstunde“, während in Bratislava Katerstimmung herrschte und ein slowakisches Regierungsmitglied sich sogar weigerte „einen Kommentar zu diesem katastrophalen Ergebnis abzugeben.“ Doch auch die Leistung der Tschechen bei dieser Weltmeisterschaft war bisher nicht weltbewegend: Nach den Siegen gegen die Slowakei und Dänemark verlor die Mannschaft 3 zu 4 gegen Finnland und sogar 1 zu 5 gegen Kanada. Hoffentlich wird die Form der Tschechen sich verbessern, denn Kapitän Jaromír Jágr hasst nichts mehr als zu verlieren. So antwortete er einst einem Journalisten, der ihn darüber fragte, wie er denn nach einer Niederlage schliefe: „Wie ein Baby: Alle zwei Stunden wache ich auf um zu weinen...“








per E-Mail verschicken
Facebook
Twitter
RSS

