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Sonntag, 6.12.09 um 19 Uhr - 04/12/09

Eröffnungskonzert der Salzburger Festspiele 2009

Nikolaus Harnoncourt in Salzburg


Die Wiener Philharmoniker spielen unter der musikalischen Leitung von Nikolaus Harnoncourt Werke von Franz Schubert, Anton Webern und Josef Strauß. Sehen Sie hier ein Interview, das Götz Alsmann anlässlich der Salzburger Festpiele mit Nikolaus Harnoncourt führte:



Auf den ersten Blick erscheint die Programmzusammenstellung des Eröffnungskonzerts der Salzburger Festspiele 2009 überraschend: Denn was soll Franz Schubert, Josef Strauß und ein Orchester-Arrangement von Anton Webern schon verbinden? Der „Wiener Dialekt“, sagt Nikolaus Harnoncourt, die ganz typische Musiksprache der Geburtsstadt der drei Komponisten.

Das Konzert beginnt mit Franz Schuberts Sechs Deutschen Tänzen von 1824. Entdeckt wurden sie allerdings erst 1931, Anton Webern schrieb ein kongeniales Orchester-Arrangement, in dem er Schuberts Musik so schlicht ließ, wie sie ist, und ihre Besonderheit, die Kreisläufigkeit, betont.

Josef Strauß war das schwarze Schaf der Komponisten-Familie Strauß. Vater und Brüder waren Musiker – er arbeitete auf dem Bau. Kapellmeister und Komponist wurde er nur, weil er für seinen Bruder, den Walzerkönig Johann, einspringen musste, nachdem der auf einer Konzertreise zusammengebrochen war. So fing er erst spät, mit 25 Jahren, an zu komponieren. Zu seinen schönsten Werken gehören der Delirien-Walzer und die beiden Polkas Frauenherz und Pêle-mêle.

Nach der Pause steht Franz Schuberts 8. Sinfonie auf dem Programm, die „Große C-Dur“. Schon rein äußerlich ist die Sinfonie sehr auffällig: Sie dauert eine Stunde – üblich war damals die Hälfte – und ihre vier Sätze sind ungefähr gleich lang. Nikolaus Harnoncourt nennt sie im Gespräch mit Götz Alsmann „eine der ungewöhnlichsten Sinfonien der ersten Jahrhunderthälfte“. Schubert erlebte ihre Uraufführung selbst nicht mehr, denn von der Wiener Gesellschaft der Musikfreunde wurde sie 1828 als zu lang und schwierig abgelehnt. Robert Schumann entdeckte sie zehn Jahre später, als er Schuberts Bruder Ferdinand in Wien besuchte, ihre Uraufführung fand 1839 im Leipziger Gewandhaus unter der Leitung von Felix Mendelssohn statt.



Nikolaus Harnoncourt

Vom Feindbild zur Ikone: Einst wurde Nikolaus Harnoncourt als Rebell beschimpft – heute ist er einer der angesehensten Dirigenten unserer Zeit. Ein Pionier, der durch seine Arbeitsweise Kollegen und Publikum eine völlig neue Sicht auf die Musik eröffnete. Seine Aufnahmen sind aber nicht nur musikalische Meilensteine, sondern auch Bestseller: Mit jeder seiner CD-Einspielungen beweist er, dass es nicht das Gewohnte ist, das sich gut verkauft, sondern das Außergewöhnliche.

Johann Nikolaus de la Fontaine Graf d’Harnoncourt-Unverzagt, 1929 in Berlin geboren, wuchs in Graz auf. Sein Studium an der Wiener Musikakademie schloss er mit vielen Auszeichnungen ab. Von 1952 bis 1969 war er unter der Leitung von Herbert von Karajan Cellist bei den Wiener Symphonikern. 1953 gründete er zusammen mit seiner Frau Alice Hoffelner den „Concentus Musicus Wien“. Das Ensemble spielt auf Originalinstrumenten in historischer Aufführungspraxis.

Vor allem im Rahmen von Opernproduktionen konnte Harnoncourt seine Erfahrungen in diesem Bereich auch „normalen“ Orchestern vermitteln. Die von ihm betriebene Suche nach dem Originalklang ist nach lang andauernden Anfeindungen heutzutage zu einer Selbstverständlichkeit im Musikbetrieb geworden. Eng verbunden ist er dem Amsterdamer Concertgebouw-Orchester und den Wiener Philharmonikern.

Nikolaus Harnoncourt ist mit zahlreichen Preisen und Auszeichnungen geehrt worden, darunter Grammy und ECHO Klassik, die Hans-von-Bülow-Medaille der Berliner Philharmoniker, der Ernst-von-Siemens-Musikpreis und der Kyoto-Preis.



Götz Alsmann

Götz Alsmann wurde in Münster geboren, wo er auch Musikwissenschaft studierte. Mit der 1989 gegründeten Götz Alsmann Band ist er als Entertainer auf Tournee. Er ist Gastgeber der ZDF-Sendung "Götz Alsmanns Nachtmusik", seit 2008 moderiert er zusammen mit Natalia Wörner auch die "ECHO Klassik"-Gala im ZDF, in der der wichtigste Klassikpreis der Musikszene vergeben wird. In der WDR-Show "Zimmer frei!", die 2000 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet wurde, bietet er seit inzwischen 13 Jahren gemeinsam mit Christine Westermann Prominenten ein Zuhause an.

Auf der Bühne war Götz Alsmann unter anderem in Jacques Offenbachs "Orpheus in der Unterwelt" und "Die Großherzogin von Gerolstein" zu sehen. Er hat mehrere Hörbücher aufgenommen, zuletzt "Der Hund von Baskerville". Im WDR-Radio läuft seine Sendung "Go, Götz, Go!", die er gelegentlich auch mit Aufnahmen aus seiner eigenen, umfangreichen Platten-Sammlung bestückt. "Engel und Teufel" heißt das neue Bühnenprogramm, das er aktuell seinem begeisterten Publikum präsentiert.

Als promovierter Musikwissenschaftler kennt er sich bestens in der Welt der Klassik aus. So eröffnen sich im Gespräch mit Nikolaus Harnoncourt immer wieder neue Perspektiven und überraschende Einsichten.



Zwei Unangepasste im Gespräch

Mit Nikolaus Harnoncourt und Götz Alsmann treffen sich zwei Querdenker zum Gespräch. Harnoncourt sorgte mit seiner konsequenten Suche nach dem Originalklang in den 50er und 60er Jahren für Aufregung und Empörung in der Klassikwelt. Alsmann, der promovierte Musikwissenschaftler und erfolgreiche Entertainer, ist in der Welt der Klassik genauso zu Hause wie in der Unterhaltung und kennt keine Grenzen zwischen E und U.

So entspinnt sich ein lebendiges Gespräch über Franz Schuberts Wiener Dialekt und Johannes Brahms’ erdrückende Liebe. Man erfährt, warum sich Sicherheit und Schönheit in der Musik ausschließen und dass es keine Verbesserung ohne gleichzeitige Verschlechterung geben kann. Ein Dialog voller Überraschungen und neuer Blickwinkel!

Erstellt: 20-07-09
Letzte Änderung: 04-12-09


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