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Twilight-Fieber

Die Dokumentation erforscht die Ursache des weltweiten Erfolgs der Vampir-Saga von Stephenie Meyer.

Twilight-Fieber

Hintergrund - 24/02/10

Faszination: Twilight

Das Twilight-Fieber hat viele angesteckt – vom jungen Teenager über junge Erwachsene, bis hin zu älteren Generationen. Was macht aber wirklich die Faszination für Twilight aus? Natürlich ist die Liebesgeschichte zwischen Edward und Bella einzigartig und die Hauptdarsteller der Filme sind unwiderstehlich. Auch Stephenie Meyers Schreibweise ist anschaulich und äußerst fesselnd. Aber vor allem scheint die Autorin doch einen Nerv getroffen zu haben, der bei einem breiten Publikum eine emotionale Reaktion auslöst.

ARTE ist dieser Faszination auf den Grund gegangen und hat bei Fans in deutschen und französischen Foren nachgefragt, warum die Twilight-Saga sie so beeindruckte.

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Sehnsucht nach Ewigkeit und Vollkommenheit
Die Vampire der Twilight-Saga sind unsterblich, bzw. ihr Leben kann nur unter bestimmten Voraussetzungen beendet werden. Zumindest altern sie nicht und werden auch nicht krank. Geschichtlich betrachtet, ist diese Sehnsucht allgegenwärtig. Der spanische Konquistador Juan Ponce de León beispielsweise, suchte 1513 vergeblich nach dem verheißenen Jungbrunnen.
Generell beschäftigt das Thema Tod aber auch die heutige Generation in vieler Hinsicht. Doch ein ewiges Leben unter den Voraussetzungen der Twilight-Erzählung ist für viele eher abschreckend als anziehend – möchte doch niemand mit ansehen müssen, wie seine Familie oder sein Umfeld langsam altert und stirbt. 85% der Befragten in den Deutschen und Französischen Fan-Foren empfänden ein ewiges Leben nur dann als wünschenswert, wenn es auch für eine Familie, bzw. einen „Seelenverwandten“ gegeben wäre. Ewigkeit ist also eine Sehnsucht, aber nur unter der Voraussetzung, diese nicht einsam erleben zu müssen.
Edward und seine Familie werden als besonders schön beschrieben. Zudem wurden sie mit besonderen Fähigkeiten ausgestattet. Die Stärke der Werwölfe hingegen liegt in der Verwandlung. Sind diese Eigenschaften Grund für die Faszination? Teilweise schon, da eine perfekte Körperbeherrschung für viele erstrebenswert ist, oder sie doch zumindest fasziniert. Jedoch sind sich viele nicht sicher, ob sie vollkommen perfekt sein wollten, da ihnen ein „allwissendes Leben als langweilig“ erscheint und gerade ja die „kleinen Fehler und Macken“ die Menschen für sie besonders machen. Bedeutet jedoch Vollkommenheit auch Allwissenheit und eine gewisse Gleichschaltung der Eigenschaften? Tatsächlich bezeichnet Vollkommenheit einen Zustand, der sich nicht noch weiter verbessern lässt, im Sinne von Makellosigkeit, also ein Zustand frei von Beschädigungen jeder Art. Dieses Dasein übt eine Anziehung auf so manchen Leser aus, bzw. fasziniert die meisten an den Figuren der Biss-Romane.

Anziehungsfaktor: Stärke und Geborgenheit
Sowohl die Vampire als auch die Werwölfe verfügen über besondere Fähigkeiten und übermenschliche Stärke. Stärke und die Möglichkeit, sich vor Gefahr zu schützen, bzw. beschützt zu werden, rührt in den männliche Lesern oft den „Beschützerinstinkt“, bei den weiblichen den Wunsch nach Sicherheit und Geborgenheit.
Stephenie Meyer beschreibt auf beiden Seiten neben der rein physischen auch die Stärke des Kollektivs: die der Familie Cullen sowie die des Wolfrudels. Beide Seiten erfüllen den Leitspruch: „Zusammen ist man stark“. Diese Gruppierungen – und dabei spielt es keine große Rolle, welchem „Team“ (Edward oder Jacob) man sich zugehörig fühlt – spiegeln genau das wieder, was in der heutigen Gesellschaft häufig fehlt: die uneingeschränkte, selbstlose Liebe, die Geborgenheit und den Schutz einer Familie. Diese „kleinste Instanz einer Gesellschaft“ verliert immer mehr Bedeutung. Das Fehlen dieser sozial starken Umgebung führt häufig zu der Sehnsucht nach einer Gruppenzugehörigkeit, die sich einige dann entweder selber aufbauen, oder diese Zugehörigkeit bestenfalls in einer geteilten Leidenschaft mit anderen finden. Insofern wirkt Twilight doppelt: einerseits werden durch die Bücher Werte wie Familie und Freundschaft vermittelt, andererseits bewirkt der Twilight-Hype ein Zusammenschluss von Fans in Gruppen unterschiedlichster Arten. Dieser Faktor ist ein wichtiger Bestandteil der Twilight-Faszination.

Gefahr macht sexy
Nicht nur Frauen fühlen sich oft von einer gewissen Gefahr angezogen. Sogenannte „Femmes-fatales“ verführten schon in alten Geschichten die stärksten Männer, und hatten auch ihren Platz in der Filmgeschichte, vor allem im Film noir. Jugendpsychiater Stéphane Clerget beschreibt diesen Anziehungsfaktor wie folgt: „Horrorfilme und Fantasyfilme erzeugen in uns starke Emotionen. In diesen Filmen sehen wir eine Darstellung von Dingen, die uns Angst einjagen. Gleichzeitig besteht aber keine Gefahr. In Twilight wird die Gefährlichkeit der Vampire durch eine bestimmte Moralvorstellung und eine gewisse Ethik ausgeglichen – etwas, das Vampire ansonsten nicht unbedingt haben.“ Dieses Spiel zwischen drohender Gefahr, unüberwindbarer gegenseitiger Anziehung, und gleichzeitiger körperlicher Zurückhaltung, sind genau die Werkzeuge, die die Autorin gekonnt einsetzt und so eine Spannung erzeugt, die einem vom ersten bis zum letzten „Biss“ fesselt.

Seelenverwandtschaft
Im Zusammenhang zu der Twilight-Saga und insbesondere zu der Liebesgeschichte zwischen Edward und Bella, hört man oft das Wort „seelenverwandt“. Fast durchweg alle Befragten in den Foren erwähnten eine Sehnsucht nach einer „für sie bestimmten Person“. Gerade weil Bella als durchschnittlich beschrieben wird, sind so viele Mädchen in der Lage, sich mit ihr zu identifizieren. Edward hingegen stellt für diese Mädchen oft das Unerreichbare dar. Und obwohl er das schönste Mädchen haben könnte, sieht dieser vollkommen schöne Edward in der kleinen, durchschnittlichen Bella etwas Besonderes - seine große Liebe. In einer Welt von „next Topmodels“ sehnen sich viele junge Mädchen danach, über reine Äußerlichkeiten hinaus erkannt zu werden. Außerdem sehnen sich die meisten Menschen - und zwar nicht nur weibliche - nach dieser bedingungslosen, „seelenverwandten“, wenn möglich ewigen Liebe, wie sie in den Büchern beschrieben wird. Auch der Faktor Freundschaft spielt eine wichtige Rolle. Denn Bella liebt nicht nur Edward und fühlt sich zu ihm hingezogen, auch ihr bester Freund Jacob verfügt über Eigenschaften, die Bella anziehen. Auch wenn viele sich als Bella nicht zwischen Edward und Jacob entscheiden könnten, so strahlen jedoch beide mehr oder weniger die oben genannten Eigenschaften aus, die sie für die breite Leserschaft „unwiderstehlich, anziehend“ machen.

Für die Fans sind diese genannten Faktoren die Hauptgründe für ihre Twilight-Faszination. Jedoch unabhängig davon, warum man vom Twilight-Fieber angesteckt wurde: Tatsache ist, dass Stephenie Meyer durch die Biss-Romane den Nerv der Sehnsüchte von heute trifft und ein komplettes Eintauchen in eine fantastische Welt ermöglicht. Ein Ende des Fiebers ist auch noch nicht in Sicht: am 15. Juli 2010 wird "Eclipse - Biss zum Abendrot" in den Deutschen Kinos anlaufen, und man darf sich wohl auch auf einen weiteren "Biss"-Roman freuen: Stephenie Meyer plant die Veröffentlichung von "Midnight Sun" - Twilight aus der Sicht von Edward. Auf in den nächsten Fieberwahn!
Autorin: Djamilé N. Bechara

In Zusammenarbeit mit den Fan-Foren:
Twilight-Fieber
Twilight Lounge
Twilight Fanzone
Fascination


Erstellt: 10-02-10
Letzte Änderung: 24-02-10