Schriftgröße: + -
Home > Film erleben > DVD-News > DVD-News Oktober-2006 > Erwin Leiser Kollektion

DVD-News

Die ARTE DVD-Empfehlungen im Überblick

DVD-News

DVD-News - 25/10/06

Erwin Leiser Kollektion

Dokumentarfilme
gegen das Vergessen

Weitere Artikel zum Thema

Externe Links


  • Synopsis

Jeder der Filme von Erwin Leiser beschäftigt sich direkt oder indirekt mit dem deutschen Nationalsozialismus. Mit seinen Filmen, von denen nun vier als Kollektion erschienen sind kämpft er an gegen das Vergessen, das Verdrängen und das Verleugnen.


  • Kritik

In Pimpf war jeder stellt Leiser seinen Mitschülern des Abiturjahrgangs 1940 Fragen zu der gemeinsamen Vergangenheit. Keiner von ihnen kann sich etwa erinnern, dass die drei jüdischen Mitschüler des Berliner Gymnasiums „Zum Grauen Kloster“ je Probleme gehabt hätten. Diese erinnern sich an ganz andere Vorfälle. Sie fühlten sich von ihren Mitschülern sehr wohl belästigt, beschimpft und benachteiligt. Leisers Vater hatte ein gut gehendes Notariat in Hohenschönhausen. Nach der Machtergreifung Hitlers blieben die Klienten aus. Erwin Leiser erinnert sich: „Wir waren von einem Tag auf den anderen unsichtbar.“ Keiner seiner ehemaligen Klassenkameraden fragte ihn, wie er die Zeit nach 1938 verbracht hat.

In Im Zeichen des Feuers - Elie Wiesel porträtiert Leiser seinen langjährigen Freund Elie Wiesel. Martin Walser schrieb 1962 im Vorwort zu dessen Buch „Die Nacht zu begraben, Elischa“: „Scheiternde Versuche des überlebenden Opfers. Schmerz, Scham, Schuldgefühl machen es dem Opfer unmöglich, nach Herzenslust Brot zu essen und im Winter warmes Schuhwerk zu tragen.“ Im Zeichen des Feuers - Elie Wiesel ist ein einfühlsames Porträt eines Überlebenden, in dem auch Bilder der Befreiung des KZ Buchenwalds durch die Amerikaner von Bedeutung sind.

Der 50. Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz diente Leiser zum Anlass, den Film Zehn Brüder sind wir gewesen zu drehen. Erneut ein Film gegen das Vergessen. Elie Wiesel hält eine Rede. „Nicht alle Opfer waren Juden, aber alle Juden waren Opfer,“ sagt er zu Beginn. Leiser hat für diesen Film in vielen Archiven gesucht und Filmmaterial gefunden, was so vielleicht noch nie gezeigt wurde.

Die Feuerprobe – Novemberprogramm 1938 widmet sich der „Kristallnacht“, oder wie Leiser es passender findet, dem Novemberpogrom. Pogrom ist eine russische Bezeichnung, die schon seit jeher eine in besonderem Maße brutale Judenverfolgung beschrieb. „Im Mittelalter bedeutete Feuerprobe, dass man seine Hand ins Feuer legen musste, um seine Unschuld zu beweisen. Meiner Ansicht nach hat die Mehrheit der nicht-jüdischen Deutschen im November 1938 die Feuerprobe nicht bestanden,“ ist Leiser überzeugt.

Leisers Filme sind direkt aufgebaut, es gibt Interviews, Archivaufnahmen, keinerlei Schnörkeleien. Sie zielen direkt auf Aufklärung und auf Erinnerung des Schrecklichen. Leiser weiß: „Nur Täter leisten es sich zu vergessen.“ Seine Filme sind wichtige Momente im Kampf gegen das Vergessen.

Nana A.T. Rebhan



Erwin Leiser Kollektion
Pimpf war jeder (Deutschland 1992, 130 Min.)
Im Zeichen des Feuers - Elie Wiesel (Deutschland 1986, 45 Min.)
Zehn Brüder sind wir gewesen (Deutschland 1995, 58 Min.)
Die Feuerprobe – Novemberprogramm 1938 (Deutschland 1988)

Erstellt: 24-10-06
Letzte Änderung: 25-10-06