Weltweit wurden im vergangenen Jahr 83 Millionen Barrel Öl pro Tag verbraucht. Berechnungen der Internationalen Energieagentur zu Folge werden es im Jahr 2010 schon über 90 Barrel sein. Die größten Ölverbraucher sind mit 25 Millionen Barrel täglich die USA, dank boomender Wirtschaft drängen auch China, Japan und Indien verstärkt auf den Markt. Bereits 2002 hatte China Japan als zweitgrößten Ölverbraucher abgelöst. Nachdem die heimische Ölproduktion sichtbar zur Neige geht, ist auch Westeuropa abhängiger als je zuvor von Energieimporten: Europa importiert knapp 80 %, Deutschland sogar 97 Prozent seines gesamten Ölbedarfs.
Grafik: Gesamtverbrauch Öl weltweit in Tausend Barrels/ Tag
Quelle: BP

Auch wenn Kanada dank enormer Ölsand-Vorkommen heute auf Platz 2 der ölreichsten Länder der Erde steht und über 15 Prozent der Weltreserven: Die "Tankstelle der Welt" liegt nach wie vor vor allem im Nahen Osten. Hier liegen mehr konventionelle und leicht förderbare Ölreserven als in der ganzen übrigen Welt zusammen. Die 11 Mitglieder der OPEC ("Organisation Erdöl exportierender Länder") fördern gegenwärtig knapp 30 Millionen Barrel pro Tag und stellen damit etwa 40 % des weltweit produzierten Öls bereit. Saudi-Arabien und Kuwait zählen zu ihren wichtigsten Mitgliedsstaaten.


Durch den unstillbaren Bedarf am "schwarzen Gold" laufen überall in der Welt die Ölförderanlagen auf Hochtouren. Fast alle alle erdölexportierenden Staaten arbeiten nahe am Limit seiner Produktionskapazität. Nur der führende Öllieferant Saudi-Arabien kann seine Förderung noch steigern. Die meisten Wissenschaftler sind sich darin einig, dass trotz verbesserter Techniken in fünf bis zehn Jahren das 'Ölfördermaximums' erreicht werden wird, was bedeutet, dass weltweit die Förderung von Erdöl nicht mehr erhöht werden kann. In der Folge wird auch der Ölpreis unausweichlich und in hohem Maße steigen.
Öl-Transport - Ein kostspieliges und risikoreiches Unterfangen
Im internationalen Rohölhandel dreht sich alles um das Barrel. Gemeint war damit ursprünglich ein Fass von 159 Litern Volumen. Heute ist das Barrel nur noch als Maßeinheit im Gebrauch, transportiert wird das Öl seit etwa 140 Jahren per Pipeline oder in riesigen Tankschiffen. Hauptnerv der Energieversorgung der westlichen Welt und derzeit längste und modernste Pipeline der Welt ist ie 2005 eröffnete 1.760 Kilometer lange Baku-Tbilissi-Ceyhan-Pipeline (BTC) Bau der , die Erdöl vom Kaspischen Meer zu den internationalen Märkten leitet. und der . Wenn sie im Jahr 2009 ihre volle Kapazität erreicht hat, werden täglich eine Million Barrel Erdöl durch die Rohre fließen – das entspricht etwa 50 Millionen Tonnen Rohöl im Jahr.
Die kürzeste und wichtigste Öltransportroute vom Nahen Osten nach Europa ist der 170 km lange Suez-Kanal. Er verbindet das Rote Meer mit dem Mittelmeer, ist allerdings mit höchstens 16 Metern zu seicht für voll beladene Supertanker. Daher muss vor der Einfahrt in den Kanal ein Teil der Ladung abgepumpt und auf der Mittelmeerseite zwischengelagert werden. Die Alternative wäre eine wesentlich längere Fahrt um die Südspitze von Afrika herum.

Mitglieder
Irak, Iran, Katar, Kuwait, Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate (VAE), Algerien, Libyen, Nigeria, Indonesien, Venezuela.

Erdöl - grundlegende Chemikalie für viele Industriezweige
Im Ölhafen von Rotterdam lagern Millionen Barrel Rohöl, die in Europa raffiniert werden. Eigentümer sind Ölfirmen aus der ganzen Welt. Weltweit gibt es zu wenig Raffinerien. Wie die Ölförderanlagen laufen auch sie daher ständig auf Hochtouren. Auch die USA lässt Erdöl in Europa weiter verarbeiten. Der Hurrikan "Katrina" hat nicht nur Ölplattformen lahm gelegt, sondern zudem mehr als 10 % der amerikanischen Raffinerie-Kapazitäten zerstört. Auch das hat die Ölpreise weiter in die Höhe getrieben...
Öl wird nicht nur zur Erzeugung von Elektrizität und als Treibstoff verwendet. Rohöl liefert grundlegende Chemikalien für viele Industriezweige und ist damit Ausgangsmaterial für die riesige Produktpalette der Kunststoffindustrie. Immer mehr Gebrauchsgegenstände wie Tintenpatronen, Kugelschreiber und Plastikflaschen, Waschmittel, Lebensmittel, Kosmetika und Medikamente werden inzwischen aus diesen Grundstoffen und damit auch aus Rohöl hergestellt. Steigt der Ölpreis, werden daher auch viele Dinge unseres täglichen Lebens zwangsläufig teurer.
Gnadenloser Wettstreit um die RessourcenDie Wege des Erdöls werden immer länger. Öltanker transportieren jährlich knapp zwei Milliarden Tonnen Rohöl und Ölprodukte über die Weltmeere. Dabei kommt es immer wieder zu schweren Katastrophen. So brach etwa im November 2002 der Tanker "Prestige" vor der galicischen Küste in Nordwestspanien auseinander. 40.000 Tonnen Schweröl traten aus, verseuchten tausende Kilometer Küste und tötete Hunderttausende von Tieren.
Viele Tankerunfälle haben gerade deshalb verheerende Folgen, weil die betroffenen Schiffe über nur eine Außenhülle verfügen. Eine zweite Schiffswand könnte bei einem Unfall das Austreten größerer Ölmengen verhindern, ist aber noch nicht Standard. Nach der "Erika-Katastrophe" (2001) beschloss die Internationale Seeschifffahrts-Organisation (IMO), dass ab 2015 nur noch Öltanker mit doppelwandigen Außenhüllen die Weltmeere befahren dürfen.
Dass Öl Macht bedeutet, ist nicht erst seit dem Irakkrieg deutlich geworden. Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte haben die Ölförderung und ihre Begleiterscheinungen in vielen Entwicklungsländern erhebliche wirtschaftliche, soziale und ökologische Probleme verursacht. Pipelines fressen sich gnadenlos durch Urwälder und Naturschutzgebiete, immer wieder kommt es zu schwerwiegenden Unfällen und Menschenrechtsverletzungen. Im gnadenlosen Wettstreit um die Ressourcen ziehen Minderheiten häufig den Kürzeren und geraten in Abhängigkeiten. Vor allem in Westafrika kommt es immer wieder zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Rebellen und Ölkonzernen, Millionenerträge kommen nicht der Bevölkerung zugute, sondern werden von korrupten Regierungen veruntreut.
Gewinne für die Mineralölkonzerne – auf Kosten der Endverbraucher...
Während die Gewinne der Mineralölkonzerne konstant steigen, wird der Endverbraucher immer stärker zur Kasse gebeten. Durchschnittlich gehen 55 bis 60 % des Preises für die Öl-Endprodukte an den Staat. Auch die Tankstellenpächter verdienen nur zwischen 0,5 und 1 Cent pro Liter Benzin. Auch die Tatsache, dass Erdöl Gegenstand der Börsenspekulation ist, erklärt die schwankenden Ölpreise. Weltweit stehen täglich etwa 35 Millionen Barrel zum Verkauf. Per Termingeschäft werden aber jeden Tag 200 bis 300 Millionen Barrel gehandelt.
Dr. Nicolas Sarkis, Direktor des arabischen Zentrums für Erdölforschung in Paris, schließt nicht aus, dass der Ölpreis künftig noch weiter stark ansteigen wird. Grund dafür ist unter anderem die Tatsache, dass der Abbau von weniger konventionellen Erdölvorkommen zudem kostspieliger und aufwändiger wird: "Mehr und mehr muss man das Erdöl an abgelegenen, schwer erreichbaren Orten suchen: Unter Wasser, oder auch in unwirtlichen Gegenden wie etwa Sibirien. Die Preissteigerung ist aber im Interesse aller – ja, auch im Interesse der Verbraucher. Denn dadurch bemühen sich die Menschen, Energie zu sparen und Alternativen zum Öl zu entwickeln. "
Noch sind Wirtschaft und Wohlstand der Industrieländer ohne Erdöl undenkbar – der Ölstaaten aber auch. Aber: Wie lange noch und zu welchem Preis?
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20.06.2006, ab 20.40 Uhr
Erdöl, das schwarze Gold
Themenabend, SWR






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