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Eine Reportage von Erwan Chaffiot - 23/10/09

Fanfilme

Fan-Filmer sind ihren Popkultur-Helden mit Haut und Haaren verfallen und bauen bei Bedarf jede Studentenbude zum Studio um. Nach dem Motto „Einfallsreichtum statt Knete“ greifen sie zur Kamera und überschwemmen mit ihren Do it yourself-Streifen den Cyberspace.

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Ob Krieg der Sterne, Raumschiff Enterprise oder die Marvel-Comichelden, es zählt nur eins: maximale Wirkung bei minimalem Budget erreichen und dabei dem recycelten Stoff seinen ganz persönlichen Stempel aufdrücken. Urheberrecht? Was ist das?

HARDWARE WARS

Dank Internet zieht der Fan-Film heute weite Kreise. Entstanden ist das Genre aber bereits vor über 30 Jahren. Hardware Wars parodiert 1977 den Kinohit Krieg der Sterne. Spezialeffekte sind längst nicht mehr nur George Lucas vorbehalten. Das beweisen französische Regisseure wie David Sarrio, der sich auf das Fan-Film-Genre spezialisiert hat. Seine als Trailer konzipierte Version von Hulk mit dem Titel “Gamma Project“ von 2003 zeigt, was Selfmade-Regisseure drauf haben.

ROBOCOP VS PREDATOR

In Fan-Filmen sind die wildesten Träume nur einen Mausklick entfernt. Für Julien Dumont und sein Team aus Lyon heißt das: Robocop versus Predator, das Duell zwischen Cyborg-Bulle und High-Tech-Alien. An der Umsetzung arbeiten sie seit zwei Jahren mit einem very low Budget von 2.000 Euro. Ihre Geheimwaffen sind voller Einsatz und Improvisationstalent. 1987 mutiert Schauspieler Peter Weller zum bionischen Bullen. In Julien Dumonts Version übernimmt das Sandrine, alias Murphy 38. Murphy, wie der Cop aus Paul Verhoevens Film, und 38, wie die Anzahl der Kugeln, die er abbekommt, bevor er als Cyber-Polizist wieder aufersteht. Sandrine ist ein so eingefleischter Robocop-Fan, dass sie sich ihre Rüstung bei einem amerikanischen Spezialisten bestellt hat.

KAYDARA

1999 startet mit „The Matrix“ die Paranoia-Trilogie der Gebrüder Wachowski. Die komplexe, labyrinthartige Philosophie und aufwändige Effekte prägen eine ganze Generation von Videospiel-Junkies. Raphaël Herdandez und Savitri Joly-Gonfard aus den französischen Alpen haben sich gegen die Skiausrüstung und für die DigiCam entschieden. Ihr monumentales Werk heißt Kaydara, dauert 50 Minuten und ist ein Remake der Wachowski-Saga : „Wir wollten den Film nach dem Hollywood-Konzept aufziehen, das heißt, alle Techniken werden miteinander kombiniert. Modelle, 3D-Animationen und Realfilmbilder werden vermischt, um möglichst komplexe und realistisch wirkende Sequenzen zu erzeugen“, sagt Raphaël. Unsere Geißenpeter, beide noch keine 30 Jahre alt, richten das erste alpine Filmstudio Frankreichs ein. Beim Dreh von Kaydara machen Savitri und Raphael die Jobs einer hundertköpfigen Special Effects-Crew. Die PCs der Autodidakten laufen monatelang nonstop, nur um die Effekte einer einzigen Einstellung zu berechnen.
Seit über sechs Jahren leben die beiden Nachwuchs-James Camerons ohne jegliches Einkommen in ihrer eigenen Welt : „Sozial haben wir uns völlig isoliert. Weil wir nichts anderes nebenher machen können. Nicht, weil wir keine Zeit haben - die könnten wir uns theoretisch nehmen… Finanziell geht einfach gar nichts mehr. Wir leben nur für unseren Film. Das macht uns nichts aus, das ist es uns wert“. Kost und Logis übernehmen Mama und Papa. Mit etwas Glück sorgt ihr Matrix-Streifen für so viel Wirbel im Internet, dass ein Hollywood-Studio auf sie aufmerksam wird. Wäre nicht das erste Mal.

ASHES TO ASHES

Batman geistert durch die französische Touraine. Samuel Bodin und Julien Mokrani haben sich neue Abenteuer für den Superhelden ausgedacht. Ihr Film “Ashes to Ashes“ entführt die Supermaus in ein Gotham City der 30er Jahre, in dem die Weltwirtschaftskrise tobt. Graphisch orientieren sich die Cineasten am Film Sin City und dem Comic Hellboy. Die Kreatur der Nacht könnte glatt der Sohn von Murnaus Nosferatu sein. Und das bei einem Budget von 15.000 Euro. Samuel Bodin: „Ich liebe Comics, und je mehr du liest, desto klarer wird dir, dass eine Art Mythologie dahintersteckt. Weitverzweigte Geschichten, in die jeder etwas hineininterpretiert und damit die Mythologie erweitert. Wir haben bitterböse Mails bekommen – was ich sehr lustig fand - in denen es um die Frage ging: „Warum trägt euer Bruce Wayne einen Bart?“ Die Antwort ist: „Weil er ein Mann ist, und da sprießt es eben!“

Video

Trailer zu Kaydara



Ashes to Ashes in voller Länge


Bonus video


Ein Besuch in der Wohnung von Robocop-Fan "Murphy 38" (Robocop vs Predator):


Links


Hardware Wars

Return of the Ghostbusters

David Sarrio

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Samstag 24. Oktober 2009 um 03.00 Uhr
Keine Wiederholungen
(Frankreich, 2009, 52mn)
ARTE F

Erstellt: 21-10-09
Letzte Änderung: 23-10-09


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