Erik Friedlanders aktuelles Album ist mehr als eine Hommage an den Musiker und Komponisten Oscar Pettiford, der dem Cello sowie dem Kontrabass als Jazzsoloinstrument den Weg geebnet hat.

Erik FriedlanderBroken Arm Trio
Label :
Skipstone Records 
Friedlanders Albumtitel „Broken Arm Trio“ geht auf eine Anekdote über Oscar Pettiford zurück. Als sich der Kontrabassist und Miterfinder des Bebop 1949 den Arm bricht und nur noch die Finger bewegen kann, soll er angefangen haben, Cello zu spielen. Das Cello hat Pettiford wie einen Kontrabass gestimmt, nur eine Oktave höher, und mit ihm im Anschluss einige Jazzalben als Soloinstrument aufgenommen. Während sich der Kontrabass Dank Pettiford und Charles Mingus als Soloinstrument durchsetzen konnte, gehört das Cello in Jazzformationen immer noch zu den Ausnahmeinstrumenten.
Erik Friedlander ist ein musikalischer Grenzgänger und Vollblutcellist. Sein bahnbrechendes Cellospiel macht ihn zu einem gefragten Musiker sowohl in der zeitgenössischen Musik als auch im Freejazz. Neben Kollaborationen mit John Zorn, Laurie Anderson und Dave Douglas hat er darüber hinaus neun Alben als Bandleader eingespielt. So auch das Album „Broken Arm Trio“, für das er den Mr.-Bungle-Mitbegründer Trevor Dunn am Kontrabass und den erfindungsreichen Schlagzeuger Mike Sarin gewinnen konnte.


Friedlanders Pizzicato-Spiel ist einzigartig und mitreißend spannend zugleich. Das komplette Klangspektrum des Cellos ausreizend, tritt er in einen intensiven Dialog mit dem Kontrabassisten Dunn und dem Schlagzeuger Sarin. Das eingespielte Trio lässt seine vielfältigen Erfahrungen sowohl aus dem Bebop, Hardcore als auch Modern Creative Jazz in die Improvisationen einfließen, und gibt dem Jazz auch aufgrund der ungewöhnlichen Instrumentierung anregende Impulse. Gemeinsam lassen die Musiker den revolutionären Geist des Bebop wieder aufleben, ohne sich dabei in Nostalgie zu verlieren. Friedlanders Kompositionen sind von Pettifords musikalischen Visionen durchdrungen und sind mehr als eine Reminiszenz. Sie ermöglichen dem Cello, eine führende Rolle einzunehmen, ohne dass es gewollt oder aufgezwungen erscheint. Zugleich ist man überrascht darüber, wie harmonisch sich das Cello als Instrument in die Triobesetzung einfügt. Bezüglich des Pizzicato-Spiels und der klanglichen Nähe zum Kontrabass gibt es zwar Überschneidungs- und Berührungspunkte, aber gerade diese Konstellation macht es auch so spannend zu hören, wie die Musiker sich in ihrem Spiel ergänzen, inspirieren und gegenseitig antreiben. Erik Friedlanders Broken Arm Trio Projekt gibt darüber hinaus Anregungen, sich abseits vertrauter musikalischer Pfade zu bewegen. Allein die diversen musikalischen Projekte der einzelnen Musiker lohnen entdeckt zu werden, und nicht zuletzt die etwas in Vergessenheit geratene Jazzikone Oscar Pettiford.
Matthias SchneiderKonzerte:23/04/2009 - Uferhallen, Berlin (Erik Friedlander solo)
01/05/2009 - Mannheim (Erik Friedlander solo)
30/08/2009 - Saalfelden Jazz Festival, Autriche (Broken Arm Trio)
04/09/2009 - Paris (w/ John Zorn: Shir Hashirim)