Kritik: Marcel Schwierin buddelte sich durch mehrere Dutzend Spielfilme, Dokumentarfilme und Wochenschauen der Zeit des Dritten Reiches. Akribische Fleißarbeit war angesagt, um das zu finden, was er suchte. Sein Filmessay ist eine geschickte Montage von gefundenem Originalmaterial, das er in eine systematische Form gebracht hat. In zwölf Kapiteln unterteilt erklärt er – mit Hilfe eines Kommentars aus dem Off - dem Zuschauer die Faszination der Ästhetik des Nationalsozialismus.
Schwierin beginnt mit Filmen der Angst, die nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg symptomatisch für ein Volk sind, dessen Arbeitslosenquote sehr hoch ist, und das Angst vor der Zukunft hat. Die Herrscher aus dem Dunkel sind unheimlich. Das Cabinett des Dr. Calligari (Robert Wiene, 1919), Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens (Fritz Lang, 1922) und Dr. Mabuse (Fritz Murnau, 1922) leihen den Ängsten der Bevölkerung ihr Gesicht. Das Dritte Reich soll nach den Nationalsozialisten die Schönste aller Welten werden. So geben sich die Künstler der Zeit größte Mühe, einen heroischen und schönen Menschen zu schaffen. Die Parteitage sind dabei die wichtigste Inszenierungsplattform. Schwierin erklärt im Off-Kommentar und untermalt mit vielen Ausschnitten des Parteitages, wie diese Inszenierungen funktionierten. Wesentlich für die Ästhetik verantwortlich waren der Architekt Albert Speer, der mit seinen monumentalen Bauten den nötigen Raum schuf. Leni Riefenstahl kreierte durch ihre Motive und vor allem durch die Wahl der Perspektiven das filmische Bild eines heroischen Menschen. Mit einem riesigen Kamerateam konnte sie Totalen, Nahaufnahmen und Fahrten zusammenschneiden, als handele es sich dabei um einen Spielfilm.
In Kapiteln wie ‚Der Körper’, ‚Schönheit der Arbeit’, ‚Blut und Boden’ und ‚Die Volksgemeinschaft’ fasst Schwierin seine Erkenntnisse zusammen. Besonders erschreckend ist das Kapitel ‚Der Tod’, in dem Schwierin eine immer wiederkehrende Allegorie der Nationalsozialisten aufgreift: „Arische Helden sind tote Helden. Ihre Größe liegt nicht in ihrem Sieg, sondern in ihrem Opfer.’ So musste die blonde arische Schauspielerin Christina Söderbaum in fast allen ihren Filmen sterben - oft als Wasserleiche. Auch der erste Marathonläufer starb den Opfertod der Erschöpfung und nach Ansicht von Schwierin steht deshalb nicht von ungefähr der Marathonläufer am Ende von Leni Riefenstahls pompösen Film Olympia (1938).
Die Visionen des Nationalsozialismus konnten im realen Leben selbstverständlich nicht bestehen. So blieb ihnen nur der inszenierte heroische Untergang. Schwierin gelingt es in seinem interessanten Essay, systematisch die Faktoren der Inszenierung und der Faszination der Ästhetik der Nationalsozialisten nachvollziehbar zu machen. Der Regisseur stellt ein Nachwort von Nietzsche hinter seinen Film, das auch diese Kritik beenden soll: „...und wenn Du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in Dich hinein.“
Nana A.T. Rebhan
- Ewige Schönheit
Buch und Regie: Marcel Schwierin






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