Venedig 2005 - Außer Konkurrenz - 07/09/05
Elizabethtown
Ein Film von Cameron Crowe
Eine schöne Komödie über Beerdigungen. Cameron Crowe verfilmt Amerika mit dem von seinen Vorbildern Capra und Wilder geerbten Humor.
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(USA, 2005, 133 Min.)
Mit Orlando Bloom, Kirtsen Dunst, Susan Sarandon, Loudon Wainwright…
Synopsis : Drew Baylor erlebt die grösste Demütigung seines Lebens: der Schuh, den er für eine grosse Sportmarke entworfen hat, erweist sich als riesiger Misserfolg, der der Firma eine Milliarde Dollar kostet. Am Rande des Selbstmordes erfährt er telefonisch den Tod seines Vaters, der bei einem Familienbesuch in Elisabethtown, in der Nähe von Louisville im Kentucky starb. Er reist ab und begegnet im Flugzeug einer äusserst netten Stewardess namens Claire. In der kleinen Stadt angekommen, stößt er auf liebenswürdige und sich nahe stehende Menschen.
Kritik : Als grosser Bewunderer Billy Wilders bekennt sich Cameron Crowe ehrwürdig zu seinem Vorbild, indem er eine für Wilder typische Komödie über eine Beerdigung inszeniert. Drew Baylor, der strebsame Designer einer multinationalen Sportfirma, hat acht Jahre lang an dem Entwurf eines für ihn traumhaften Sportschuhes gearbeitet, der aber als Debakel geendet und die Firma um gut eine Milliarde Dollar ärmer gemacht hat. Ein wahres Meisterstück ist die Szene in den Vorstandsbüros, in der der wuchtig lebhafte Oberboss, gespielt von Alec Baldwin, gaunerhaft anmutend vor dem reuigen Angestellten nur schwer seinen aufbrodelnden Zorn zu unterdrücken vermag. Durch seine rührende Unbefangenheit und seinen wie ins Leere starrenden Bambi-Blick verleiht Orlando Bloom jener verzweifelten Gestalt einen Hauch von Naivität.
Der Tod seines Vaters bringt wieder Ordnung in seinen Gedanken. Die Begegnung mit Claire und mit der Familie seines Vaters gibt ihm dann Zugang zu einer neuen Welt, in der Erfolg wenig, Nächstenliebe aber alles bedeutet. Diese fast ideale Welt, in der Menschennähe und eine gesunde nonkonforme Haltung den Alltag kennzeichnen, ist nun keine Anspielung mehr auf Billy Wilder sondern eher auf Frank Capras amerikanische, hoffnungs- und humorvolle Archetypen. Drew Baylor sieht George Bailey (Jimmy Stewart) verdammt ähnlich, diesem gutgesinnten Mann, der am Rande des Selbstmordes -im Meisterwerk La vie est belle - durch seine 'Zunft' gerettet wird. Die Wahl, die er zwischen seiner untergehenden Karriere und dem wahren Leben trifft, erinnert an die Fragen, die sich der Held in You Can't Take It with You stellt. Als hiesse es: Ich liebe diese wahnwitzigen Familien! Hier wird der alltägliche aber seichte Wahnsinn durch das Porträt amarikanischer Menschen verdeutlicht, wie sie bei Norman Rockwell zu sehen sind: erhitzte Ehepaare; ein Cousin, ehemaliger Rocker, der zum Familienvater berufen wird; oder eine exzentrische Mutter, die sich als Steptänzerin und nach dem Tode ihres Gatten als Mechanikerin versucht.
Was Cameron Crowe kennzeichnet, ist diese besondere Fähigkeit, Gefühle zu erfassen und sie scharfsinnig auf der Leinwand wiederzugeben. Die Reaktion eines Helden im Anblick seiner 'ersten' Leiche oder der Willen, nicht aufzuhängen, wenn gerade unsere Liebe am Telefon ist, sind Erlebnisse, die jedem etwas bedeuten, die aber keinerlei rationalen Regeln gehorchen: so ist es eben auch nicht rational während einer Beerdigung zu lachen. Oder doch?
Elizabethtown lässt uns ständig zwischen Trauer und Freude schwanken. Als ehemaliger Kritiker bei 'Rolling Stone', wollte der Regisseur den Eindruck erwecken, man sei gerade dabei einem amerikanischen Radiosender zuzuhören, der Elton John oder Tom Petty spielt. Diese bitter-süsse Komödie endet mit einer schönen romantischen Idee, einem Mini-Road-Movie entlang amerikanischer Mythen, von Memphis bis Martin Luther King, beendet durch einen Kuss. Das Leben, nichts als das Leben.
Delphine Valloire
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Elizabethtown
Ein Film von Cameron Crowe
(USA, 2005, 133 Min.)
Mit Orlando Bloom, Kirtsen Dunst, Susan Sarandon, Loudon Wainwright…
Venedig 2005 - Außer Konkurrenz
Erstellt: 05-09-05
Letzte Änderung: 07-09-05