Fünf Tage nach einer größeren Bauch-Operation wieder zu Hause zu sein - das ist die eindrucksvollste Leistung der Fast Track Methode aus der Sicht des Patienten. Viele Menschen allerdings werden misstrauisch, wenn sie diese Angaben hören, glauben an eine böse Falle im Zuge der Gesundheitsreform. Sie befürchten Geldsparen auf Kosten der Gesundheit. Die Elemente von Fast Track:
- Gründliche Aufklärung des Patienten
- eine wirksame Schmerztherapie (Periduralanästhesie)
- schonende Schnitt-Techniken
- keine bewegungshemmenden Drainagen und Katheter
- nach der OP möglichst bald wieder Normalität (Essen, Bewegung)
Der Ablauf einer Fast Track Behandlung
Der Fast-Track-Plan beginnt schon vor dem eigentlichen Krankenhausaufenthalt mit der Untersuchung möglicher Risikofaktoren und Begleiterkrankungen sowie der umfassenden Information der Patienten. "Er sollte möglichst früh auf die Bedeutung seiner aktiven Mitarbeit hingewiesen werden", so Prof. Schwenk. Bis zu zwei Stunden vor der Operation dürfen die Patienten noch trinken. Bei der Narkose setzen die Mediziner auf schonende Medikamente, um Übelkeit und Erbrechen nach dem Aufwachen zu vermeiden und wenden Schnitt-Techniken an, die mit möglichst wenig post-operativen Schmerzen einhergehen. Unverzichtbar ist eine zusätzliche örtliche Betäubung schon während des Eingriffs über einen Periduralkatheter, durch den Betäubungsmittel in die Nähe des Rückenmarks geleitet werden.
Diesen Katheter behalten die Patienten nach dem Eingriff noch zwei Tage. "Diese örtliche Betäubung verhindert während des Eingriffs Stressreaktionen im Körper, die die Heilung verzögern können. Nach der Operation lindert sie den Wundschmerz", so Prof. Schwenk. Und das ist nicht nur angenehmer für den Patienten, sondern senkt auch nachweislich die Häufigkeit von Komplikationen. Lungenentzündungen kommen z. B. weit seltener vor, denn wer schmerzfrei ist, kann durchatmen und seine Lungen gut belüften: Keime haben keine Chance. Die Betäubung hilft auch dabei, schnell wieder mobil zu werden: Am Tag nach der OP ist es mit der Bettruhe vorbei, es geht zum Laufen auf den Flur, der Patient kann sitzen. Tagelang aufs Essen zu verzichten, ist ebenfalls Vergangenheit: Schonkost gibt es schon am OP-Tag, am Tag darauf normale Kost. Am zweiten Tag nach der Operation geht es in den Garten und über Treppen, der Katheter kann entfernt werden. Drei Tage darauf sind die meisten Patienten wieder zu Hause.
Ein schwieriger Anfang
In Deutschland führend bei dieser Methode ist die Chirurgie der Berliner Charité (Universitätsklinik). Anfangs war Prof. Dr. Wolfgang Schwenk zurückhaltend, als er das erste mal die Veröffentlichungen des dänischen Chirurgen Prof. Kehlet las, der die Methode in Kopenhagen entwickelte und erprobte. Kehlets Aufsätze wurden von seinen Medizinerkollegen weltweit ignoriert. Seine Methode und seine Ergebnisse passten einfach nichts ins Bild der bis dahin tradierten Chirurgie. Bis Kehlet sich entschloss, seine Patienten bereits 2 Tage nach schweren Darm-Ops zu entlassen. Diese Provokation hatte wenigstens einen Effekt: jetzt erregte er weltweite Aufmerksamkeit. Aber nicht unbedingt mit dem Ergebnis, das er erhofft hatte. Man hielt ihn für einen Scharlatan.
Auch Prof. Schwenk wollte den Studien anfangs keinen Glauben schenken. Aber der Mediziner, der außerdem gerne unkonventionell denkt und arbeitet, begann sich für Fast Track zu interessieren, wenn auch eher skeptisch. "Die Ergebnisse schienen mir unglaubwürdig zu sein, ich war regelrecht misstrauisch. Aber wir haben genau deshalb in der Charité gemeinsam beschlossen, uns das ganze direkt anzusehen." Es war der Anfang einer intensiven Zusammenarbeit mit Prof. Kehlet.
Im Prinzip ist Fast Track nichts anderes als systematisch angewandte Wissenschaft. Kehlet und später Schwenk haben alle Studien ausgewertet, die sich mit einem der Details von existierenden oder anvisierten Methoden beschäftigen, sie zueinander in Beziehung gesetzt und daraus systematisch eine neue Methode entwickelt.
Erfahrungen mit Fast Track
"Seit Anfang 2004 führen wir alle Darm-OPs nach diesem Konzept durch", erläutert Prof. Schwenk. Die bisherigen Ergebnisse seien eine so eindeutige Verbesserung gegenüber der Vergangenheit, das es ethisch nicht vertretbar sei, die Methode Patienten zu Versuchszwecken vorzuenthalten. "Unabhängig von ihrem Alter sind die Patienten nach fünf Tagen wieder zu Hause - früher blieben sie elf bis 17 Tage. Das allgemeine Komplikationsrisiko sank von 20 bis 30 auf unter 10 %."
Anders ausgedrückt: Früher starben etwa 2 % der Patienten nach schweren Darmoperationen, aber über die Hälfte gar nicht durch die Operation selber, sondern durch Folgekomplikationen wie Thrombosen oder Lungenentzündungen.
So erklärt sich der Erfolg von Fast Track. An der Operation selber hat sich wenig geändert, aber die Nachbehandlung sieht radikal anders aus: Keine Katheter, keine Drainagen, vor allem keine Ruhigstellung des Patienten, sondern im Gegenteil eine Mobilisierung. Und: "Wir lassen den Patienten möglichst viel selbst regulieren, statt ihn extern zu steuern. Das gilt sowohl für seinen Körper, als auch für sein Befinden."
Die Zukunft
Würde man das Konzept auf alle Darm-Operationen in ganz Deutschland übertragen, so ließen sich bei 5 000 bis 10 000 Patienten Komplikationen vermeiden, schätzt der Mediziner. Außerdem könnten so ca. 500 000 stationäre Pflegetage eingespart werden. Darüber hinaus eignet sich das Konzept nach Berliner Erfahrungen auch für Oberbaucheingriffe und könnte auch bei urologischen, gynäkologischen und orthopädischen oder unfall-chirurgischen Operationen eingesetzt werden. "Das würde nicht nur die Ergebnisquälität verbessern, sondern auch enorme Kosteneinsparungen bedeuten", so Prof. Schwenk.
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HIPPOKRATES - Gesundheitsmagazin
15. August um 14.00 Uhr
Wiederholung vom 22. März 2005
Redaktion: Heidemarie Petters Koproduktion ZDF -ARTE G.E.I.E.






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