Im Dreißigjährigen Krieg geht es darum, den Gegner komplett zu vernichten. Wer den falschen Glauben hat, verliert seine Existenzberechtigung. Das ist eine neue Art von absolutem Krieg. Bisherige Auseinandersetzungen wollten erobern, Beute machen und unterwerfen, aber nicht auslöschen.
Glücklicherweise gibt es jedoch auch zwischen den extremen Fronten ausgleichende Vertreter, - mutige Helden, die oft hart bestraft werden. So ist Melchior Kardinal Khlesl, geboren 1552 in Wien, Bischof von Wien, zuerst ein heftiger Vertreter der Gegenreformation, später setzt er sich für den Dialog zwischen den Konfessionen ein. Während er zu Beginn seiner Laufbahn noch darauf bestand, dass das Kollegium der Wiener Universität nur noch aus Katholiken bestehen durfte - jeder Student musste das katholische Glaubensbekenntnis ablegen - setzt er seine Rednerfähigkeiten gegen Ende des 16. Jahrhunderts für politische Ziele ein. Er beginnt, sich für eine Ausgleichspolitik zwischen den Konfessionen stark zu machen und bietet protestantischen Fürsten Zugeständnisse. Dies stößt auf Verwirrung und Anfeindung. Khlesl wird verhaftet und verbringt mehrere Jahre in Gefangenschaft bzw. im Exil. Bis heute fragen sich Historiker, ob er den 30jährigen Krieg hätte verhindern können, wäre er nicht verhaftet worden.
Der Krieg der Konfessionen treibt immer mehr Menschen wegen des wachsenden Elends in die Söldnerheere. So auch Peter Hagendorf, der als Söldner im Dreißigjährigen Krieg Opfer der Umstände wird: Durch seinen Beruf trägt er zum Fortbestehen des Krieges bei und nimmt dessen Gräuel als gegeben hin. Peter Hagendorf hinterlässt ein umfangreiches Tagebuch. Auf 192 Seiten schildert er nüchtern seine Grenzerfahrungen zwischen Leben und Tod. Während des Krieges sterben sieben seiner Kinder und seine erste Frau.
Der Dreißigjährige Krieg wird so grausam und aussichtslos, dass sich Europa eindringlich nach Frieden sehnt. 1648 kommen schließlich die europäischen Mächte zu einem einmaligen Friedenskongress in Münster und Osnabrück zusammen. Der Westfälische Frieden von Münster bereitet nicht nur dem Abschlachten aus religiösen Gründen ein Ende, er setzt auch Maßstäbe für spätere Friedensverhandlungen und ein toleranteres Miteinander in Europa. Nach ihm wird es keine großen Konfessionskriege mehr in Europa geben und die Macht des Papstes wird erheblich eingeschränkt.
Auch Fabio Chigi, geboren 1599 in Siena, setzt sich stark für den Frieden ein - obwohl es ihn innerlich spaltet, denn mit dem Frieden wird sich auch seine Macht als Papst (1655 bis 1667 Alexander VII.) verringern. Dennoch kämpft Fabio Chigi gegen den Krieg, gegen die kleinteiligen Territorialforderungen der jeweiligen Gesandten – und schließlich auch gegen den Machtverlust des Papstes. Er macht sich einerseits als Vermittler während der Friedensverhandlungen verdient, kann andererseits aber schließlich dem ausgehandelten Frieden nicht zustimmen, da er dem Papsttum verpflichtet bleibt.

(17. Jahrhundert)
Folge 3 der 6-teiligen Geschichtsreihe „Wir Europäer!“
WDR/ORF/MDR/arte
Produktion: TAG/TRAUM, Köln
in Co-Produktion mit Fischerfilm, Wien

Gab es bisher Frieden nur durch den Sieg des Stärkeren, also durch Gewalt, treten im 17. Jahrhundert Verhandlungen und Diplomatie als Möglichkeit auf. Die Idee des Vertrages wirkt grundlegend für das europäische Völkerrecht.







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