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Kino-News

Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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Filmfestival Locarno 2007 - 22/08/07

Ein Blick zurück

(1.-11. August)


© Filmfestival Locarno
"Ai No Yokan" von Masahiro Kobayashi
Durch ihren Glamour oder ihre Originalität beeindrucken konnten die filmischen Gäste des 60. Jubiläumsfestivals in Locarno nur bedingt. So überrascht es auch kaum, dass der Goldene Leopard an einen Film ging, der sich durch seine formale und inhaltliche Strenge, seine Zurückgenommenheit und Konzentration auszeichnet, und der dadurch seine Radikalität erreicht. Der japanische Drehbuchautor, Regisseur und Komponist Masahiro Kobayashi übernimmt in seinem Film AI NO YOKAN (THE REBIRTH) auch eine der beiden Hauptrollen.

Junichis Tochter wurde ermordet. Er sucht nun indirekt die Nähe zu Noriko, der Mutter der Mörderin, die in der Küche einer Pension arbeitet. Er quartiert sich dort ein. Abgesehen von einem knappen Anfangsmonolog von Junichi und Noriko wird in THE REBIRTH nicht gesprochen. Ungefähr zwanzig Mal wiederholt sich der banale Alltag der Protagonisten in der kleinen Pension. Nur wenige Details ändern sich im Laufe der Zeit. THE REBIRTH besticht durch seine unprätentiöse Art, erfordert aber hohe Aufmerksamkeit vom Zuschauer.

Der Preis für die Beste Regie ging an den französischen Regisseur Philippe Ramos für seine ARTE-Koproduktion CAPITAINE ACHAB. Der Film basiert lose auf der weltbekannten Geschichte von „Moby Dick“, treibt aber sein ganz eigenes, munteres Spiel mit fünf verschiedenen Erzählperspektiven, denen jeweils eigene Musikstile zugeordnet werden. Sein leichtfüßiger, gut besetzter Film ist die Langversion des gleichnamigen Kurzfilms, den der Regisseur vor vier Jahren realisierte.

© Filmfestival Locarno
"Sous les toits de Paris" von Hiner Saleem
Ebenfalls nach Frankreich ging der Preis an den besten Hauptdarsteller: Der 80-jährige Michel Piccoli durfte ihn für seine charmante Rolle des gealterten Pariser Mansardenbewohners in dem Film SOUS LES TOITS DE PARIS von Hiner Saleem in Empfang nehmen, eine entlarvende Fabel über die westliche Wohlstandswelt.

Für den Preis der besten Hauptdarstellerin wurde die Spanierin Marián Álvarez für ihre Rolle in LO MEJOR DE MI ausgezeichnet. Sie spielt die Freundin eines erfolgreichen Sportlers, der ganz plötzlich schwer erkrankt und längere Zeit im Krankenhaus bleiben muss. Diese Tatsache belastet die Liebe des jungen Paares, das gerade erst eine gemeinsame Wohnung bezogen hat. Sensibel und nachvollziehbar verkörpert Marián Álvarez die verschiedenen Stadien des unaufhaltsamen Verfalls ihrer Beziehung.

Insgesamt präsentiert der künstlerische Direktor Frédéric Maire in seinem zweiten Jahr ein Programm, das sich zwar durchaus sehen lassen kann, das aber kaum durch großartige Neuentdeckungen besticht. Dennoch gibt es eine ganze Reihe sehr sehenswerter Filme von jungen Regisseuren, wie etwa LO BUENO DE LLORAR des chilenischen Regisseurs Matías Bize, der ein Paar durchs nächtliche Barcelona streifen und dabei über seine Beziehungsprobleme sinnieren lässt.

In eine sinnlich-mystische Welt entführt der ungarische Regisseur Benedek Fliegauf den Zuschauer in seinem Film TEJÚT (MILKY WAY). Ein gutes Dutzend Orte, die in präzisen, tableau-artigen Einstellungen fotografiert wurden. Jede Einstellung ist eine eigene Plansequenz, in der sich die Protagonisten seltsamen, manchmal gar absurden Handlungen widmen, eine Art Tableau Vivant. Fliegauf komponiert seine Bilder sorgfältig genau, und achtet auch beim Ton auf jedes einzelne Detail. Fliegauf: „TEJÚT ist ein besonderer Film, in dem man anstelle von Giraffen und Pinguinen den Menschen zuschauen kann.“ Beide Filme waren in der Sektion „Compétition Cinéaste du présent“ zu sehen.

"Phantom Love" von Nina Menkes
Der Anspruch des Wettbewerbs (Compétition Internationale) ist es, junge, innovative Talente zu entdecken und zu fördern, und sich so durch ein ganz eigenes Profil von den drei großen A-Festivals Berlin, Cannes und Venedig abzusetzen. Doch das größte der Kleinen wartete diesmal mit erstaunlich vielen konventionellen Produktionen im Wettbewerb auf, die oft enttäuschen.

Wegen ihrer spielerisch-experimentellen Art sind außerdem zwei Filme in der Menge eher konventioneller Dramaturgien aufgefallen: PHANTOM LOVE der amerikanischen Underground-Regisseurin Nina Menkes, die bereits seit über 25 Jahren experimentelle Spielfilme realisiert, die sich dem kommerziellen amerikanischen Markt verweigern. In PHANTOM LOVE mischt Menkes erotische Sexszenen mit denen einer Frau, die in einem Casino arbeitet, und Aufnahmen einer anderen Frau, die an einer Psychose leidet und stets in Begleitung von zwei großen schwarzen Hunden ist. PHANTOM LOVE erinnert in seiner assoziativen, traumhaften Art an die Werke der Surrealisten, insbesondere an UN CHIEN ANDALOU von Luis Buñuel.

In JAPAN, JAPAN will der 19-jährige Imri Israel verlassen, um nach Japan zu gehen. Doch erst einmal muss er etwas Geld für seine Reisekasse verdienen. Mit collagehaften Stilmitteln arbeitet der israelische, in Berlin lebende Regisseur Lior Shamriz und verdichtet so den Alltag und die Phantasie- und Wunschwelt von Imri zu einem ganz eigenen, sehr unterhaltsamen Film. Vor dem Hintergrund der schwierigen politischen Situation in Israel versucht Imri seinen eigenen Weg zu finden, heraus aus seinem inneren Exil.

© Filmfestival Locarno
"Capitaine Achab" von Philippe Ramos
Erwähnenswert ist die Sektion „Open Doors“, die in diesem Jahr dem Nahen und dem Mittleren Osten gewidmet ist. 25 Lang- und Kurzfilme aus Ägypten, Israel, Irak, Jordanien, Libanon, Syrien und aus den palästinensischen Gebieten wurden dem Publikum präsentiert. Gleichzeitig wurden aus 120 eingereichten Projekten zehn ausgewählt und in Locarno potentiellen Koproduzenten vorgestellt. Vier der Projekte, darunter THANATOR und LE CHEMIN DES FIGUES sind außerdem mit 50.000 Franken bzw. 10.000 Euro gefördert worden, u.a. von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA). Man wird sehen, ob diese Filme dann in den nächsten Jahren in Locarno zu sehen sein werden. In jedem Fall ist „Open Doors“ ein sehr sinnvolles Förderprogramm, das Filmemachern aus strukturschwachen Regionen bei der Realisierung ihrer kreativen Arbeit entscheidend helfen kann.

Nana A.T. Rebhan

Erstellt: 16-08-07
Letzte Änderung: 22-08-07