(Frankreich, 2004, 1 Std. 43 Min.)
mit Romain Duris, Lubna Azabal, Leïla Makhlouf
Offizielle Auswahl – Wettbewerb
Kritik: Der bedrückende Eingangsmonolog Roman Duris’ im Angesicht des Pariser Autobahnrings weist bereits auf das kühne Unterfangen des neuen Films von Tony Gatlif hin: Es sollen die zu Wort kommen, die im Unrecht sind, die Fehler machen. Während der beschwerlichen und planlosen Reise seiner beiden Protagonisten „verstößt“ der Regisseur gegen eine ganze Reihe von Konventionen, angefangen bei dem, was man für gewöhnlich unter Reisefilm versteht: Nicht das Schöne, das Erholsame steht im Mittelpunkt, sondern die Dokumentation des harten Schicksals von Exilanten oder illegalen Einwanderern. Eine ständig schwelende Unkonventionalität kennzeichnet auch die Inszenierung und vor allem den Schnitt: In dieser besonderen Ästhetik vereinen sich die Härte der Lebensumstände mit den seltenen und flüchtigen Momenten des Glücks und der Emotionen.
Je näher Zano und Naïma ihrem Ziel Algerien kommen, wo sie nach ihren Erinnerungen und ihrer Identität suchen, desto stärker zerfallen die traditionellen Erzählstrukturen und machen einer Orgie aus Tanz und Gesten Platz. Diese anarchistische Ekstase hat jedoch nichts von einem psychedelischen Trip, mit dem die zunehmend orientierungslose Reise symbolisiert werden könnte. Sie ist vielmehr die Voraussetzung für das Aufbrechen der mentalen und gesellschaftlichen Fesseln der Protagonisten, das ihnen eine Art Befreiung ermöglicht und schließlich mit eruptiver Wucht in einer unglaublichen Trance-Szene mündet, wo endlich alle Hindernisse überwunden werden. Das Unbequeme ist ein Leitmotiv dieses Films, doch gerade dadurch wird uns der unbändige Emanzipationsprozess seiner Helden in einer Weise nahegebracht, wie es nur wenigen anderen Filmen gelingt.
Julien Welter






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