
Hohe Auflösung / Niedrige Auflösung Für die jungen Polen in der Hafenstadt Sczezcin (Stettin) sind, wie für die große Mehrheit ihrer Landsleute, die Begriffe Nation und Katholizismus eng miteinander verknüpft – auch wenn sie institutionell nichts miteinander zu tun haben. Pater Wojcieh Giertych, Dominikaner, polnischer Theologe und Mitglied der päpstlichen Kongregation, erklärte im Mai 2006 vor dem Besuch von Papst Benedikt XVI. in Polen in der französischen katholischen Zeitung La Croix diese Verquickung mit der Last der Geschichte: „In den beiden hinter uns liegenden Jahrhunderten war es nicht allein die Kirche, die verfolgt wurde, sondern es waren die Nation und die Kirche, und das individuelle Schicksal jedes Einzelnen wurde bestimmt von der Lage, in der sich Politik und Kirche in Polen befanden. Seit dem 18. Jahrhundert und bis in die fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts hinein hat das Land alle dreißig Jahre einen Aufstand oder einen Krieg erlebt, der immer in Tod, Emigration oder Verbannung der führenden Köpfe der Politik oder Kirche bis nach Sibirien endete. Als die Gewerkschaft Solidarnosc aufkam, dachten viele, es würde wieder so enden, so sehr hatte sich die historische Erfahrung in das kollektive Gedächtnis eingegraben. Die Kirche stand immer schon auf der Seite des Volkes, und die Polen sind ihr sehr stark verbunden. […] diese traditionelle Verbundenheit mit ihrer Kultur hilft den Polen, ihren Glauben zu leben.“. So gibt es kirchliche Feste, die gleichzeitig nationale Feiertage sind, und so sit es möglich, dass die Muttergottes Maria gleichermaßen Schutzpatronin der Armee, der Nation und des gesamten Landes ist. Angesichts dessen könnte fast in Vergessenheit geraten, dass es in Polen auch religiöse Minderheiten gibt, die in der Reportage von einer Frau repräsentiert werden, Tamara Schabanovitz, die der muslimischen Gemeinde von Gdansk (Danzig) vorsteht, ohne selbst den Titel eines Imam zu führen.
Die Anhänger des Laizismus in Polen haben unter diesen Umständen gelegentlich das Gefühl, unter der drückenden Macht der katholischen Ideologie zu ersticken. Für die Philosophin Barbara Stanosz, hat „die katholische Religion die Rolle eines ‘wissenschaftlichen Weltbildes’ eingenommen – mit allen Nachteilen, die daraus entstehen: dem Kult um Autoritäten und ideologische Führer, den Methoden der Indoktrination […] und der Diskriminierung derjenigen, die dieser Ideologie ablehnend gegenüber stehen. Letztere fallen heutzutage zwar immer seltener der Repression durch die Polizeiorgane anheim, doch sie werden als unangepasst disqualifiziert und bekommen mit ganz ähnlichen Konsequenzen den Bann der Gesellschaft zu spüren.“
Auszug aus einem Artikel der polnischen Zeitung Przeglad vom 11. September 2006, der am 12. September 2006 auf der Website der Zeitschrift Courrier international in der Rubrik „Eurotopics“ wiedergegeben wurde.
Reportage von Sindbad Iksel, Philippe Perchoc und Ryad Fagoul






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