Ein junger Mann lebt zu einer unbestimmten Zeit an einem unbestimmten Ort. Er steht vor einer ungewissen Zukunft. Gewiss ist nur, dass er unter keinen Umständen dasselbe mittelmäßige Leben seines Vaters führen möchte. Der Vater ist Kellner in einem Restaurant des Ortes. Dieser kann die Begeisterung seines Sohnes fürs Militär nicht nachvollziehen. Trotzdem oder gerade deswegen verpflichtet sich der junge Mann für fünf Jahre. Er ist zuversichtlich, dass das Leben in der Armee seiner Suche nach einem Sinn im Leben ein Ende setzen wird.Anfangs macht ihm die militärische Ausbildung Freude. Er fühlt sich gefordert und genießt den Nervenkitzel der Gefahr. Da ihm kostenlose Unterkunft und Verpflegung zuteilwerden, ist er von den materiellen und trivialen Sorgen des Alltags befreit. Stolz darauf, eine Uniform zu tragen, bereitet er sich auf die große Bewährung vor. Bei einem Spaziergang über den Rummelplatz bemerkt er eine junge Kartenverkäuferin, die ihm sogar während der Zeit an der Front nicht aus dem Kopf geht. Dabei geht diese Zeit nicht spurlos an ihm vorüber, denn in der Schlacht lernt er die Bedeutung des Wortes "Morden" kennen.
Sein Einsatz wird jäh beendet, als er seinem angeschossenen Kommandanten zur Hilfe kommen will und dabei selbst verwundet wird. Der Heimkehrer überbringt der Frau des verstorbenen Kommandanten einen Brief und erfährt, dass sein Vorgesetzter bewusst in den Tod gegangen ist, weil er die neue Situation seines Landes nicht länger ertragen konnte. Da der junge Mann aufgrund seiner Verletzung keine Verwendung beim Militär mehr findet, setzt ein Prozess der Enttäuschung und des Nachdenkens ein.
Er erinnert sich an die Frau vom Rummelplatz und beschließt, sie zu suchen. Was er erfährt, schockiert ihn zutiefst: Die Kassiererin ist entlassen worden, weil sie schwanger war. Daraufhin hat sie ihr Kind ausgesetzt und sitzt nun im Gefängnis. Entrüstet sucht er den ehemaligen Arbeitgeber der Frau auf und fordert von ihm Rechenschaft. Als dieser sich lediglich in einigen zynischen Sprüchen verliert, dreht der junge Mann durch ...
"Ein Kind unserer Zeit" präsentiert ein Kind von gestern, von heute und offenbar auch von morgen. Die genaue Zeit und der genaue Ort der Filmhandlung bleiben unbekannt. Sie könnte im Jahr 1930, 1940 oder auch in der Gegenwart spielen, irgendwo in Bosnien, Tschetschenien oder in Kurdistan. Cazeneuves Film wagt sich an das Thema Nationalsozialismus heran, ohne mit dem sprichwörtlich "erhobenen Zeigefinger" aufzuwarten. Nicht ein schlechtes Gewissen begleitet den Zuschauer, sondern ein Gefühl der Fassungslosigkeit und Bestürzung. Die realistischen Dialoge verbinden sich harmonisch mit den inneren Monologen des jungen Mannes.Mit der Niederschrift seines letzten Romans "Ein Kind unserer Zeit" hatte der österreichisch-ungarische Schriftsteller Ödön von Horvath (1901 - 1938) 1937 begonnen, ein Jahr später erschien dieser, kurz nach dem Tod des Autors. Sein Roman war nicht nur eine der ersten literarischen Auseinandersetzungen mit dem Wesen des Nationalsozialismus, sondern er nahm auch in beklemmender Weise die Gräuel des kommenden Krieges vorweg und zeigte die ihnen zugrunde liegende Inhumanität völkischer Ideologie auf.
Hauptdarsteller Jérémie Rénier, 1981 in Brüssel geboren, gilt spätestens seit "Pakt der Wölfe" (2001, Christophe Gans), wo er an der Seite von Monica Bellucci spielte, zu den belgischen Shootingstars, auch wenn er erst ein Jahr später offiziell von der Jury der European Film Promotion dazu ernannt wurde. Weitere Rollen hatte er in "Ein kriminelles Paar" (1998, François Ozon), "Der Pornograph" (2001, Bertrand Bonello), "En territoire indien" (2003, Lionel Epp) und "Eine einmalige Chance" (2004, Jean-Marc Moutout). Mit seiner Rolle in "Das Kind" (2005) wurde Rénier zum Lieblingsdarsteller der Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne. Sie besetzten ihn auch in ihren Filmen "Das Versprechen" (1996) und der ARTE-Koproduktion "Lornas Schweigen" (2008), der bei den Filmfestspielen von Cannes 2008 den Preis für das beste Drehbuch erhielt.
Dieses Jahr ist Rénier in drei Kinofilmen zu sehen: In "Coupable" (2008, Regie: Laetitia Masson) ist er in der Rolle des Julien zu sehen, in "Brügge sehen ... und sterben?" (2008, Regie: Martin McDonagh) spielt er neben Ralph Fiennes und Colin Farell und in "L'heure d'été" (2008, Regie: Olivier Assayas) tritt er an der Seite von Juliette Binoche auf. Réniers aktuellster Film "Vintner's Luck" von Niki Caro wird 2009 in den französischen Kinos zu sehen sein.








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