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08/11/04

Europäische Visionen

25 Filme von 25 Regisseure...


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Synopsis: Am Anfang stand eine Idee: 25 Regisseure aus den Ländern der erweiterten EU sollten je einen Kurzfilm drehen und darin einen ganz persönlichen Blick auf das gegenwärtige oder künftige Leben in Europa richten.
 
Ein Film von
1. Jan Troell – Schweden
2. Christoffer Boe – Dänemark
3. Laila Pakalnina – Lettland
4. Fatih Akin – Deutschland
5. Teresa Villaverde – Portugal
6. Martin Sulik – Slowakei
7. Francesca Comencini – Italien
8. Sharunas Bartas – Litauen
9. Constantine Giannaris – Griechenland
10. Béla Tarr – Ungarn
11. Aisling Walsh – Irland
12. Malgorzata Szumowska – Polen
13. Tony Gatlif – Frankreich
14. Theo Van Gogh – Niederlande
15. Christos Georgiou – Zypern
16. Peter Greenaway – Großbritannien
17. Arvo Iho – Estland
18. Barbara Albert – Österreich
19. Kenneth Scicluna – Malta
20. Stijn Coninx – Belgien
21. Andy Bausch – Luxemburg
22. Damjan Kozole – Slowenien
23. Sasa Gedeon – Tschechische Republik
24. Aki Kaurismäki – Finnland
25. Miguel Hermoso – Spanien
 
Die Kritik zum Fim: Lars von Trier hatte wieder einmal eine gute Idee: zur EU-Erweiterung schlug er vor, daß jedes Land Europas, einen Beitrag für ein gemeinsames europäisches Kurzfilmprojekt abliefern sollte. 25 Regisseure aus 25 Ländern machten sich an die Arbeit. Inhaltlich gab es keinerlei Beschränkungen, formal schon: jeder Film sollte 5 Minuten lang sein, und jeder hatte das gleiche Budget zur Verfügung. Das Ergebnis ist nicht sonderlich überraschend, einige herausragende Filme wechseln sich mit halbwegs interessanten oder gar langweiligen oder nichtssagenden Beiträgen ab. Gleich vier Filme beschäftigen sich mit illegalen Einwanderern, gegen die sich Europa abgrenzt. Die portugiesische Regisseurin Teresa Villaverde beobachtet dokumentarisch mit DV-Handkamera an der Küste Patrouillen, die illegale Einwanderer aus dem Wasser fischen; manchmal sind diese bereits tot.
 
Der französische Beitrag von Tony Gatlif widmet sich dem gleichen Thema. Einige illegale Immigranten versuchen im nächtlichen Paris unentdeckt zu bleiben. Einer hat eine lebensbedrohliche Verletzung, aber in ein Krankenhaus kann er nicht gehen. Als Soundtrack ist ein melancholischer französischer Chanson zu hören, der die die Vorzüge der Seinestadt lobt und preist. Aisling Walsh lässt einen Schauspieler auf eindringliche Weise ein Pamphlet über die Behandlung der Asylsuchenden durch die EU vortragen, die wie Menschen zweiter oder gar dritter Klasse behandelt werden. 

Barbara Albert beschreibt in ihrem österreichischen Beitrag den Alltag einer gelangweilten Sekretärin, die für das Asylbewerberamt arbeitet, und dabei bereits völlig abgestumpft ist. Sie ist nicht mehr in der Lage, das Leid anderer Menschen zu erkennen.
 
Ein Highlight der DVD ist der britische Beitrag von Peter Greenaway: Er schickt nackte Menschen verschiedener EU-Nationalitäten unter eine gemeinsame riesige Dusche. Jeder von ihnen hat seine eigene Flagge groß auf die Haut gemalt bekommen und langsam wäscht sich die Farbe beim Bad in der Menge ab. Wunderbar symbolisch und gleichzeitig körperlich ist dieser kurze Film.
 
In „Die bösen alten Lieder“ lässt Fatih Akin als deutschen Beitrag eine Sängerin eine neue Version eines alten Schumannliedes singen, bearbeitet von FM Einheit und Caspar Brötzmann. Visuell interessant, inhaltlich irritierend.  Sehr originell ist der belgische Kurzfilm, der eine Mann und eine Frau auf die Strassen Brüssels schickt. Dort stellen sie sich permanent Fragen, von „Wie hält sich der Hirsch fit?“ bis „“Schätzen sie die Breite des Lächelns eines Asylanten und teilen Sie es durch die Kilometer, die er gekommen ist“. Am Ende des Films imitiert der junge Mann einen Hirsch und fotografiert sich dabei mit Selbstauslöser.
 
Aki Kaurismäki aus Finnland darf nicht fehlen. Er porträtiert ein portugiesisches Bergdorf, in dem absolut nichts passiert. Was das soll? Keine Ahnung. Béla Tarr schließlich zeigt eine lange Schlange geduldig wartender Obdachloser vor der Essensausgabe. Die gleichmässige Kamera (Ronny Müller) schreitet langsam ihre Gesichter ab. Diese erzählen mehr, als es Dialoge gekonnt hätten. Der Abspann nennt alle (!) Namen der ca. 100 Wartenden.
 
Insgesamt ist die DVD der Kurzfilme sehr sehenswert, auch wenn es schade ist, dass im Bonus Teil nur Kurzbio- und Filmografien zu finden sind. Ein Kommentar zur Idee dieser Kompilation von Lars Trier bespielsweise wäre aufschlussreich gewesen. Ebenfalls interessant wären an dieser Stelle Produktionsnotizen, viele Fragen bleiben offen: Wie kam die Auswahl der Regisseure zustande? Durch Lars von Trier? Durch das jeweilige Land? Wie groß war das Budget?
 
Nana A.T. Rebhan
 
 
 
Sprache:
25 Originalsprachen der unten gelisteten 25 Länder,
deutsche oder englische Untertitel

Extras:
Bio-/Filmografie der 25 Regisseure mit FotoEuropa 2004, 25x 5 Min.

Erstellt: 08-11-04
Letzte Änderung: 08-11-04