Hannah Arendt, geboren 1906 in Hannover, eine jüdische Publizistin und Gelehrte, ist eine der ersten, die frühzeitig bemerkte, dass das nationalsozialistische Regime wieder in den Krieg führen wird und dass es aktiv zu bekämpfen sei. Sie steht damit im Gegensatz zu vielen gebildeten Deutschen, teilweise sogar mit jüdischem Hintergrund, die sich mit dem Nationalsozialismus arrangieren wollten. In ihren bis heute prägenden Schriften kreist Arendt um ein Konzept von „Pluralität“ im politischen Raum: Demnach besteht zwischen Menschen eine potentielle Freiheit und Gleichheit in der Politik, die verlangt, regelmäßig die Perspektive des anderen einzunehmen. Diese Einstellung wird erst später als wirksam und wertvoll erkannt und immer wieder aufgegriffen werden, um bei der erneuten Annäherung der europäischen Nationen zu helfen.
Aber nicht nur weltweit, auch innerhalb der Nationen wird gekämpft. So tobt der Spanische Bürgerkrieg von 1936 -39. Einer seiner bedeutendsten Politikerinnen ist Dolores Ibárruri Gómez, geboren 1895 und genannt „La Pasionaria“. Die kämpferische Frau aus einfachsten Verhältnissen und ohne Bildungshintergrund wird eine der wichtigsten Sprecherinnen der Kommunistischen Partei (PCE). Sie ist eine begnadete Rednerin, die Menschen mitreißen kann. Ibárruri gilt als überzeugte Stalinistin, setzt sich aber ebenso leidenschaftlich für die Verbesserung der Frauenrechte ein. Sie wird von den spanischen Behörden verfolgt und mehrmals verhaftet. Von ihr stammt der viel zitierte Satz: "Lieber stehend sterben, als auf Knien leben".
Die Weltgeltung der europäischen Mächte ist durch die zahlreichen Kriege verspielt, Amerika wird an ihre Stelle treten. Dennoch gehen in Europa - auch mit US-Hilfe - die Lichter langsam wieder an. Der Eiserne Vorhang, der den Kontinent seit Ende des Zweiten Weltkrieges trennte, fällt und die Nationen nähern sich einander wieder. Eine bedeutende Rolle dabei spielt Jean Monnet, geboren 1888 in Cognac. Er gilt als einer der Gründerväter der Europäischen Gemeinschaft und wird als "Vater Europas" bezeichnet. Vor seiner politischen Karriere in Frankreich vollzog er eine beeindruckende und internationale Wirtschaftskarriere: Am bekanntesten wurde er als der Architekt, der die Pläne zum Zusammenschluss der westeuropäischen Schwerindustrie verwirklichte. Er avancierte er zu einem der einflussreichsten Wirtschaftslenker Europas.

(20. Jahrhundert)
Folge 6 der 6-teiligen Geschichtsreihe „Wir Europäer!“
WDR/ORF/MDR/arte
Produktion: TAG/TRAUM, Köln
in Co-Produktion mit Fischerfilm, Wien

Europa besteht nun aus vielen neuen Nationen auf der Basis demokratischerer Verfassungen und hat sich auf Grundlage typisch europäischer Errungenschaften, die im Verlauf gemeinsamer Geschichte entstanden sind, abermals erfunden. Am Ende der Epoche scheint der alte Kontinent wie Phoenix aus der Asche wieder auferstanden zu sein.
Die sechste und letzte Folge der Reihe resümiert, was das 20. Jahrhundert aus den europäischen Errungenschaften, die in den fünf vorangegangenen Folgen vorgestellt wurden, gemacht hat:
- Was ist aus dem Individualismus geworden? Wie Mündigkeit und freier Geist (die Grundwerte moderner europäischer Identität) verschwinden und ihre Bedeutung zurück erlangen (Europa beginnt zu denken, Folge 1).
- Was wird aus dem Kapitalismus? Wie der Kommunismus dagegen gesetzt und wieder überwunden wird (Europa erfindet den Kapitalismus, Folge 2).
- Was ist aus den Ideen von Frieden und Freiheit geworden? Wie sie gänzlich verloren gehen und neu gewonnen werden (Europa erringt den Frieden, Folge 3 und Europa erkämpft die Freiheit, Folge 4).
- Was hat sich die Idee von Nation und Volkssouveränität entwickelt? Wie sie zerstört und wieder entdeckt wird (Europa entdeckt die Nation, Folge 5).







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