12/11/03
Einleitung
ARTE ehrt den herausragenden zeitgenössischen Filmemacher Yasujirô Ozu mit einer Hommage zu dessen 100. Geburtstag.
Der japanische Regisseur Yasujirô Ozu wurde am 12. Dezember 1903 geboren. Er starb am 12. Dezember 1963, nur wenige Monate nach dem Start seines letzten Films Nachleben. Ozu beeinflusste so bedeutende zeitgenössische Filmemacher wie Wim Wenders, Aki Kaurismaki, Paul Schrader und Hou Hsiao Hsien. In seiner produktiven Laufbahn schuf er über 50 Werke unterschiedlichster Genres (Thriller, Komödien, Gangsterfilme). Seine zunächst als zu japanisch empfundenen Filme fanden erst nach Ozus Tod internationale Anerkennung. Das französische Publikum entdeckte Ozu erst 1978 mit dem beeindruckenden Film Tokyo Story.
ARTE hat sich bei der Auswahl aus diesem umfangreichen Werk auf die Schaffensperiode von 1957-1961 konzentriert, in der Ozus Farbfilme entstanden. Im Dezember 2003 werden die beiden in dieser Zeit gedrehten Filme Equinox flowers und Guten Morgen auf ARTE zu sehen sein.
Anlässlich von Ozus 100. Geburtstag gibt ARTE Vidéo (Frankreich) im Februar 2004 eine Sammelbox mit 5 Farbfilmen des Regisseurs heraus. Außerdem umfasst diese einzigartige Veröffentlichung den außergewöhnlichen Schwarzweiß-Film Ich wurde geboren, aber..., einen hervorragenden Schlüssel zum Werk des Künstlers, sowie eine unveröffentlichte Dokumentation und viele weitere Dokumente. Alle Filme werden in der restaurierten Fassung vorgelegt.
Wim Wenders sagt in seinem Ozu gewidmeten Film Tokyo-Ga: „Wenn es in unserem Jahrhundert noch Heiligtümer gäbe, wenn es so etwas gäbe wie das Heiligtum des Kinos, müsste das für mich das Werk des japanischen Regisseurs Yasujirô Ozu sein (…)."
Für Wenders sind Ozus Filme die schönsten überhaupt, das verlorene Paradies des Kinos. Sie erzählten die lange Auflösung der japanischen Familie und damit auch die Auflösung einer nationalen Identität. Doch sie täten das, ohne den Fortschritt und die eindringende westliche und amerikanische Kultur zu verdammen oder zu verachten. Vielmehr bedauerten sie den damit verbundenen Verlust mit distanzierter Nostalgie. Wenders hält Ozus Filme, so japanisch sie auch sein mögen, für universell. In ihnen erkenne man die Familien aller Länder der Welt wieder, seine eigenen Eltern und Geschwister und nicht zuletzt sich selbst. Für ihn kam der Film niemals vor und niemals nach Ozu seinem ureigensten Wesen so nah, seiner absoluten Schönheit und seiner eigentlichen Berufung, ein nützliches und wahres Bild des 20. Jahrhunderts zu vermitteln.
Erstellt: 22-04-04
Letzte Änderung: 12-11-03