Eric HELIOT war ein schlechter Schüler. Auf allem, was er finden konnte, kritzelte er herum. Seine Eltern waren alles andere als begeistert. Geboren wurde er 1959, heute lebt er in Rouen in der Normandie. Seit fast zwanzig Jahren versteckt er sich in seinem Garten, hört Musik und zeichnet. Seltsame Musik hört er, Musik, die die Wände seines Ateliers beleuchtet. Eric Héliot ist eine ziemlich atypische Gestalt in der Welt der französischen Zeichner. Keine Schublade passt. Er ist Illustrator und Zeichner, liebevoll und ätzend, verstörend und bezaubernd. Ein wenig wie der Amerikaner Robert Crumb, den er seit seiner Jugend verehrt, ist auch Eric Héliot ein Besessener: immer hört er die gleiche Musik, immer zeichnet er die gleiche Sache. Unermüdlich. Mit Bleistift, Feder oder Pinsel. Frauen. lang und schön, wie sinnliche Kalligraphien. Frauen als Utopien: prachtvoll, beseelt, Frauen mit Geist und Körper. Die Welt, zumindest einen Teil der Welt, so wie Eric Héliot sie gerne sähe.
Eric Héliot zeichnet auch für Kinder. In Deutschland ist er noch unbekannt (aber sicher nicht mehr lange), zur Zeit erfindet er zusammen mit dem österreichischen Schriftsteller Robert Menasse das fiktive Tagebuch eines Mädchens, das das Schreiben entdeckt. In Frankreich sind diesen Monat gleich zwei Alben von ihm bei Sarbacane erschienen: "Piano, Piano" - die Geschichte eines Jungen, den die Mutter jeden Tag um Punkt drei zum Klavierspielen zwingt und der seine Flucht vorbereitet, sowie "Bernard et moi" - eine Geschichte kleiner, dem Alltag entrissener Augenblicke zwischen zwei ungewöhnlichen Freunden: der eine der beiden, Bernard, ist ein Elefant. Sarbacane, ein junger, unabhängiger Verlag, zurzeit sicher einer der innovativsten und dynamischsten, wird bei der Jugendbuchmesse vom 13. bis 16. April in Bologna Eric Héliots Bücher vorstellen.
Sobald Eric Héliot seinen Garten verlässt, kommt alles durcheinander: das Auto hat eine Panne, der Papst stirbt, schon wieder sind die Arbeitslosenzahlen gestiegen … Die Welt ist nicht perfekt. Und daher versucht Eric Héliot, sie auf seine Art zu richten. Bei diesem seltsamen Gärtner wachsen Glühbirnen in den Farnwedeln. Als befremdlicher Tüftler lässt er sympathische Roboter entstehen, großherzig und voll der besten Absichten, klapprige, lächerlich komplexe Maschinen: Kofferkrokodile, Schneckenroboter, fliegende Motorklaviere. Als bizarrer Schöpfer bevölkert er die Welt mit intelligenten Eseln, erschröcklichen, seltsam menschlichen Tieren: Männer mit Schlips und Tigerschwanz, oder kultivierte Elefanten, die sich Filme über Afrika anschauen. Eric Héliot ist ein Träumer, kein Zweifel, doch er träumt wie ein Kind, seine Träume führen ihn nicht aus der Welt, verleiten ihn vielmehr, deren Grenzen auszuloten.
Vor zwei Jahren hat Eric Héliot zusammen mit Pierre Le Gall Mankpa Dpath veröffentlicht. Ein beeindruckender Band. Eine Initiationsreise und gleichzeitig eine Parodie, die Geschichte Alexanders, eines Jungen, und seiner Katze Rufus, ihre Abenteuer im schrecklichen Reich der Karpaten. Genau wie Claude Ponti, der als Illustrator Bewegung brachte in die französischen Jugendbücher, nimmt auch Eric Héliot seine kleinen Leser sehr ernst, für ihn sind sie ganz groß und wie niemand sonst fähig, durch ein Buch zu reisen, sich auf jedes wunderbare, überraschende Detail zu werfen, um der Welt besser gewachsen zu sein, wenn sie das Buch dann weglegen.
Mit den beiden neuen, in Zusammenarbeit mit dem italienischen Autor Davide Cali entstandenen Bänden lässt Eric Héliot seinem Sinn fürs Absurde und seiner schönen altmodischen Vorstellungskraft freien Lauf. Bruno Schulz oder auch Edward Gorey sind Referenzpunkte in seinem poetischen Universum, sein zerbrechlicher und doch hartnäckiger Strich verführt zum Träumen, Lachen, Weinen. Als seltsamer Poet feiert Eric Héliot den Geist des Kindseins, nicht mehr, nicht weniger.von Christine Lecerf
Die beiden neuen von Eric Héliot illustrierten Bücher:
Davide Cali, Eric HéliotBernard et moi
Editions Sarbacane, 2005
ISBN : 2-84865-055-9
Davide Cali, Eric HéliotPiano piano
Editions Sarbacane, 2005
ISBN : 2-84865-054-0







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