25.07.07 : 20.45 - Flower Power Ost - 02/09/08
Flower Power Ost
Die Blumenkinder des Sozialismus
Auch im Sozialismus gab es Flower Power. Hippies aus Ostberlin, Warschau, Prag und Budapest eroberten sich von den späten 60er- bis in die späten 80er Jahre träumend eine Welt, die ihnen eigentlich verschlossen war. Sie trugen lange Haare, Bärte und Parkas, besetzten Häuser, lebten in Kommunen, hörten Blues und Rock 'n' Roll - Musik war Philosophie und Weltanschauung. Die Dokumentation blickt zurück auf die Blumenkinder des Ostens, für die Woodstock weiter weg war als der Mond.
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Spätestens nach dem Woodstock-Festival im August 1969 gingen die Bilder der Hippies um die Welt. Sie erreichten auch Osteuropa. Dort gaben sich die Zensoren größte Mühe, die Flut an Bildern, Musik, Zeitschriften und Büchern einzudämmen. Doch mit einer Verzögerung von ein bis zwei Jahren gelangte die Hippiebewegung auch in die Länder des Ostblocks.
Während Hippies Mitte der 70er Jahre im Westen schon zur Alltagsfolklore gehörten, behaupteten sie sich in der geschlossenen Gesellschaft der Ostblockländer noch bis Ende der 80er Jahre gegen soziale Intoleranz und staatliche Unterdrückung. Vielmehr waren sie Sinnbild für Freiheit, Widerstand und Anderssein.
Die filmische Reise in die Geschichte der Blumenkinder Ost beginnt in Polen. Dort entwickelte sich eine Hippieszene, die der amerikanischen vielleicht am ähnlichsten war. Psychedelische Musik, Experimente mit Drogen, selbst genähte Klamotten. Noch heute leben einige Aussteiger in den Bergen an der polnisch-ukrainischen Grenze in den Hütten, die sie sich als Hippies gebaut haben. Sie fühlen sich immer noch den Idealen von Woodstock verbunden, auch wenn das Leben ohne Komfort und Konsum beschwerlich ist.
Von Polen aus geht es weiter nach Prag, Budapest und Ostberlin. Ehemalige Hippies erinnern sich an ihren Ausstieg aus der Gesellschaft. So die einstigen Musiker der Band "Plastic People of the Universe". 1969 gegründet, gehörte sie zu den einflussreichsten Bands des Prager Undergrounds. Obwohl sie sich nicht als politische Band verstand, bekam sie Auftrittsverbot. 1976 wurden die Band-Mitglieder mit Scheinprozessen überzogen und zu teilweise hohen Gefängnisstrafen verurteilt. Im Zusammenhang mit diesen Prozessen gründete sich 1977 die Charta 77, die sich für die Bewahrung der Menschenrechte einsetzte und schnell nationale Bedeutung erlangte.
Die Dokumentation zeigt eine spezifische Jugendszene, die in ihrer Buntheit und dem konsequenten Anderssein nicht in das offiziell propagierte Bild der sozialistischen Gesellschaft passte. Dadurch hat sich die Szene als langlebig erwiesen. Bis zum Ende der 80er Jahre bildete sie immer noch eine ernstzunehmende Gegenkultur, auch wenn ihre Protagonisten immer älter wurden. Und auf Festivals wie der "Haltestelle Woodstock" tanzen heute die Enkel der Blumenkinder Ost.
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Flower Power Ost
Die Blumenkinder des Sozialismus
Mittwoch, den 25. Juli 2007 um 20.45 Uhr
Dokumentation, Deutschland 2006, RBB, Erstausstrahlung
Regie: Lutz Rentner, Frank Otto Sperlich
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Erstellt: 02-09-08
Letzte Änderung: 02-09-08