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20/04/04

Francis Bacon und die Bildtradition

mit Werken von Tizian- Velázquez - Rembrandt - Goya - Van Gogh - Picasso


>> bis 20. Juni 2004

Die Fondation Beyeler veranstaltet die erste grosse museale Einzelausstellung in der Schweiz, die dem 1909 in Dublin geborenen und bis zu seinem Tod 1992 in London lebenden Künstler Francis Bacon gewidmet ist. Dabei handelt es sich nicht um eine klassische Retrospektive, sondern um eine Ausstellung, die das Werk Bacons erstmalig in ein Netzwerk von Beziehungen zu den alten Meistern bis hin zu Künstlern des 20. Jahrhunderts stellt.

Bacon gehört zu den bedeutendsten gegenständlichen Malern des 20. Jahrhunderts. Bis zuletzt hielt er fest am Drama der menschlichen Existenz als zentralem Thema der Kunst - und am menschlichen Körper als dessen perfekter Projektionsfläche. Darin folgte er Picasso, dessen eigene Obsession für die malerische Tradition ja ebenfalls legendär ist.

Die Ausstellung umfasst rund 40 Werke von Francis Bacon und ebenso viele Werke anderer Künstler, unter ihnen Tizian, Velázquez, Rembrandt, Ingres, Degas, Picasso und Alberto Giacometti sowie Filme von Eisenstein und Buñuel. Im Übrigen werden erstmalig Fotovorlagen und Skizzen des Künstlers ausgestellt, die er in seinem Atelier aufbewahrte und die als Inspirationsquellen für seine Bilder dienten. Dieses Material ist seit 1998 im Besitz der Hugh Lane Municipial Gallery of Modern Art in Dublin, wo Bacons Londoner Atelier nach seinem Tod wieder aufgebaut wurde. Aus dem Fundus der Studiovorlagen - Abbildungen aus Kunstbüchern und Magazinen - wurden Beispiele ausgesucht, die den Zusammenhang zwischen Bacon und seinen Vorbildern veranschaulichen.

Dieses Studiomaterial, auf das sich Bacon bei seiner Arbeit stützte, ermöglicht ein umfassenderes Verständnis seines Umgangs mit der Tradition. So verwendete der Künstler als Vorlagen nicht selten mit Absicht zerschlissene, oder von ihm eigenwillig bearbeitete Reproduktionen der Klassiker. Offenbar eignete sich die Tradition in banalisierter und verletzter Form besser als Ausgangspunkt für ihre letzte Transformation in Bacons Gemälden. In der Ausstellung vermitteln diese Dokumente somit in idealer Weise zwischen dem sublimen Grauen von Bacons eigenen Bildern und der manchmal abgründigen Schönheit der Werke jener Künstler, die er als seine Vorbilder akzeptierte.

Die Ausstellung beleuchtet namentlich folgende Themenkreise: die Tradition des Papstporträts, Bacons Papstbilder, das Motiv des Schreis bei Bacon, das Motiv des Käfigs, Bacon und der Surrealismus, Bacon und Van Gogh, der Bildtypus des Triptychons, die Repräsentation des Körpers im Zusammenhang mit Ingres und Velázquez, Porträt und Selbstporträt, das Spiegelmotiv in Bacons Werk.

Unter Bacons Hauptwerken in der Ausstellung figurieren mehrere der berühmten Triptychen von Bacon (z.B. Drei Porträts: Posthumes Porträt von George Dyer, Selbstporträt, Porträt von Lucien Freud, 1973), in denen der Künstler dieser alten Würdeform der Kunst neuen Ausdruck verliehen hat. Neben mehreren zentralen Versionen des schreienden Papstes sind zudem Variationen über ein zerstörtes Selbstbildnis von Van Gogh zu sehen.

Unter den Werken der anderen Künstler befindet sich Tizians Porträt von Kardinal Filippo Archinto (1551-1562) aus dem Philadelphia Museum of Art, sowie das Porträt von Papst Paul III (1546) ebenfalls von Tizian, aus der Sammlung des Kunsthistorischen Museums Wien. Gezeigt wird ausserdem Jean Auguste Dominique Ingres' Oedipus und die Sphinx (1826-1827) aus der National Gallery in London, ein direktes Vorbild für Bacons Version dieses Themas. Von Edgar Degas sind Pastelle zu sehen, die veranschaulichen, warum Bacon besonders von der Malweise dieses Künstlers beeindruckt war. Zum ersten Mal werden zudem Zeichnungen von Picasso aus den späten 20er Jahren Bacons surrealistischen Zeichnungen aus den frühen 30er Jahren, dem Beginn seiner künstlerischen Arbeit, gegenübergestellt. Ebenfalls zu sehen sind bedeutende Werke von Rembrandt, Velázquez und Van Gogh. Gezeigt werden des Weiteren ein Ausschnitt aus den Film Panzerkreuzer Potemkin von Sergej Eisenstein sowie Luis Buñuels und Salvador Dalís Kurzfilm Andalusischer Hund, aus denen Francis Bacon in seinen Bildern einzelne Szenen und Standfotos verarbeitet hat.

Erstellt: 20-04-04
Letzte Änderung: 20-04-04