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Jahrhundertaufnahmen Jazz

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Jahrhundertaufnahmen Jazz

Jahrhundertaufnahmen des Jazz - 16/05/06

Ella Fitzgerald: Pure Ella

MCA GRP 16362, aufgenommen am 12. September 1950, 29. und 30. März 1954


von Bert Noglik

Die Auswahl im Überblick

Der Titel des Albums scheint trefflich gewählt: die First Lady des Jazz bereitet mit dem Reigen der hier versammelten Songs ein pures Vergnügens. Selten verschmolzen Jazzfeeling und Songqualitäten, Kunstanspruch und populäre Kultur so sinnfällig miteinander wie bei diesen Aufnahmen. Vereint wurden acht Songs von Ella Fitzgeralds erster Langspielplatte „Ella Sings Gershwin“ aus dem Jahre 1950 und zwölf weitere Titel vom 1954 entstandenen Album „Songs In A Mellow Mood“, das unterschiedliche Facetten des Great American Songbook anklingen lässt. In beiden Fällen saß Ellis Larkins am Piano, der sich als souveräner Begleiter und sensibler Partner der Sängerin erweist.

Ella Fitzgerald, die mit vierzehn von Zuhause ausriss, mit siebzehn einen Talentwettbewerb im New Yorker Apollo Theatre gewann, in der Swing-Ära als Sängerin des Orchesters von Chick Webb zum Star aufgestiegen ist und sich dann auch an der Seite von Bebop-Innovatoren wie Dizzy Gillespie profilierte, offenbart mit „Pure Ella“ ein erstes Stadium der Reife. Zu Gunsten einer tief emotionalen Auslotung des musikalischen Materials und der Texte verzichtet sie auf ihr Markenzeichen, die virtuosen Scat-Vocals. In der Reduktion auf das Wesentliche und im intimen Format von Gesang mit Klavierbegleitung gelingt es ihr, die Substanz der Titel freizulegen und diese zugleich zu individualisieren.

Ideale Gershwin-Interpretin

Ira Gershwin schwärmte später, er habe überhaupt erst durch Ella Fitzgerald erfahren, wie gut die Songs seien. Nuancenreich, zugleich klar, intonationssicher, präzise und mit untrüglichem Sinn für Timing erreicht die Sängerin ihr Ideal, mit der Interpretation der Songs unverwechselbare Geschichten zu erzählen. Wie sie beispielsweise in „But For Me“ der Vergeblichkeit einer Beziehung Ausdruck verleiht, ohne in Resignation zu verfallen, ist ebenso beeindruckend wie das frech-ausgelassene „Makin’ Whoopee“. Ella Fitzgerald hat noch immer jene Kindlichkeit in der Stimme, die ihre Besonderheit ausmacht, aber singt diese Songs doch zugleich mit den Erfahrungen einer Frau, die die Aufs und Abs des Lebens und des Berufs kennen gelernt hat. Inspiriert vom Jazz erreicht sie eine Tiefe, die der Interpretation klassischer und romantischer Liederzyklen vergleichbar erscheint.

Später, Ende der fünfziger Jahre begann Ella Fitzgerald mit der Aufnahme einer ganzen Reihe von Song Books, mit denen sie großen amerikanischen Komponisten wie Cole Porter, Harold Arlen, Irving Berlin, Rodgers & Hart, Duke Ellington und auch noch einmal George and Ira Gershwin (nun mit einer mehrteiligen Serie) ihre Reverenz erwies. All das gehört zum Fundus des Jazz, ebenso wie Ella Fitzgeralds mitreißender und instrumental orientierter Gesang vor dem Background einer Big Band oder in der Interaktion mit den sie umgebenden Musikern. Einen später möglicherweise nie wieder erreichten Höhepunkt in der Ausgestaltung von Songs erreichte sie in den Aufnahmen von 1950 und 1954: „Pure Ella“.

Text: Bert Noglik

Ella Fitzgerald: "Pure Ella"
MCA GRP 16362
Ella Fitzgerald – Gesang
Ellis Larkins – Piano
Aufgenommen am 12. September 1950, 29. und 30. März 1954

















Achtung: Nicht verwechseln mit dem gleichnamigen Verve-Album, einer 1998 veröffentlichten Kompilation!

Erstellt: 16-05-06
Letzte Änderung: 16-05-06


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