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Filmfestival

Vom 7. bis 17. Februar findet die diesjährige Berlinale statt, Stars und Sternchen aus dem Filmgeschäft geben sich die Ehre am Potsdamer Platz.

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Internationale Filmfestspiele Berlin 2008 - Wettbewerb - 01/09/08

Feuerherz

Ein Film von Luigi Falorni


Moi Awet, acht Jahre alt, Soldatin und bewaffnet

Ich bin Awet, acht Jahre alt, fanatisch und bewaffnet.



Synopsis : Eritrea, Anfang der 80er Jahre. Das Mädchen Awet wird als Kleinkind von ihrer Mutter verlassen und wächst – mitten in den Wirren des Unabhängig keitskrieges Eritreas gegen Äthiopien – in einem Waisenhaus in Asmara auf. Sie wird von italienischen Schwestern im katholischen Glauben erzogen. Schon früh zeigt sich ihr ausgeprägter Gerechtigkeitssinn, schon als kleines Mädchen versucht sie sich durchzusetzen und gegen Unrecht zu protestieren. Nach einigen Jahren holt ihr verschwunden geglaubter Vater sie zu sich und seiner neuen Familie. Aber dort ist Awet nicht willkommen. Ihr Vater schikaniert sie und übergibt sie schließlich zusammen mit ihrer Schwester an eine der eritreischen Befreiungsarmeen. Die beiden Mädchen kommen in ein Lager, in dem sie zu Soldaten ausgebildet werden sollen. Awet muss sich an ein hartes Leben gewöhnen. Hunger, Einsamkeit und die viele Arbeit im Lager machen ihr das Überleben schwer. Awet erlebt den ganzen Wahnsinn des Krieges und wird konfrontiert mit Tod und Fanatismus. Doch ihr „Feuerherz“, ihr Mut und ihr Gewissen weisen ihr einen Weg aus einem schrecklichen Schicksal.

Kritik: Diese Geschichte könnte in vielen Ländern spielen, nicht nur in Eritrea. Das ist das erschütternde und traurige an diesem Film, und deshalb ist der Streit darüber, ob die eritreische Befreiungsbewegung auch zwangsweise Kindersoldaten rekrutiert hat, und ob der Film dem umstrittenen gleichnamigen Bestseller zu weit folgt, ganz irrelevant. Es mag auch schlimmere Fälle von Kindesmissbrauch in den Bürgerkriegen anderer afrikanischer Länder geben und gegeben haben, aber ob freiwillig oder nicht, es waren auch in den eritreischen Befreiungskampf Kinder involviert, und davon erzählt der Film eine berührende Geschichte, als Spielfilm wohlgemerkt, nicht als historische Dokumentation. Das dabei auch ein von gewissen Sympathien und Anteilnahme begleiteter Befreiungskampf eines kleinen Volkes gegen einen übermächtigen Gegner nicht immer gut aussieht ist ja wohl klar, es wird ja wohl niemand behaupten, dass da immer nur die Guten kämpften. Dabei zeigt der Film die Befreiungskämpfer, wie man sie ja wohl nennen darf, durchaus in einem sehr menschlichen Licht im Umgang mit den Kindern, da werden nirgends Schlächter oder Monster vorgeführt. Es gibt natürlich Hardliner, es gibt Großmäuler, Feiglinge, aber es gibt auch Idealisten und solche, die mit ihren Ängsten und inneren Widersprüchen kämpfen. Daran ist nichts auszusetzen, egal wie viele Kindersoldaten es letztlich gewesen sind, die dabei waren, und egal, ob das alles sich genau so zugetragen hat.

Die kleine Awet steht für viele Kinder, und gerade weil der Film emotional erzählt und vielleicht manchmal eine scheinbar naiv-kindliche Perspektive einnimmt, kann er ein Publikum erreichen, das sich mit solchen Themen normalerweise nicht gern beschäftigt. Den Film trotz der widrigen Umstände, der Absage von unter Druck gesetzten Schauspielern, den Behinderungen durch die eritreische Regierung und Teilen der Öffentlichkeit, doch noch realisiert zu haben, ist schon eine bemerkenswerte Leistung des ganzen Teams. Und es ist noch dazu ein schöner kleiner Film geworden, der ein wenig Hoffnung lässt und den man auch aushalten kann – denn eigentlich ist es überhaupt nicht auszuhalten, was da den Kinderseelen angetan wird. Auch wenn er ein paar filmische Schwächen hat, und gerade der Schluss unausgereift und angeklebt wird, auch wenn es sicher kein großer Festivalfilm ist – es ist gut, dass es ihn gibt, und er gehört mehr auf dieses Festival als viele andere.

Thomas Neuhauser


Synopsis: Eritrea, Anfang der 80er Jahre. Die kleine Awet kommt in ein Waisenhaus, wo sie von Nonnen erzogen wird, inmitten der Wirren des Unabhängigkeitskrieges Eritreas gegen Äthiopien. Trotz der katholischen Erziehung zeigen sich bald ihre erstaunliche Reife und ihr ausgeprägter Gerechtigkeitssinn. Ihr verschwunden geglaubter Vater holt sie eines Tages aus dem Waisenhaus und übergibt sie einer der eritreischen Befreiungsarmeen, wo sie für den Kampf ausgebildet wird. Sie wird eine Kindersoldatin…

Kritik: Das politische Kino hat sich das Thema „war children“ zunächst einmal natürlich über den Dokumentarfilm zu eigen gemacht, dann über eine Hollywood-Produktion („Blood Diamond“ von Edward Zwick mit Leonardo DiCaprio, so wie es sich gehört). Luigi Falorni, der aus dem Bereich des Dokumentarfilms kommt und mit seinem Erstlingswerk „Die Geschichte vom weinenden Kamel“ (2003) einen großen Erfolg feierte, hat sich für einen Ansatz dazwischen entschieden: präzise Darstellung einerseits, Dramatisierung ausgerichtet auf den Blick eines Kindes andererseits. So aufgeweckt sie auch sein mag, Awet ist und bleibt ein kleines Mädchen. Inmitten der Kriegswirren, mit dem Maschinengewehr als ihrem ständigen Begleiter, gelingt es ihr, einen gewissen Abstand einzunehmen, der sich jedoch nicht als ausreichend erweist, um sich der Faszination zu entziehen, die von ihrer Ausbilderin ausgeht. Letztere ist für sie zu einer Ersatzmutter geworden, die sie für ihr Durchsetzungsvermögen und ihren Stolz bewundert. Als Mittel zum Zweck benutzt, gibt sie einem ideologischen Diskurs nach, den sie im Waisenhaus zu ignorieren wusste, als die italienischen Nonnen sich auf gleiche Weise bemühten, sie zu indoktrinieren.

Der Krieg ist ein Stück Eisen, das in ein Stück Fleisch eindringt“, hieß es in „Forever Mozart“ (1996) von Jean-Luc Godard, als der Regisseur sich mit dem Konflikt in Jugoslawien auseinandersetzte. Luigi Falorni bemüht sich seinerseits, den krassen Gegensatz zwischen den runden Puppengesichtern der Kinder und dem Metall der von ihnen beim Trainieren benutzten Selbstladegewehre hervortreten zu lassen. „Feuerherz“ basiert auf dem autobiographischen Roman von Senait G. Mehari, die als politischer Flüchtling in Deutschland lebt. Nachdem die eritreische Regierung eine Drehgenehmigung verweigert hatte, wich das Filmteam in den Norden Kenias aus. „Blood Diamond“ spielt Anfang der 90er Jahre in Sierra Leone, und es ließen sich sicher noch weitere Landstriche nennen. Als deutsche Produktion eines Italieners betrifft „Feuerherz“ nach Aussage von Senait G. Mehari nicht „nur meine Person, sondern alle Kinder, die im Krieg haben leiden müssen“.

Julien Welter
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Feuerherz
Heart of Fire
Deutschland, Österreich, 2008, 92 Min.
Regie: Luigi Falorni
Darsteller: Letekidan Micael, Solomie Micael, Seble Tilahun, Daniel Seyo

Erstellt: 08-02-08
Letzte Änderung: 01-09-08