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Experiment Wissen: Montags 04. Juni, um 22.15 Uhr - 04/06/07

"Expedition ins Gehirn" (2)

Zweiter Teil: Der Einstein-Effekt


Matt Savage war ein seltsames Kind. Bis er vier Jahre alt war, durfte nicht einmal seine Mutter ihn anfassen. Beim kleinsten Geräusch bekam er Schreikrämpfe. Matts Eltern bekamen vom Kinderarzt die Diagnose, Matt sei Autist. Man müsse sich mit schweren Fehlschaltungen seines Gehirns abfinden, die zu extremen Verhaltensweisen führen. Zwei Jahre später brachte sich Matt mehr oder weniger über Nacht das Klavierspielen bei. Mit sieben Jahren begann er Jazz zu komponieren. Im selben Jahr erschien seine erste CD mit eigenen Kompositionen. Am Tage vor seinem 13. Geburtstag trat er in New Yorks berühmtestem Jazzclub auf, dem "Birdland". Jazzlegenden wie Chick Corea nennen ihn ein Jahrhunderttalent. "Aber woher", fragt Dr. Darold Treffert, ausgezeichnet als einer der 100 besten Ärzte der USA und weltweit bedeutendster "Savant"-Spezialist, "nimmt Matt Savage sein Wissen über Musik? Gibt es einen musikalischen Chip im Gehirn, auf dem alles schon vorgespeichert ist? Und wir haben nur normalerweise keinen Zugang dazu? Wie kann Matt all das über Musik wissen, wenn er es nie gelernt hat?"

Nicht weniger verblüffend sind die Künste von Stephen Wiltshire. Der Londoner, ebenfalls als autistisches Kind diagnostiziert, fliegt für "Expedition ins Gehirn" knapp 45 Minuten lang mit einem Helikopter über Rom. Anschließend zeichnet er aus dem Gedächtnis ein fünf Meter langes, detailgetreues Luftbild-Panorama der ewigen Stadt. Stephen ist ein Zeichen-Savant, dem ein ähnliches Kunststück schon in seiner Heimatstadt London gelang. Der Dubliner Hirnforscher Prof. Michael Fitzgerald vertritt die Theorie, dass herausragende Kreativität sehr häufig mit den Fehlschaltungen von Autisten zusammengeht. Einstein, Newton, Mozart und Beethoven, so sagt Fitzgerald, seien extreme Begabungen gewesen, weil ihre Gehirne falsch verkabelt waren. An der Universität Sydney versucht Prof. Alan Snyder, bei Versuchspersonen Teile des Hirns zeitweilig zu lähmen, um aus ihnen eine größere Kreativität herauszuholen: "Faszinierend", sagt Snyder, "dass man Teile unseres Gehirn abschalten muss, damit unsere schöpferischen Kräfte sich entfalten können." Doch Snyders Experimente sind höchst umstritten.
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"Expedition ins Gehirn"
3-teilige Dokumenationsreihe von Petra Höfer und Freddie Röckenhaus
Dokumentation, Deutschland / USA / Australien 2005, RB
Regie: Petra Höfer, Freddie Röckenhaus
Wiederholungen : 08.06.2007 um 15:10

Erstellt: 22-05-07
Letzte Änderung: 04-06-07